Thomas Demand | Mehr als Bilder von Modellen der Bilder von Bildern
Juni 5, 2008 · Print This Article

Foto > Kai von Rabenau, www.mono-graphie.com
Das wohl berühmteste Bild eines Ermordeten in der Badewanne hängt heute in den Musées royaux des Beaux-Arts in Brüssel. „Der Tod des Marat“ von Jacques-Louis David zeigt den radikalen Jakobiner, Arzt und Journalisten Jean-Paul Marat und blieb nur kurz als visuelle Mahnung in der Nationalversammlung des revolutionären Paris, danach musste es als skandalöse Erinnerung an die Vergangenheit jahrelang von David versteckt werden. Auf Platz zwei rangiert dann schon Uwe Barschel. Ob er ermordet wurde oder sich in der Wanne des Genfer Hotels Beau Rivage selbst ein Ende setzte, ist bis heute nicht geklärt. Als Skandalbild auf dem Cover des „Stern“ gelangte es aber 1987 schnell in unser kollektives Bildgedächtnis.
Wie sich solche Bilder in den Köpfen festsetzen und welche Wandlungen sie dabei erfahren, erforscht der Künstler Thomas Demand. Seit er an der Düsseldorfer Kunstakademie die Bildhauerklasse bei Fritz Schwegler absolvierte, macht er Fotos. Das ist plausibler, als es klingt. Denn Demand fotografiert dreidimensionale Modelle, die er mit einem Stab von Assistenten aus Papier und Pappe baut. Diese Großformatfotos bilden das Endprodukt einer Kette von konzeptuellen Untersuchungen über das Bild an sich. 1997 hatte sich Demand des ikonischen Barschelfotos angenommen und Badewanne, -wasser und -matte nachgebaut und abfotografiert. Obwohl die Leiche fehlt, verströmt das Bild eine beunruhigende Wirkung. Denn in den Bereichen des Gehirns, die für das deklarative Gedächtnis verantwortlich sind, findet eine Vermischung von Bilderinnerung und Faktenwissen, Fantasie und Logik, kreativer Antizipation und unbewusster Täuschung statt. Wenn Elemente eines Phänomens abstrahiert und zueinander in Beziehung gesetzt werden, entsteht ein Modell. Thomas Demand geht mit dieser Theorie in die Praxis und wird dabei auch schon mal als investigativer Künstlerdetektiv tätig, wie er uns anlässlich seiner Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle erklärt hat. Dort zeigt er unter anderem die Serien „Klause“, „Embassy“ und den Film „Camera“.

Thomas Demand “Camera”, 2007
HD-Video, 1,40 min, Loop, stereo © Thomas Demand / VG Bild-Kunst, Bonn 2008
Worum geht es im Film „Camera“? Nach dem ist ja auch Ihre Ausstellung benannt.
„Camera“ ist eine High Definition Projektion. Es zeigt nur die Stop Motion einer Kamera, die sich von links nach rechts und zurück dreht. In der Mitte des Films schaut sie Sie kurz an. Wie Kameras das eben so machen. Gleichzeitig verändert sich auch die Kameraposition die ganze Zeit. Das ist subtil, aber Sie merken, dass beide Bilder schwimmen.
Man fragt sich, wer da eigentlich wen beobachtet.
Dass kann man sich fragen, es ist aber eigentlich auch ein ganz simpler Film. Dann kommt ein rein artifizieller Ton dazu, so eine Art Flughafensound.
Welchen Hintergrund hat diese Film-Arbeit?
Gar keinen Hintergrund. Nur einen Film, den ich mal mit meinem Handy gemacht hab. Auf einem kleinen brasilianischen Provinzflughafen. Der Film lag die ganze Zeit herum und ich wusste noch nicht was daran vielleicht noch interessant ist. Bis ich dann merkte, dass es wahrscheinlich das Schwingen der Kamera ist, aber gleichzeitig auch eben dieses komische Wechselverhältnis von der Kamera zu dem, was die Kamera eigentlich filmt und dass man gleichzeitig gefilmt wird.
