Interview mit Stadtaffe | Peter Fox

Oktober 4, 2008 · Print This Article

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Pierre Baigorry ist Peter Fox. Der Seeed Vokalist / Songschreiber / Produzent hat mit „Stadtaffe“ eine Soloplatte gemacht, die den deutschen Herbst 2008 rocken dürfte. Wir trafen Pierre in Berlin und da Jaybo von Stylemag.net auch schon mal ein Seeed Cover gestaltet hat („Next!“, 2005), fängt das Interview mit dem Thema grafische Gestaltung an:

Wer hat das Cover Artwork für den „Stadtaffen“ gemacht?

fox: Die Gestalten. Aber ein ganz entscheidener Part beim Artwork sind die Fotos und die haben Erik Weiss und Felix Broede gemacht.

Du meinst die Session mit den Affenmasken und dem Orchester?

fox: Einerseits mit dem Orchester und andererseits auch die in den Straßen, alle in schwarz-weiß. Wenn die Fotos cool sind, ist das schon die halbe Miete. Grafik ist immer schwierig: Man will was ganz Besonderes, und manchmal kommt nur was Halbgares dabei heraus. Wenn man gute Fotos hat, braucht man eigentlich nur eine Typo, mit der man dann alle Texte draufschreibt und das war’s (lacht).

Bist du denn nicht der Typ, der bei dem Thema so richtig heißläuft, und alle Details genau festlegen will, bis zur Hintergrundfarbe des Labelstickers für die Vinylpressung
?

fox: Doch, eigentlich schon! Aber weil ich diesmal lieber eine nicht so grafische Herangehensweise wollte, war es halt ein bisschen schwierig mit Grafikern. Denn die wollen, wie der Name schon sagt, im Normalfall auch gerne grafisch tätig werden. Und ich fand das dann aber meistens nur „ganz gut“. Die hatten wahrscheinlich wenig Spass mit mir.

Präzise Vorstellungen haben ist die eine Seite, man muss sie auch vermitteln können…

fox: Deswegen haben wir bei den Fotos genau herausgearbeitet, was wir da wollen und was nicht. Am Ende fand ich die Fotos auch cool und meinte, „Ey, sucht euch 12 Fotos aus für’s Booklet: Vorderseite, Rückseite – fertig ist die Laube! (lacht)

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Das ist ja irgendwie letztlich ähnlich wie mit Leuten im Studio zu arbeiten – im Ablauf der Verarbeitung von Material ist es da ja auch so, dass da noch andere Leute Dinge tun, zum Beispiel die Tracks mastern und so etwas. Auch ein Engineer macht ja gewisse Dinge erstmal so, wie er das für richtig hält…

fox: Gut, das Orchester hab ich nicht selber aufgenommen, aber z.B. Gesangs-Aufnahmen mach ich selber, dafür braucht man keinen Engineer. Und beim Mixen ist man dann eben auch die ganze Zeit dabei.

Ich hab von außen den Eindruck, dass du – ohne das Wort negativ zu behaften – ein „Control-Freak“ bist, der sehr präzise Vorstellungen von Sachen hat und die dann auch durchziehen will – was natürlich dem Seeed Set-Up gegenübersteht. Die Mischung ist ja schon seltsam: Jemand wie du, der offensichtlich der Chef sein will und ein Projekt, bei dem 10 weitere Leute ihre Beteiligung einfordern.

fox: (lacht) Das hast du schon ganz gut erkannt!

War denn die Produktion von „Stadtaffe“ ein befreiendes Erlebnis, den Egofilm sozusagen komplett zu drehen?

