Josh Smith | Akte der Affekte
August 29, 2008 · Print This Article

Josh Smith lebt in New York und zählt zu den neuen Stars der Malerei. Bekannt wurde er mit einem zumeist nichtgegenständlichen Mix aus Graffiti, Collagen und allerlei Zitaten aus vergangenen Stilen, die er zu einer neuartigen, expressiven Malweise verbindet. Das Mumok in Wien widmet ihm jetzt eine Überblicksschau. Wenn Josh Smith seine Leinwände füllt, kommt das einem Raubzug durch die Vergangenheit der Gegenwartskunst gleich. Auf erfrischende Weise wiederholt der zweiunddreißigjährige Künstler das, was vor ihm bereits Größen wie Max Ernst oder Robert Rauschenberg der Malfläche angetan haben: Er zerstört die jahrhundertealte Symbiose von Ölfarbe und Oberfläche und packt alles auf die Leinwand, was dort kleben bleibt: Zeitungsartikel, fotokopierte Fotografien, Alltagsfundstücke.

Smith hat zudem ein Faible für den eigenen Namenszug entwickelt, den er gerne dick aufträgt. Mitten auf die Leinwand. Das sieht dann aus wie eine Mischung aus Abstract Expressionism und Graffitikunst aus dem New Yorker East Village, als Jean-Michel Basquiat der Sprung vom einfachen „Tagger“ in die offizielle Kunstwelt glückte. Smith setzt seine Zeichen in einer Spontaneität auf die Leinwand, die der Arbeitsweise unter Zeitdruck auf der Straße gleichkommt. Der Akt des Malens wird wichtiger als das konkrete Resultat. Das schafft Raum für Affekte – die hier definitiv im Mittelpunkt stehen. Die Freiheit, so arbeiten zu können, hatten die Maler früherer Jahrzehnte nicht, sie hatten sich noch mit allerlei Attitüden und Hemmnissen herumzuschlagen. In den Achtzigern zählte noch die zur Schau gestellte Pose der Malerfürsten wie bei Lüpertz & Co. Und in den Neunzigern diente figuratives Malen als Rechtfertigung dafür, sich, wie Neo Rauch im Osten und Daniel Richter im Westen Deutschlands, in Abwehr gegen die angesagte politische Videound Performancekunst überhaupt noch vor die Leinwand zu setzen. Josh Smith ist frei von solchen Problemen. Er gehört einer neuen Generation von Malern an, die in der Lage ist, sich aus der Geschichte der Malerei das herauszuholen, was für die eigenen Erkundungen auf der Leinwand nützlich ist. Und durch diese Freiheit der Auswahl aus einem bereits zuvor erarbeiteten Formenund Methodenarsenal kann in der Malerei ein neues Kapitel aufgeschlagen werden. Anhand der aktuellen Arbeiten wird klar, dass Josh Smith in den nächsten Jahren gute Chancen hat, einer der Hauptvertreter dieser neuen, subjektiven Auswahlstrategie zu werden.
Josh Smith, „Hidden Darts“,
Mumok – Museum moderner Kunst Wien, noch bis zum 21.09.2008
Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen: „Hidden Darts Reader“

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