Die Arbeit „Campingtisch“ zeigt nicht nur eine Ansammlung von Gegenständen, sondern ist auch die Repräsentation des Tisches, an dem Jan Philipp Reemtsma während seiner Entführung gesessen hat.
Es zeigt das Gefängnis von Herrn Reemtsma. Da gibt es ein Foto, das die Entführer gemacht haben, da sitzt Reemtsma auf einem Campingstuhl und rechts daneben ist dieser Tisch. Und diese Utensilien auf dem Tisch haben dann später mitgeholfen, die Täter zu überführen. Die haben ihr eigenes Verhängnis unfreiwilligerweise mit fotografiert.
Es stecken also Geheimnisse in den Bildgegenständen?
Sie vermuten ja immer, wenn Sie so ein Bild sehen, woher die Spannung kommt. Die Objekte sind so zufällig oder so beabsichtigt zum gleichen Zeitpunkt, also zufällig insofern sie so wahllos für Sie als Betrachter sind, andererseits sind sie so wahllos, dass sie gar nicht wahllos sein können, dafür sind sie zu spezifisch. Wenn Sie ein zufälliges Bild von einer Ecke haben, dann liegen da Dinge, die können Sie gar nicht erfinden. Deswegen verwende ich eben auch so gern Bilder von anderen Leuten, weil da Sachen drauf sind (Roland Barthes nennt das „punctum“), die Sie gar nicht so gut erfinden könnten. Die Badematte bei dem Barschelfoto hat so eine komische Welle drin, das ist einfach so, es passiert bei Ihnen im Badezimmer genauso. Aber es macht dieses Bild eben spezifisch. Diese Kleinigkeiten oder dieses komische Türkis der Kacheln – wenn Sie als Künstler da ein Gefühl für entwickeln, dann können Sie sich auch drauf verlassen, dass es auch beachtet wird. Wenn Sie die Dinge also so anlegen, dass Sie nie genau wissen, wo sie hingehen, aber trotzdem um ihre Spezifität wissen. Dann vermitteln sie für den Betrachter auch mehr als das Bild von irgendeiner Ecke.
Worüber sprechen die Fotos in der Hamburger Ausstellung?
Alle Arbeiten, die ich in Hamburg zeige, haben etwas mit den Autoren der Bilder zu tun und nicht mit den Bildern selbst. Im Film „Camera“ ist die Kamera selber das Thema, ganz banal, eins zu eins. Dann „Embassy“, da gibt es gar keine Fotos dazu, das bin sozusagen ich selber, da werde ich gleichzeitig zum Dokumentaristen wie zum Illustrator. Die „Klause“ ist ein Puzzle von Dingen, die aus verschiedenen Quellen kommen.
Die Tosa-Klause in Saarbrücken-Burbach zeigt den vermeintlichen Tatort eines Verbrechens von Kindesmissbrauch: den Fall Pascal.
Hier haben wir zum Teil Fotos vor Ort gemacht. Zum Teil Fotos, die nichts mit dem Verbrechen zu tun haben, weil das Gebäude danach sofort renoviert wurde.
Ein Bild dieser Serie zeigt nichts weiter als eine vertrocknete Yuccapalme und trotzdem stellt sich wieder dieses unangenehme Gefühl beim Betrachter ein.
Jeder hat so eine Yuccapalme zuhause. Dieser verdorrte Baum, der überall stehen könnte. Wie eine Metapher macht er das Bild gleichzeitig dämlich wie auch tragisch. Die Yuccapalme versucht den Abstand zu überbrücken zwischen hier sind die fiesen Pädophilen und wir sind dort auf der Seite der Guten nämlich auf der Bildseite. Der Kontext ist hier so aufgeladen, dass man Abstand nicht mehr so einfach konstruieren kann. Letztlich haben alle Arbeiten wieder mit der Kameraposition zu tun und deswegen hat die Ausstellung auch diesen offensiven Titel „Camera“. Ich will was über den Autoren machen, über Leute, die Bilder machen.

