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Irina vs. Rudolf Dassler by Puma

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“Die Zukunft, die es nie gab”: Wer sich mit den Futurismus-Visionen vergangener Tage beschäftigt, stößt genauso auf utopische Designs wie auf die Tatsache, dass viele Ideen, die wir heute als neu empfinden oft schon vor Jahrzehnten vorhergesehen wurden. Dies gilt insbesondere für Technologie-Prototypen und vormals nur der Phantasie entsprungene Science-Fiction-Szenarios, die in unseren digitalisierten Lebenswelten manchmal ganz plötzlich Realität werden, jedenfalls wenigstens in einem Cyberspace near you. In der zumeist analogen Welt der Textilien allerdings wird Saison um Saison eine nahe bevorstehende Zukunft vorab präsentiert, dabei aber als Vorlage regelmässig die Vergangenheit bemüht. Reiner Futurismus ist nicht kleidsam, nur gut für Laufstegspektakel, nicht aber für die Wirklichkeit. Wer will schon wirklich aussehen wie ein Weltaustellungs-Exponat. Beim Rudolf Dassler by Puma Label wurden jedoch für die Saison SS 09 nun Zukunft und Vergangenheit gemeinsam in die Gegenwart einer Kollektion geholt, indem man sich als Inspiration  die Zukunftsvisionen der 20er Jahre vornahm. Architektur und die damaligen Entwürfe der modernen Großstadt inspirierten kantige, asymmetrische Grafiken und die Verarbeitung der teilweise transparenten Materialien und Lochmuster bei Apparel und Schuhen.

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Seit der Übernahme durch den PPR Konzern ist Puma endgültig nicht mehr als vor allem an Performancewear orientierter Verfolger der übergroßen Sportmarken Nike und Adidas zu verstehen, sondern die Marke unter den Sportbrands, die die modischste Ausrichtung vorweisen kann. Für die reine Mode steht dabei das Rudolf Dassler Segment, wo der Schweiß der Anstrengung  am ehesten fließt, wenn, wie anlässlich der Bread&Butter, die neuen Kollektion in einem angemessenen Rahmen präsentiert werden soll.

Angemessen hieß diesen Sommer in Barcelona eine Invite-only Party für 500 Leute, inklusive Auftritten des New Young Pony Club und der Filthy Dukes…. Und natürlich inklusive  Irina Lazareanu. Die aus Rumänien stammende Kanadierin ist mit ihren 25 Jahren so etwas wie ein Alternativ-Supermodel. Ihre Präsenz ist zuerst individuell und erst dann model-like. Sie ist das Gegenteil einer glatten Catwalk Beauty und natürlich genau deswegen en vogue bei Verehren wie Nicolas Ghesquierre oder Karl Lagerfeld. Über Pete Doherty lernte sie Kate Moss kennen, über Kate kam 2005 der große Boost in die Modelwelt, in der sie allerdings auch vorher schon unterwegs war. Aktuell arbeitet Irina mit Sean Lennon an ihrer eigenen Musikkarriere und man vermutet noch viele weitere berühmte Namen in ihrem Adressbuch. So weit so glamourös. Für ein Interview stehen bei diesem Umfeld also die Zeichen auf Celebrity-Alarm. Aber während Irina natürlich zu spät dran ist und man nur in Gegenwart ihres Managers und der Puma-PR-Menschen sein 15 Minuten Gespräch bekommt, so ist der Star selber offensichtlich bemüht, keine unnötige Distanz entstehen zu lassen. Irina Lazareanu ist in der direkten Begegnung tatsächlich die quirlig aufgekratzte Rockbraut, die ihrem Image entspricht. Sie albert herum und gibt auch mal gerne den lauten Lad. Insgesamter Eindruck: normal bis plapperig, ein wenig verpeilt und irgendwie auf natürliche Art aufgeregt. Zum Abschluss meiner Mittagsaudienz prophezeit sie, dass sie nach ein paar Gläsern Wein am Abend sicher noch viel mehr zu erzählen habe. Ich räume das Feld für die brasilianische Vogue Abgesandte (in Brasilien sagt man Vogue natürlich mit einem weichen “g” und einem “i” am Ende), die wie ich gewartet hat, weil Irina unerwartet lunchen musste. Zur allgemeinen Verwunderung hat Frau Lazareanu nämlich einen überaus gesunden Appetit, da reichen ein paar Sandwiches und Obst eben nicht als Catering. Zu einer weiteren Begegnung am Abend kommt es dann nicht mehr, aber wer weiß, vielleicht trifft man Irina ja bald als Musikerin in eigener Sache.

