Paris Fashion Week | 20 Jahre MMM
September 30, 2008 · Print This Article

Der Großmeister der Avantgarde, der stets im Verborgenen bleibt, feierte gestern mit seinem 40sten Defilee sein 20jähriges Jubiläum. Interessanterweise führte gerade die Unsichtbarkeit des Designers zu einer betonten Sichtbarkeit des Labels – so z.B. die 4 weißen Stitches mit denen das Label am Rücken eingenäht ist. Die Relevanz und Modernität dieser Marke ist nach 20 Jahren nicht etwa am abklingen, es scheint als sei Margiela auf dem Höhepunkt. Die Kollektion für Sommer 2009 war keine Retrospektive – diese ist momentan in Antwerpen zu sehen und wandert im März in das Haus der Kunst in München.
Es war vielmehr ein Spiel mit den Margiela Codes (Oversized, Trompe-l´œil, Dekonstruktion) und ein Update signifikanter Stücke wie das oversized Sakko, Edwardian Shoulders oder Perücken. Alle Re-Interpretationen hatten einen Wiedererkennungswert in der Geschichte des Hauses und waren zugleich überraschend neu und hochaktuell für kommenden Sommer. Die Models waren wie immer nicht identifizierbar und ihre Gesichter unter Strumpfmasken oder Perücken verborgen. Die Farbigkeit war beschränkt auf Weiß, Schwarz und Nude. Neben Seide, Baumwolle und Leder gab es Pailletten und Latex. Fake Prints, wie Nähte und Taschen einer Jeansjacke auf einem Cape und eine Bandage Korsage aus glitzernden Bändern – ein zu Kunst gewordener Fetisch. Als Schuhe liefen hautfarbene Pantoletten mit Keilabsatz, der schon auf der Fußmitte endete, oder Cowboystiefeletten. Es wurde zerlegt, überproportioniert und Materialien neu eingesetzt – wie etwa ein Cape aus Perücken. Die Grenze von Kleidung zu Kunst ist längst überschritten. Margiela schafft es wie kein anderer über den Tellerrand hinaus zu schauen und nicht nur in Röcken und Blusen zu denken.
www.maisonmartinmargiela.com
Text > Antje Drinkuth






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