fox: (überlegt) Weder ist das jetzt ein Egofilm, noch sind wir bei Seeed eine Basisdemokratie. Es gibt natürlich schon Unterschiede, weil ich bei dem Projekt hier ohne schlechtes Gewissen einfach das letzte Wort habe. Es ist einfach klar, wie ich das will, wird’s gemacht! Bei Seeed war das besonders bei den ersten 2 Platten teilweise auch so, aber da war nicht so ganz klar, ob das auch eigentlich so sein soll. (lacht) Da gab’s dann Gegenwehr; teilweise auch nicht, aber teilweise hab ich einfach kein gutes Gefühl dabei gehabt; hab’s zwar gemacht, aber wusste nicht – ist das denn den anderen so recht? Manchmal war es den meisten recht, aber es reicht einer, dem es nicht so recht ist und schon gibt’s Stress. Wenn ich eine Vision habe von irgendwas und denke, „So müsste das sein!“, dann will ich auch nicht, dass mir irgendeiner da reinlabert und denkt, wir müssten das jetzt doch irgendwie noch anders machen. Wenn ich nicht überzeugt bin von einer Vision, dann will ich sie auch nicht verwirklichen. Aber wenn ich überzeugt davon bin, dann will ich es auch genau so machen. Und da hab ich mir für das Peter Fox Album andere Leute mit ins Boot geholt, bei denen ich von vorneherein totalen Respekt von deren Arbeit und Qualitäten habe und es deshalb nicht zu großen Streitereien kommen konnte. Ich wollte ja genau mit diesen Leuten zusammenarbeiten und bin nicht an sie gekettet oder so. Das ist halt einfach eine andere Ausgangsbasis und insofern ist das ja kein Solo-Solo-Solo-Projekt, in dem ich alles alleine mache. Ich hatte in erster Linie erstmal so eine Soundvision mit klapprigen Livedrums und Orchester, halt so Clubmusik aber ohne die üblichen Clubsynthis und Drummachines. Das hab ich zusammen mit zwei anderen Produzenten umgesetzt, von denen klar war, die können mir super dabei helfen, die haben’s drauf. Das macht auch vielmehr Spaß so, als ganz allein zu arbeiten!

Der eine Co-Produzent ist Monk, oder?

fox: Daffy alias Monk und Vincent bzw. DJ Illvibe, mit den beiden hab ich das produziert, wobei Vincent nur bei der Produktion involviert war, da aber auch echt viel gemacht hat. Und Monk bei beidem, aber eher bei den Texten sehr wichtig war.

Und wie hat das dann funktioniert, wenn du beim Sounddesign vorgegeben hast, Live-Orchester und zweifach Echtdrum als Grundkonzept zu nehmen und dann mit Illvibe zu produzieren, der doch eigentlich eher von einem Turntable-Ansatz kommt?

fox: Der ist auch sehr drumbegeistert, der spielt bei Lychee Lassi und spielt auch selber ein bisschen Schlagzeug. Und als DJ ist man im besten Fall ja kein Rhythmus-Spast (lacht).

Aber vom Produktionsding her hätte ich jetzt eher gedacht, die DJ-Produzenten sind die, die sich einen fetten Beat suchen, den sie eigentlich so nehmen, wie sie ihn finden und damit arbeiten.

fox: Ja, aber Vincent ist auch ein guter Musiker. Er kann zwar kein Instrument spielen, außer halt ein bisschen Drums, aber er hat dann viel nach Orchester Platten gesucht und daraus neu zusammen geschnippelt oder zusammen gecuttet. Auf der Basis haben wir das von jemandem in Noten umschreiben und vom Orchester nachspielen lassen. Am Ende würdest du nie auf die Idee kommen, dass das ein DJ mitproduziert hat.

Du hast ja selber einen traditionellen Musik-Ansatz, hattest mal Klavierunterricht, ist das bei der Produktion mit eingeflossen?

fox: Es gab die beide Wege: Ich hab Drumbeats aufgenommen, so beatboxmäßig auf Diktiergerät und Orchesterideen teilweise gesamplet, aber auch viel mit Synthie-Strings oder gesampelten Orchestersounds eingespielt, die wir dann auch haben nachspielen lassen vom echten Orchester. Und dann gab es den Ansatz von Vincent, Ideen neu zusammenzusetzen.

Eher Samples von Klassik-Aufnahmen oder auch von Soundtracks und sowas?

fox: Alles. Alles mögliche. (lacht) Überall, wo irgendwie Orchester drin war. Also wirklich alles mögliche.

