
Danger Mouse und Cee-Lo treten in die Fußstapfen von Jack Lemmon und Walter Matthau und geben auf ihrem zweiten Album „The Odd Couple“. Auf deutsch: Männerwirtschaft. Das ist nicht wörtlich zu verstehen, vielmehr pflegen sie ihr ungleiches Erscheinungsbild, gehen in die zweite Runde mit ihren munteren Rollenspielchen, bei denen sie sich schon in der Vergangenheit als bekannte Figuren aus Filmen wie „Krieg der Sterne“ oder „Der Zauberer von Oz“ oder als Gladiatoren, Tennisspieler oder Wissenschaftler präsentierten.
Brian Burton alias Danger Mouse ist der umtriebige Produzent und Multiinstrumentalist, Thomas Callaway alias Cee-Lo Green war sowohl als Mitglied der HipHop-Gruppe Goodie Mob als auch solo unterwegs und schöpft jetzt die Soul-Qualitäten seiner Stimme bei Gnarls Barkley aus. Nach dem Debüt „St. Elsewhere“ mit dem Überhit „Crazy“ lassen sie mit „The Odd Couple“ ein Album mit eingängigen Uptempo-Stücken und Balladen zwischen Soul, Funk, Pop, Rock und Blues folgen.
Die Hauptfiguren des Stücks „The Odd Couple“, Felix und Oscar, wurden in der Verfilmung von Lemmon und Matthau, in der TV-Serie „Männerwirtschaft“ von Tony Randall und Jack Klugman dargestellt. Welches war euer Lieblingsteam?
Danger Mouse: Ich denke, dass uns Matthau/Lemmon näher stehen. Allerdings kenne ich die TV-Serie nicht so gut. Ich habe den Film kürzlich wieder gesehen und mag die beiden Schauspieler einfach, besonders Jack Lemmon.
Cee-Lo: Wir sind selbst sehr originell und seltsam. Ich meine, wir sind tatsächlich und auch wörtlich genommen ein seltsames Paar.
Wie sieht es mit der Verteilung der Rollen aus? Wer von euch ist eher der gepflegte, penible, neurotische und wer ist eher der gelassene, schlampige Typ?
Danger Mouse: Ich muss zugeben, dass ich vermutlich eher der neurotischere Typ bin.
Cee-Lo: Und ich bin Oscar. Kein Zweifel.

Wie seltsam ist eure Beziehung wirklich?
Danger Mouse: Ich nehme an, dass wir nebeneinander tatsächlich etwas merkwürdig aussehen. Aber wir haben viele Gemeinsamkeiten, und es gibt viele Dinge, mit denen wir beide etwas anfangen können
Cee-Lo: Für Außenstehende ist unsere Beziehung gewiss seltsamer, als sie uns selbst vorkommt. Jedenfalls hat man uns schon häufig als seltsam betrachtet und uns entsprechend bezeichnet. Ab irgendeinem Punkt machst du dir die Sache dann zu Eigen. Ich würde aber eher von einer seltenen, einzigartigen Beziehung sprechen. Ein Album wie „The Odd Couple“, ein derartiges Gefühl ist eine ausgefallene Sache, es ist originell. Es kann schon deshalb als seltsam bezeichnet werden, weil es ungewöhnlich ist.
Die Sonderbarkeit eurer Beziehung bedingt die Einzigartigkeit des Albums?
Cee-Lo: Na klar. Es ist entscheidend, dass du dir selbst gegenüber ehrlich bist, du solltest bereit sein, auf dich zu hören und auf dich einzugehen. Man könnte sagen, dass wir uns einander mit diesem Album umarmen und dabei unsere Gemeinsamkeiten und unsere individuellen Züge feiern. Wir erlauben uns die Freiheit, als Individuen zusammen zu arbeiten. Das macht das Besondere unserer Partnerschaft aus.
Danger Mouse: Auf der persönlichen Ebene kommen wir sehr gut miteinander klar. Wir fühlen uns verwandt, stehen uns als Freunde sehr nahe, aber wenn es um die Arbeit geht, dann können wir uns auch gut gegenseitig herausfordern. Wenn ich etwas Außergewöhnliches vorgebe, kann ich damit rechnen, dass Cee-Lo im Gegenzug ebenfalls etwas anderes daraus macht und wiederum mich erneut herausfordert. Das ist ein ziemlich guter Arbeitsvorgang.
Wann habt ihr erkannt, dass etwas Besonderes zwischen euch besteht?
Danger Mouse: Das spürst du andauernd. Musikalisch gesehen und immer wenn wir zusammen sind. Und als wir rund ein Jahr gemeinsam auf Tour waren, wurde es sogar noch deutlicher. Das hat sich alles ganz wunderbar entwickelt.