Thomas Demand”Embassy I”, 2007
C-Print / Diasec, 204 x 168 cm © Thomas Demand / VG Bild-Kunst,
Bonn 2008 Courtesy Esther Schipper
Welche Fiktion steht hinter „Embassy“?
Im ersten Bild der Serie bin ich als Betrachter in einer voyeurhaften Fotografenposition und fotografiere seltsamerweise ein Etagenhaus, dem eine mir unbekannte Fahne vorhängt.
Und im zweiten betreten Sie einen nächsten Raum, das ist dann bereits der Flur. Und Sie sehen auf dem Flur die Tür, um die es sich dreht. Sie sehen gleich daneben noch ein Detail von der Tür, wo Sie dann auch Dinge sehen, die auf dem anderen Foto nicht drauf sind. Eine Klingel, ein Schloss, so was eben. Durch diese beiden Bilder betreten Sie sozusagen den nächsten Raum. Sie sind jetzt drin…
…in der Botschaft von Niger in Rom…
…können sich umdrehen und sehen eine Tür, die geschlossen ist. Eine Tür, die in der Ausstellung genau deckungsgleich hängt zu der anderen Tür, die davor hängt. So staffelt es sich immer weiter nach hinten. Bis man dann in diesem Büro steht, wo der Einbruch stattfand. Wo alles durcheinander liegt. Aber nicht wirklich wie nach einem Einbruch, sondern eher so ein Bürochaos. Und das ist dann auch schon das Ende. Sie gelangen in diesen Raum rein, als machten Sie selbst Fotos.
Was ist da passiert?
Da wurde Briefpapier geklaut. Leeres Briefpapier.
Warum stiehlt jemand Briefpapier?
Na ja, am Anfang dachten die wohl, man könnte irgendwas daraus fabrizieren. Es wurde eingebrochen in der Neujahrsnacht 2000/2001, also vor 9/11. Briefpapier gestohlen, eine halbleere Bulgari-Parfumflasche und eine Swatch, das ist alles. Die Polizei ist dem nachgegangen, hat eine Anzeige aufgenommen, niemand hat was gehört. Drei Monate später wurden zwei Berlusconi-Zeitungen gefälschte Verträge angeboten, geschrieben auf Briefpapier der nigerischen Botschaft, gefälschte Verträge zwischen Saddam Hussein und dem Außenminister von Niger über 500 Tonnen Yellowcake, das ist unraffinierter Uranstaub. Niger ist davon einer der größten Förderer. Hauptabnehmer ist Frankreich, alle französischen Atomkraftwerke laufen damit. Elisabetta Burba, einer italienischen Journalistin, wurden diese Verträge angeboten gegen gewisses Geld. Sie hat sehr viel mit Geheimdiensten zu tun in und wollte erst mal diese Verträge prüfen, bevor sie das kauft. Es ging nur um 10.000 Euro aber trotzdem wollte sie es erstmal prüfen und hat festgestellt, die Verträge sind ganz lausige, schlechte Fälschungen. Der haarsträubendste Fehler war, dass die Unterschrift von einem Außenminister stammte, der zu dem Zeitpunkt schon seit zehn Jahren nicht mehr im Amt war. Ihr Chefredakteur sagte ihr, gehen Sie doch mal zur amerikanischen Botschaft und schauen, ob die was wissen. Die amerikanische Botschaft hat gesagt, das ist alles Unsinn, wollten die Papiere aber mal kopieren. Dann hört man nichts mehr davon. Dem Typen, der ihr das Material angeboten hat, sagt sie, das sind Fälschungen, damit will sie nichts zu tun haben. Der Fall ist gestorben. Ein Jahr nach dem Einbruch ist es der einzige Beweis, den die amerikanische Regierung vorbringt für den Einmarsch in den Irak. Neben Fotos von den Lastern, sind es eben diese Verträge, auf die hin damals Tony Blair sagte: In 45 Minuten kann Saddam die Bombe scharf machen. Das war so eine Hysterie. Die CIA hatte die Verträge intern geprüft und auch gesagt, da ist nichts dran. Sie haben einen Diplomaten, der lange da unten war, nach Niger geschickt, um mehr herauszufinden. Der kam zurück und sagte, 500 Tonnen Yellowcake sind 120 Lastwagenladungen, die müssen durch vier Länder an die Küste gefahren werden und das während es ein UNO-Embargo gegen den Irak gibt. Die Minen sind hermetisch unter französischer Kontrolle. Das ist vollkommen unmöglich. Dick Cheney misstraute aber der CIA und sagte, die CIA sei unfähig. Dass sie diesen Beweis nicht ernst nahmen, zeuge nur von ihrer Unfähigkeit, nicht davon, dass der Beweis falsch ist.