Die Beschreibung, die du dem Album mit auf den Weg gibst, ist „Filmmusik zum Tanzen“. War das von Anfang an konzeptionell so angelegt oder ist es eher so, dass der Sound in so eine filmmusikalische Richtung kommt, wenn Orchester mit Drums und Co. kombiniert wird?

fox: Das ist schon so das, was dann, als die Beats Gestalt angenommen haben, sich als Bild aufgedrängt hat.

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„Stadtaffe“ ist also keine Konzeptplatte…

fox: Na, doch eigentlich schon, eben weil der Sound von vornerein feststand. Insofern gab es ein ziemlich strenges Konzept. Aber dadurch, dass ich die Platte ursprünglich nicht für mich zum Draufsingen produziert habe, eigentlich nur Musik machen wollte, zu der jemand anderes singen sollte, kann man jetzt nicht sagen, dass es auch textlich ein Film zum Tanzen sein sollte. Das ist jetzt im Endeffekt dann aber doch so geworden, dass viele von den Texten kleine Geschichten sind. Dadurch passt „Filmmusik zum Tanzen“ natürlich, aber das war nicht der ursprüngliche Plan.

Ist es denn tatsächlich so, dass du die Platte gar nicht für dich als Vokalisten geplant hattest?

fox: Erstmal wollte ich die Beats machen, also die Instrumentals herstellen und möglichst mit Cee-Lo oder einem ähnlich geilen Sänger umsetzen. Und dann habe ich keinen anderen gefunden, beziehungsweise hatte mich schon so auf Cee-Lo festgelegt, weil ich ihn halt auch textlich gut finde und viele andere, gerade R’n’B und Soulsänger, die ´ne Hammerstimme haben, in meinen Augen meistens nicht so coole Texte oder Songs schreiben können. Und irgendwie hatte der Produktionsprozess schon so lange gedauert und die letzte Seeed Platte war schon so lange her, dass ich irgendwann dachte, jetzt hätte ich langsam wieder selber Interesse, Texte zu schreiben. Die Vorstellung zwölf Songs zu texten und alle einzusingen, hat mich zwar erst ein bisschen abgeschreckt, aber ich hab’ mir dann einfach Zeit gelassen. Parallel dazu habe ich erst noch weiter gesucht und überlegt, wer könnte das noch machen? Irgendwann habe ich aber mit Duffy zusammen beim Texten Feuer gefangen, so dass ich dann gesagt hab: „So, komm jetzt – mach´ ich es halt selber!“ Dann ist man zwar wieder nur beschränkt auf den deutschsprachigen Raum, und wenn man Musik macht, gerade als Deutscher, hofft man, dass es vielleicht auch mal jemand anderes mitkriegt, gerade weil ich denke, dass man sich bei der Produktion nicht verstecken muss hinter der Musik von sonstwo. Aber einfach dadurch, dass es deutschsprachig ist, ist ganz klar ist, dass es nie den Durchbruch in England oder sonstwo schaffen wird. Das war mir dann auch ganz bewusst und ich dachte, „Scheiß drauf!“, wenigstens ist es dann hoffentlich am Ende halt eine besonders geile deutsche Pop-Platte.

Ich würde mal unterstellen, dass es für den lokalen Markt eine erfolgversprechendere Produktion sein dürfte, wenn Seeed Sänger Pierre mit deutschen Texten der Main Vokalist ist, als wenn da ein Cee-Lo auf Englisch gesungen hätte, oder? Die Plattenfirma wird es gefreut haben, denke ich…

fox: Das war mir halt egal. Ich wollte einfach nur geile Musik machen, mit ´nem geilen Sänger und hab’ gedacht, wenn das so wird, dann wird es auch jemanden geben, der das dann rausbringen will.