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Wir sind hier anlässlich der Präsentation einer Bildreihe, auf der du die Rudolf Dassler by Puma Kollektion zeigst. Warst du „nur“ Model oder noch anderweitig involviert bei der Entstehung der Motive?
Die Bilder sind von Nagi Sakai. Der Fotograf ist bei solchen Shootings derjenige, der den Spirit der Company kennt, um den es geht, der das Image kreiert. Ich versuche, dem auf meine Art zuzuarbeiten. Ich versuche meistens, mit unkonventionellen Posen aufzuwarten. Manchmal inspirieren die Farben und Materialien, die man trägt, dazu. Ich mag es gerne, Dinge ein wenig zu dekonstruieren.

Du wirst in der Presse nicht allein als Model bezeichnet, sondern als Muse, die so unterschiedliche Leute wie den Balenciaga Designer Nicolas Ghesquierre, Pete Doherty oder Karl Lagerfeld inspiriert. Siehst du dich selber als Muse? Was für eine Rolle ist das?

Wow, das ist ein großes Kompliment, eine Muse zu sein. Ich glaube, es geht einfach darum, dass ich immer schon mit kreativen Leuten zu tun hatte. Ich bin selber so etwas wie ein Künstler, zumindest schreibe ich Songs.  Ich bin irgendwie ziemlich schräg (corky), ich bin nicht perfekt. I ch zeige meine Gefühle und bin ein ziemlich offener Typ. Ich glaube dadurch inspiriere ich villeicht manche Leute. Vielleicht können kreative Leute mit mir deswegen etwas anfangen.

Trennst du deinen eigenen kreativen Output von deiner kommerziellen Arbeit?
Klar, man muss seine Persönlichkeit und sein Image voneinander unterscheiden können.

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Aber es scheint so, dass alle auch versuchen, etwas von dir als Persönlichkeit zu bekommen. Immer geht es um deinen persönlichen Stil, du verkörperst so ein Vintage-Rock Ding, von dem alle gerade etwas abhaben wollen…?
Ich glaube, ich bin manchmal wie so ein guter Geist der Mannschaft. Karl Lagerfeld  hat mal gesagt, ich sein keine Muse, ich sei ein Maskottchen! Ich glaube, das ist es: Ich bin ein Maskottchen und springe immer so herum und unterstütze mein Team. Mein Beileid zum verlorenen EM Finale bei der Gelegenheit!

Oh Danke, aber die Spanier waren einfach besser.
Stimmt. Aber nächstes Mal klappt es bestimmt!

Wer hätte denn deiner Meinung nach die EM gewinnen sollen?
Rumänien natürlich!

Hast du die Spiele geguckt?
Na klar, ich hab meinen ganzen Arbeitsplan um die Spiele herumlegen lassen!

Und dann irgendwo privat den Fernseher angemacht oder warst du beim Public Viewing?
Ab in den nächsten Pub natürlich, Bier in die Hand nehmen und dann ordentlich mitgröhlen, wenn der Schiedrichter was falsch macht!

Kommen wir zu deinem Album, „Places Along The Way“. Was ist der Stand der Dinge?

Oh je. ich glaube, wenn das Album fertig ist, muss ich irgendetwas Radikales tun, mir den Kopf rasieren oder so. Die Arbeit daran zieht sich jetzt schon so lange hin…. Ich hab ungefähr 80 Demos in Kasten, meistens Kooperationen. Sean und ich, Pete und ich, Sean und Pete und ich und so weiter. Das wird mein Thema im August, das hab ich mir vorgenommen! Immerhin haben wir schon mal  “Strange Places” herausgebracht (folkiges Stück von Irina mit Sean Lennon, das letzten Dezember auf einem Chanel Presskit erschienen ist).

Auftritte machst du aber auch ohne Album?
Die ganze Zeit! Erst vor ein paar Wochen wieder mit den Babyshambles.

Wenn es mit dem Album soweit ist, solltest du Rudolf Dassler/Puma anrufen, um dich sponsorn zu lassen,oder?
(Jemand wirft ein, dass Rudolf Dassler nicht mehr lebe, worauf ich entgegne, dass ich die Marke meinte).
Warte, ich rufe Rudolf eben an: (nimmt ihr Handy und spricht hinein) Rudolf? Hi, wie geht´s? Alles klar? Was macht Ghandi? (lacht). (wieder ernster:) Mal sehen, wenn das Album fertig ist, klar könnte man darüber dann mal reden, etwas zusammen zu machen!

Aber heute abend spielst du nicht?
Ist nicht geplant. Aber mal sehen, man weiß ja nie… Ich könnte zum Beispiel die Fenster von diesem Backstage Bereich hier aufmachen und nach unten in die Halle singen: (singt) “Don’t cry for me Argentina”….

www.puma.com

Credits Text > Christian Tjaben
Credits Foto > Nagi Sakai (Aufmacherbilder), Puma Pressebild (Irinia in Barcelona)

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