Wann sind Sie auf diese ganze Geschichte aufmerksam geworden?
Mitte vorletzten Jahres. Es gibt jemand, der die zum ersten Mal zusammengepuzzlet hat. Er heißt Carlo Bonini und arbeitet für La Repubblica und den habe ich dann getroffen im Hochsicherheitstrakt, den es bei La Repubblica für ihre investigativen Journalisten gibt.
Und die haben auch Fotos von der Botschaft gemacht?
Die haben keine Fotos gemacht. Es gibt auch keine Fotos.

Thomas Demand “Embassy V”, 2007
C-Print / Diasec, 164 x 224 cm © Thomas Demand / VG Bild-Kunst,
Bonn 2008 Courtesy Galerie Sprüth Magers
Das heißt, Sie haben Fotos gemacht?
Draußen vor der Botschaft konnte man Fotos machen und dann geht man rein und kann noch zu der Tür neben dem Lift gehen, da kann man auch noch Fotos machen. Leute, die sich unten beim Doorman als Journalisten ausgeben, kommen schon gar nicht hoch. Ich habe gesagt, ich muss zum Zahnarzt dort, da ist gegenüber ein Zahnarzt und dann bin ich hoch und habe fotografiert und eine Stunde gewartet. Keiner geht rein und keiner kommt raus. Nichts passiert. Nächsten Tag: zwei Stunden warten. Keiner geht rein, keiner geht raus. Am dritten Tag klopf ich an und sage, ich wollte mal den Botschafter sprechen. Es ginge um eine Visaangelegenheit. Geht die Tür einen Spalt weit auf und eine alte Frau schiebt ein Papier raus und macht die Tür wieder zu. Das war ein französisches Formular, ein Visaantrag. Das ist alles. Weiter kommt man nicht. Ich habe einen Freund von mir hingeschickt, der hat um ein Interview gebeten, wie das alles so weitergegangen wäre. Die Tür ging auch wieder nur den Spalt auf. Kein Interesse. Punkt. Tür zu. Dann habe ich den Bonini wieder gefragt, wie kommen wir da rein? Ob ein Privatdetektiv reinkommt irgendwie. Ob man die Frau nicht bestechen kann. Ob er nicht irgendjemanden kennt. Oder ob man das offiziell macht? Bonini sagte, Bestechung sei ein Problem, es könne sein, das die sagt: Ja, 2000 Euro, dann treffen wir uns heute Nacht. Wenn man dann hinkommt, könne es aber sein, dass fünf Polizisten da stehen. Und man ist auf exterritorialem Gebiet, das ist ein Riesending, da kann einem keiner helfen. Das würde er selber auch nie machen. Privatdetektive würden sich aus demselben Grund niemals die Finger daran verbrennen, das würde keiner machen. Dann gab es ’ne Wohnung zu vermieten zwei Stockwerke drüber. Die habe ich angeguckt und ausgemessen, um ein Gefühl für das Gebäude zu kriegen, wie das geschnitten ist, was da für Details drin sind. Bis dann irgendwann der Bonini gesagt hat, das einzige, was ich an Ihrer Stelle machen würde, wäre da hinzugehen und zu sagen, ich mache ein Kunstprojekt. Ich bin Künstler und ich will Ihr komplettes Appartement aus Papier nachbauen. In Originalgröße…
Das hört sich so verrückt an…