Hast du das irgendwann mal in Gedanken durchgespielt, was wäre, wenn Peter Fox mehr Erfolg haben sollte als Seeed, dass es dann schwierig werden könnte, sich wieder in die Gruppe zu integrieren?

fox: Erstmal glaub ich nicht, dass das hier erfolgreicher wird als Seeed, weil Seeed ja sehr erfolgreich gewesen ist, wir haben sehr viele Platten verkauft. Wenn ich das auch nur annähernd schaffe mit der Peter Fox Platte, dann bin ich schon superhappy. Deswegen denke ich jetzt nicht daran, was passiert, wenn es jetzt noch erfolgreicher wird – hätte ich dann Probleme mich dann wieder einzugliedern? Nein, weil das andere macht ja auch Spaß und das hat ja auch was, was man nicht einfach ersetzen kann. Gerade das Live-Auftreten mit Seeed ist ja geil und darauf werde ich auch immer wieder Lust haben. Und dann ist es auch Wurscht, was da erfolgreicher ist.

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Andersherum finde ich, dass man sofort hört, dass Peter Fox auch Pierre von Seeed ist, was mir beim Dembas Soloprojekt Boundzound nicht so gegangen ist!

fox: Aber das liegt dann doch eher an den deutschen Texten bzw. an der Stimme, die deutsche Texte singt und auch an der Art, wie ich sie halt singe und nicht unbedingt an der Musik, oder? Findest du, dass die Musik von Demba weiter weg ist von Seeed, als die Musik jetzt?

Ja. Die Rhythmik auf der Peter Fox Platte in Zusammenhang mit der Phrasierung der Vocals, das ist bautechnisch wie bei Seeed. Dein Stimmanteil ist sehr prägnant und die Verbindung zu Seeed kommt für mich sehr stark raus.

fox: Klar, ich hab ja aber auch viel produziert für Seeed, stimmt schon. Es gibt so ein, zwei Stücke auf der Platte, die etwas dancehallmäßig sind, aber die meisten ja nicht eigentlich. Und Roots Reggae gibt’s gar nicht auf der Platte (lacht).

Ich würde fast gar nicht von Reggaestyles reden, ist ja auch kein kein Dub und kein Ska. drauf. Was du aber jetzt umsetzt, ist die Marching-Band Idee, die du auch als Live-Konzept mit angekündigt hast. Das ist wiederum etwas, das bei Seeed ganz am Anfang auch im Konzept war…

fox: …was wie aber nie umgesetzt haben! (lacht) Was ich nach wie vor supergeil finde. Aber auch jetzt bei Peter Fox – wir werden ja nicht auf Umzügen spielen, sondern auf der Bühne halt. Das wird auch eher nur ne Pseudo-Marching-Band werden. Aber es wird mehrere Drummer geben, die auf der Bühne rumlaufen.

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Ist „alles neu“ eigentlich eine Teaser-Single gewesen oder schon der erste „Hit“ Ansatz? Ist das schon durchstrukturiert, welche Auskopplungen nacheinander kommen?

fox: Klar.

Und soll „Alles Neu“ erstmal den Sound des Albums für alle zum Hören bringen und die kommerziell gedachte Single kommt danach?

fox: Also, ich wollte „Alles Neu“ eigentlich gar nicht als Single rausbringen, weil ich Angst hatte, dass es jetzt so die Ansage macht. „Jetzt alles Neu!“ ist auch so ein bisschen typisch rapmäßig, so der Representer-Song zuerst, so wie der Song eigentlich gar nicht gemeint war. Das war halt einer von zwölf Songs, wo es um den Wunsch nach „Veränderung“ und „Häuten“ geht und den als ersten Song rauszubringen war so ein bisschen, „So, alles neu, hier bin ich – tätää-räää!“, und so war es eigentlich gar nicht gemeint. Ich wollte eigentlich „Schwarz zu Blau“ als erstes rausbringen. Das ist zwar sehr unkommerziell, aber so ne Ansage, die ich irgendwie geil fand, und weil ich dachte, das wäre was für den Herbst, so düster und so. Und dann wollte ich eigentlich „Haus am See“ und „Alles Neu“ als Doppelsingle machen, aber da kam dann von der Plattenfirma, „Nein! Das funktioniert nicht, das kannst du hier in Deutschland nicht machen, wie willst du denn das erklären?!“ Und weil ich zu müde bin, mich dazu in Diskussionen aufzureiben, machen wir jetzt „Alles Neu“, weil es natürlich musikalisch schon das Projekt gut darstellt. Da ist viel Orchester drin, Drums und das hat auch Power. Vom Song her find ich es eigentlich gar nicht so stark. Es läuft echt gut im Radio. Aber ich würde jetzt gerne langsam mal einen Song rausbringen, der mir wirklich am Herzen liegt: Ich will „Haus am See“ und „Schwarz zu Blau“ rausbringen. „Haus am See“ finde ich auch kommerziell. Das ist so’n Cabrio-Song, der tut keinem weh! (lacht)

