Neues aus KW | Roggan, Schäfer, Serra

July 26, 2008 · Print This Article

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In den Kunst-Werken laufen mehrere neue Ausstellungen. Präzise, konkret und doch poetisch bieten sie eine äußerst gelungene Antwort auf die in ihrer Überfülle beliebige Berlin Biennale, die vor einigen Wochen zu Ende gegangen ist. Die Kuratorin der KW, Susanne Pfeffer, präsentiert drei Künstler auf vier Etagen. Stylemag rät: Hingehen! Anschauen!

http://www.vimeo.com/1435136


Albrecht Schäfers
  gewitzte, in vorgeblicher Einfachheit überzeugende Kunst ist noch von der Frühjahrsausstellung „… 5 minutes later“ in Erinnerung. Hier lud Pfeffer Künstler und Künstlerinnen ein, innerhalb von fünf Minuten produzierte Arbeiten zu zeigen. Der 1967 in Stuttgart geborenen Schäfer klemmte zwei Dachlatten zwischen Decke und Boden, die etwas länger als die lichte Höhe des Raumes waren. In der Spannung zweier spiegelsymmetrischer Hyperbeln machten sie in ihrer Zeichenhaftigkeit deutlich, worum es in der Ausstellung ging. Die Idee und ihre Ausführung im Raum. Konzept im Kontext sozusagen.

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Albrecht Schäfer, „Ohne Titel“, 2008Courtesy Galerie Kamm Berlin, Copyright: Albrecht Schäfer Installationsansicht Copyright KW Institute for Contemporary Art / Uwe Walter, 2008

Schäfer hat es offenbar mit Dachlatten. Nun spannt er mehr als 300 Latten so zwischen Betonboden und Kappendecke, dass sich die horizontale Wölbung der für Berliner Fabrikgebäude typische Deckenkonstruktion in einen vertikalen Schwung. Eine architektonische Rauminstallation zwischen Lattenzaun und Sinuskurve, Rotationskörper und retro Raumplastik. Dahinter verfolgt eine Kamera im Videoloop einen in der Thermik kreisenden Raubvogel. Je nach dem wie viel Wirbel die Besucher in der Ausstellung machen, fängt auch der Projektor an sich kreisend zu bewegen, hängt er doch nur an einem dünnen Drahtseil. Eine Etage höher sucht Schäfer die in Funktionsmöbeln nach einer geheimen Form. Korbsessel wickelt er auseinander und wieder zusammen, Jalousien verschränkt er zu in ihrer eleganten Geometrie verdrehten Skulpturen.

Auch die Dresdner Fotografin Ricarda Roggan (*1972) zeigt ihrer ursprünglichen Funktionalität enthobene Skulpturen. Unfallautos die im Dunkel einer Lagerhalle auf ihre Verschrottung oder ihre Reparatur warten. Der Gesichtcharakter einer Limousinenschnauze wird durch den Makel der Verletzung gesteigert. Roggans Lichtsetzung tut ihr übriges, den Autos ein Antlitz zu verleihen. Etwas Lebendiges wie den Wald setzt sie dagegen als undurchdringlich grüne Wand in Szene. Auch die Innenräume der Serie „Schacht“ zeigen Spuren der Veränderung, von denen aber kaum auf ihre Funktion zu schließen ist. Vermauertes, Übermaltes und Verschmutztes fügt sich in den Fotografien zu einer Abstraktion über den Wandel sonst unbeobachteter Orte.

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Ricarda Roggan, „Schacht 1“, 2006
Courtesy Galerie Eigen + Art Leipzig/Berlin, Copyright VG Bild-Kuns
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Im Dachgeschoss präsentiert Altmeister Richard Serra 16mm-Filme aus den 1960er und 1970er Jahren. „Wahrscheinlich musste ich diese Filme drehen, um mir den Unterschied zu Skulptur noch deutlicher zu machen.“ Für die Besucher machen aber gerade auch die Filme seine Skulpturen deutlich und tragen so zum Verständnis der monumentalen Plastiken und Materialobjekte des Künstlers bei. Doch funktionieren die Filme eben auch ohne Serras Werkzusammenhang. Mal fallen Bleistücke von oben in den Bildausschnitt und schwärzen die Hand, welche versucht sie zu fangen. In den Filmen dreht es sich immer um der Hände Arbeit, dargestellt an ihrer Geschicklichkeit und Beweglichkeit oder an den industriellen Produkten, die ohne solche Handfertigkeit nicht denkbar wären.

Ricarda Roggan, „Still Life“, Albrecht Schäfer, „Winds and Windings“ und
Richard Serra, „Thinking on Your Feet sowie
Hotel Marienbad 003 mit Savage, „You Will Have What You Want Sometime Soon“

KW Institute vor Contemporary Art Berlin,
noch bis zum 7. September 2008

Öffnungszeiten: Di – So 12 – 19 Uhr, Do 12 – 21 Uhr
Öffentliche und kostenfreie Führungen durch die Ausstellungen finden jeden Donnerstag um 19 Uhr statt.
www.kw-berlin.de

Erstes Bild > Ricarda Roggan, „Garage 5“, 2008
Courtesy Galerie Eigen + Art Leipzig/Berlin, Copyright VG Bild-Kunst

Text > Marcus Woeller

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