Cee-Lo: Ich wusste es vom ersten Moment an, als ich Danger traf. Er hat mir ein paar Sachen vorgespielt und ich wusste automatisch, was wir gemeinsam haben. Wenn ich Songs schreibe, dann erzähle ich ihm zunächst nichts darüber, weil ich gern mit dem Ergebnis überrasche. Und dann möchte ich von ihm wissen, ob der Text dem entspricht, was er geschrieben hätte, wenn er die Songs schreiben würde.
Hat euch eigentlich der gewaltige Erfolg von „Crazy“ überrascht?
Cee-Lo: Ja, das habe ich nicht erwartet. Für mich steht immer der Versuch im Vordergrund. Und ein Erfolg ist für mich bereits gegeben, wenn eine Platte veröffentlicht wird. Klarheit hast du nur bezüglich deiner Absichten, aber nicht in Bezug auf das Ergebnis. Du kannst nie vorhersagen, wie die Leute darauf reagieren werden. Letztlich ist jedes künstlerische Unternehmen eine reine Vertrauenssache.
Danger Mouse: Ich würde nicht von einer Überraschung sprechen. Du bekommst schon bestimmte Stufen des Erfolgs mit, und beobachtest, wie sich der Song entwickelt. Aber im Grunde hoffst du jedes Mal, wenn du etwas machst, auf das du stolz bist, dass du damit so viele Menschen wie möglich erreichst.
Eure Musik vermittelt zugleich etwas Altmodisches und etwas Futuristisches…
Cee-Lo: Ich denke, dass in der Zeit, die wir mit „The Odd Couple“ verbinden, ein ähnlicher Geist vorherrschte. Es greift eine Ära auf, die ich als zeitlos bezeichnen würde. Diese Musik lebt, sie ist nicht altmodisch geworden, sie ist nicht kurzlebig. Sie steht für einen lebendigen, wahren Geist und die Empfindungen einer Generation. Jetzt haben wir 2008, in der Zwischenzeit hat sich unglaublich viel getan, es hat große technische Errungenschaften gegeben, und dennoch kommt uns diese Musik immer noch sehr organisch und natürlich vor. Sie hat auch im Hier und Jetzt Bedeutung. Wir führen die „First of its kind“-Tradition fort. Und wir müssen frech und mutig genug sein, um diesen Weg einzuschlagen.
Wie steht es denn heute um den HipHop?
Danger Mouse: Keine Ahnung. HipHop ist vermutlich das letzte woran ich denke, wenn ich morgens aufwache. Ich stehe auf und möchte Musik machen, die nichts mit dem HipHop der Vergangenheit oder der Gegenwart oder mit der HipHop-Kultur zu tun hat. Ich stehe auf und mache einfach nur Musik. Deshalb kann ich auch nichts über irgendein bestimmtes Musikgenre sagen.
Cee-Lo: Was wir machten, habe ich immer als eine Variation oder einen Hybrid verstanden, der im Zusammenhang mit HipHop stand. Aber nicht durch und durch oder einzig und allein als HipHop. Da gab es Soul und Melodien, soziales Bewusstsein und viele andere Dinge.
„Soul Food“ von Goodie Mob war ein Meilenstein…
Cee-Lo: Stimmt, das war ein wichtiges Album. Aber was ich für Goodie Mob mache und gemacht habe, unterscheidet sich deutlich von dem, was ich mit Gnarls Barkley bringen kann. Aber um deine Frage von vorhin zu beantworten: Ich habe den Eindruck, dass HipHop gut allein zurecht kommt. Ich selbst fühle mich unruhig und weniger gemütlich. Ich will mehr für den HipHop und für die Musik insgesamt. Und wir sind bemüht, etwas beizutragen. Wir wollen ein leuchtendes Beispiel dafür sein, was möglich ist.
Und das kann man mit Gnarls Barkley leichter erzielen als mit einer HipHop-Gruppe?
Cee-Lo: Ja, denn in Gnarls Barkley beschäftigen wir uns mit Melodien und Harmonien. Und mit sehr weit gefassten Themen. Die Dinge, die wir ansprechen wollen, beschränken sich nicht auf die unmittelbare Umgebung. Es sind Dinge, die überall und jedem passieren können und sich nicht auf eine Nachbarschaft im Radius von etwa acht Blocks konzentrieren. Gnarls Barkley steht für die Menschheit. Und Rap kann etwas begrenzt sein aufgrund seiner Ausgestaltung, seines Outfits und seines Gefühls. Wenn er damit zufrieden ist, dann soll es so sein. Aber ich glaube auch, dass er kompetent und selbstbewusst genug ist, um unseren Beitrag anzuerkennen. Und es steht wohl außer Frage, dass wir eine Alternative und eine Möglichkeit zur Auswahl gebrauchen können. Genau das wollen wir mit Gnarls Barkley sein: eine Alternative. Wir wollen uns nicht messen und wollen nicht
verglichen werden, wir wollen lediglich neben und mit anderen existieren. Und das gelingt uns auch.
http://www.gnarls-barkley.de
http://www.myspace.com/gnarlsbarkley
Text und Interview: Michael Tschernek