…dass es klappen könnte. Das hat mir total eingeleuchtet. Nicht weil es so eine tolle Geschichte ist oder man immer ehrlich bleiben soll, sondern einfach, weil ich dachte: Klar, da würde ich auch erst mal die Tür aufmachen. Ich gehe also hin und sage: „Arte Arte.“ Und sie lässt mich rein und weiß aber ganz genau, dass ich derselbe bin, der vor zwei Tagen schon mal angeklopft hat. Im ersten Raum konnte ich noch zwei Fotos mit dem Telefon machen, während ich da saß. Sie diskutiert und ich geb’ ihr den Katalog vom MoMA und sage das ist ganz wichtig, Biennale di Venezia und so. Irgendwann kommt sie und sagt, sie hat mit dem Konsulatsbeamten gesprochen, ich soll doch am Montag wiederkommen. Ich sage, ich bin aber jetzt extra aus Berlin gekommen, ich bin jetzt den dritten Tag hier und kann nicht länger bleiben. Dann ging die wieder hinter und hat rumgeredet. Eine Viertelstunde später kommt sie wieder und sagt dann der Konsulatsbeamte kann Sie jetzt doch empfangen für zwanzig Minuten. Ich versuche, ihm mit dem Katalog klar zumachen, was ich da machen möchte. Er spricht kein Englisch, ich kein Französisch. Ich gebe vor, kein Italienisch zu sprechen. Das heißt, die Kommunikation ist denkbar schwierig, was natürlich zu meinem Vorteil ist, weil ich mich solange dabei umsehen kann. Und ich merke: der hat überhaupt keine Ahnung von Kunst, der hat auch überhaupt keine Ahnung von Bildern, weil ihm als Moslem einfach wahrscheinlich unbekannt ist, warum einer überhaupt Bilder von irgendwas macht. Und die dann auch noch aus Pappe nachbauen will! Aber irgendwie merkt man so, der findet einen eigentlich freundlich, weil man auch offen ist und nett und nichts im Schilde zu führen scheint, aber andererseits beobachtet er dich die ganze Zeit genau. Dann klappt er das Buch zu und sagt in fließendem Englisch: „The Republic of Niger does not have any interest in what you are doing. Thank you very much“, und expediert mich raus. Aber diese zwanzig, fünfundzwanzig Minuten, die ich da hatte, habe ich genutzt. Ich bin sofort heruntergegangen und habe alles aufgezeichnet, an was ich mich erinnern konnte. Jede Steckdose, jedes Detail. Man weiß ganz genau, eine halbe Stunde später weiß man schon nichts mehr. Und daraus habe ich das ganze Ding dann nachgebaut. Genau auf dem Grundriss den ich hatte von dem Büro darüber. Damit hatte ich schon mal Details über die Wände, wie da so der Stuck reingeht und wie die Lichtschalter aussehen. Solche Sachen konnte man studieren, aber der Rest ist komplett aus der Erinnerung.
Werden alle Bilder der Serie gezeigt?
Alle zehn. Das zehnte ist nur eine Detailaufnahme von der Faxmaschine. Es war die gleiche, die ich zuhause habe und ich dachte mir, das geht ja schon mal gut los. Die kann ich mir ja zuhause lang angucken. Für mich ist jetzt die Faxmaschine das, was ich mit der nigerischen Botschaft zu tun habe. Für mich liegt hier das Interesse darin, dass man in dem Fall nur die Sache zu Gesicht gekriegt hat, weil ich da mal herein gegangen bin. Im Grunde wollte ich halt wissen, wie kann man sich annähern an so ein wirkliches Ereignis als Künstler, ohne pamphletmäßig eine Botschaft rüberzubringen. Denn ich hab ja keine Botschaft in dem Sinne: die Amis sind böse und die im Niger sind gut. Das wird auch nicht klar aus den Bildern, aber man kommt wieder auf das Bild zurück. Das Bild wird genauso wichtig für uns, wie die Sache selber.
Text & Interview > Marcus Woeller
Thomas Demand, „Camera“, Hamburger Kunsthalle, Galerie der Gegenwart, noch bis zum 06.07.2008,
www.hamburger-kunsthalle.de
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