Edward Steichen Fotograf
October 9, 2008 · Print This Article

Den nachhaltigsten Eindruck hat Edward Steichen nicht als Fotograf gemacht, sondern als Ausstellungsmacher. Als Leiter der Abteilung für Fotografie des Museums of Modern Art in New York hatte er 1955 mit der Schau „The Family of Man“ neue Standards gesetzt. 503 Bilder von 273 Fotografen aus 68 Ländern illustrierten seine Idee, ein Bild der menschlichen Gemeinschaft und einer humanistischen Weltsicht zu beschwören. Er vereinte alle Darstellungsformen des Genres, von Dokumentarfotografie bis zur so genannten Fotokunst, und entwickelte damit auch eine neue Gattung, die ihrerseits heute als gleichberechtigte Kunstform angesehen wird – die Installation. Durch die Vielfalt der Bildformate, die rhythmische Anordnung und der Lösung von der Wand als klassischem Anbringungsort für plane Medien wurden die Besucher dynamisch durch die Komposition bewegt. Und animiert, eigene Schlüsse in der Ausstellung zu ziehen. „The Family of Man“ war eine der erfolgreichsten Ausstellungen überhaupt, reiste mehrfach um die Welt, animierte Künstler wie Jeff Wall überhaupt erst mit dem Fotografieren anzufangen und ist heute immer noch zu besuchen. Im Kloster von Clervaux in Luxemburg. Im benachbarten Bivange wurde Steichen 1879 geboren, siedelte jedoch bald in die USA um. Mit dem Eintritt als Lehrling in die American Fine Art Company beginnt er seine Karriere als einer der einflussreichsten und innovativsten Fotografen des 20. Jahrhunderts. In New York fördert ihn der Foto-Grandseigneur Alfred Stieglitz. Vom Piktorialismus, also einer die Malerei nachahmenden Fotografie, wendet sich Steichen schnell ab, entdeckt das Licht und damit die Tiefenschärfe, experimentiert mit Belichtungszeiten, Fotopapieren und züchtet nebenbei bunte Blumen. Mit der Liebe zum Rittersporn entwickelt er Methoden der Farbfotografie. Als Hausfotograf der Vogue revolutioniert er die Modefotografie und als Kriegsfotograf die Luftüberwachung. Als Kurator schließlich etabliert er schließlich die Fotografie als museumswürdig.
Text > Marcus Woeller
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