Der hat so etwas Harmonisches, das „Pastorale“, sagt man so bei Klassikern, “Die schöne Landschaft“. Ist das Bild vom Haus auf dem Land mit Frau und Kindern eine Wunschprojektion von dir oder eine reine Utopie, die du dir da malst? Nach zehn Jahren mit Seeed als dancender, Party machender, Ding schüttelnder Mikrophon-Held mit Drink in der Hand, ist es so, dass du dir tatsächlich vorstellst, ich mach noch ein paar Jahre so weiter und dann zieh ich aufs Land?

fox: Das hab ich schon die ganze Zeit immer wieder, den Wunsch. Wie gesagt, es könnte jetzt auch echt ein See in der Nähe von Berlin sein… Ich muss nicht meine Leben lang auf der Suche bleiben, das ist zwar auch was, das in mir drin steckt, dass sich jetzt immer alles verändern muss und neu sein soll und so, das Getriebene und Gehetzte, aber eigentlich bin ich total klassisch geprägt. Meine Eltern sind zum Beispiel auch immer noch zusammen, ich bin kein Scheidungskind, insofern ist das schon „eingepflanzt“ bei mir, dass das irgendwann kommen muss.

Reicht es denn eigentlich schon zu `nem kleinen Häuschen am See, wenn man drei Seeed–LP’s auf’m Buckel hat?

fox: Hm, da muss man nochmal drei mehr machen mindestens. Man muss ja auch noch teilen…(lacht) Wir verdienen live echt gutes Geld, auf jeden Fall. Aber wir sind halt elf und teilen dann die Gage auch eben durch elf. Mit ´nem Rapper und ´nem DJ, hat man es da leichter.

Aber da wird es dann auch schwer, dreimal die Wuhlheide voll zu kriegen.

fox: Genau! Absolut! Es hat also alles seine guten und schlechten Seiten.

Mit „Ich Steine, Du Steine“ ist ja sogar eine Ballade auf dem Album…

fox: Balladen find ich super. Absolut. Hör ich auch gerne. Es gab auch noch ein anderes Instrumental, was supergeil war und zu dem ich voll Bock gehabt hätte, was zu schreiben, wo ich aber nicht so richtig den Ansatz gefunden habe und dann auch dachte, die Platte muss irgendwann mal fertig werden. Man hätte auch noch ein halbes Jahr produzieren können und dann hätte es auch noch eine zweite geile Schnulze gekriegt, aber das ging eben nicht. Es ist so dass ich es gesangsmäßig schwer finde, Schnulzen zu singen, und dass ich mich halt nicht so für den geilen Sänger halte, um das Gefühl gut zu transportieren. Gerade bei Schnulzen muss man sich ja als Sänger ein bisschen was zutrauen. Gerade auf Deutsch! Das ganze Deutsche ist halt ´ne Herausforderung, da ist es aber so, dass die gut gereimten, fließenden Sachen mir relativ leicht fallen und da weiß ich, das ist gut. Wenn ich mir richtig Mühe gebe und lange genug daran arbeite und all die eigenen Qualitätskontrollen nicht verletze, dann weiß ich, ich krieg da was hin, was gut ist. Und bei ´ner Schnulze beweg ich mich auf unsicherem Terrain. Ich wüsste schon, was ich gut finde, aber ob ich das selber auch hinkriege, das ist halt eine andere Frage.


Text > Christian Tjaben
Fotos > Eric Weiss & Felix Broede

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