Tricky @ Intro Intim Spezial
October 9, 2008 · Print This Article

Auf dem Laufband einige Stunden vor Trickys Auftritt in der Maria jagten mir noch einige Fragen durch den Kopf: wird er nach fünfjähriger Plattenpause das Publikum kriegen, wird er überhaupt da sein und ist seine Rückkehr mit seiner aktuellen Platte schlimmstenfalls reine Geldmacherei, um sich das Dasein als Regisseur über Wasser zu halten? Er hat doch gerade erst sein Regiedebüt mit „Brown Punk“ abgeliefert. Vielleicht sind genau diese Art reißerischer Fragen der Grund, warum Tricky schon immer zögerlich und misstrauisch gegenüber den Medien war. Und meine Spekulationen flammten wieder auf, als er gestern das stolz angekündigte Interview bei Radio Eins kurz vor dem Auftritt beim „Intro Intim Spezial“ in der Maria absagte.

Whatever – die Maria war pünktlich zum Bühnenbestieg des Godfather des Triphops wenn auch nicht ausverkauft, aber voll. Zu diesem Zeitpunkt war es noch nichtmal gewohnt schwitzig-klamm in der Maria, was sicher auch daran lag, dass die Vorbands es nicht wirklich schafften den Leuten einzuheizen. Sie wollten halt alle nur ihn sehen. Es zeigte sich, dass der Besuch dieses Konzerts eine Art Statement: „Das sollte man von der Popkomm gesehen haben!“ zu sein schien.

Zwischen müffelnden Wursthaarträgern, Volldruffies im Exorzistenwahn in der ersten Reihe konnte man auch Teile Berlins Vorzeigegitarrenmusikmacher Beatsteaks sowie die Skaterboys und-girls, becksgoldtrinkende Studenten und die üblichen „Ich-war-damals-schon-dabei“ Typen treffen. Im Geruch von Bier und Selbstangebautem zog man die Spannung des Publikums mit Phil Collins „In the Air Tonight“ bis zum Schlagzeugbreak und dann war er da. Und wie. Und er bekam sie. Mit einer Bandbreite von Sounds, die mitreißend von trancig-soft bis zu bouncenden Metalbeats: Tricky himself und sicherlich der Großteil der ersten fünf Reihen versanken mit ihm in Trance. Sehr gelungen kam die Coverversion von Kylie Minogues „Slow“, einem von 13 Songs seines im Juli auf Domino Records erschienenen Album „Knowle West Boy“. Tons of Karma, not a bit of coma.
Text + Fotos > Nada Carls
www.trickyonline.com
www.myspace.com/trickola
www.brownpunk.tv

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