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Alec Soth | Fotomuseum Winterthur

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In einem Interview in StyleMag #113 Mai 2008 sagte Alec Soth: „Das ist die einfache Schönheit der Fotografie für mich -– die Zeit zum Stillstand zu bringen und in der Lage zu sein, die Dinge klar beobachten zu können.“ Ein Bild aus dem Projekt „Paris Minnesota“ verdeutlicht genau diesen Moment. Halb verborgen hinter Brotkorb, Wein- und Wasserflasche sitzt der Pariser Modemacher und „King of Cling“ Azzedine Alaïa und fixiert den Fotografen. Eine Tischgesellschaft wie beim Letzten Abendmahl, nur hektischer, umringt ihn. Kein anderes Gesicht ist scharf. Kaum Ruhe beim privaten Essen nach der Modenschau.
Während der Schauen ist die Hektik noch viel größer, doch auch hier gibt es Augenblicke der Stille. Ein Model wartet auf seinen Einsatz zum Prêt-à-porter-Defilee von Paul Smith. Die Haare mit Klammern hochgesteckt, aber noch in legerer Kleidung sitzt der junge Mann in sich versunken auf dem Boden und schaltet ab. Alec Soth fokussiert unbemerkt, unprätentiös. Auch er schaltet ab, allen Wirbel und alle Unruhe.

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„Untitled 04, Bogotá“, 2003,_aus der Serie „Dog Days, Bogotá“,
2002-2003 © Alec Soth / Magnum Photos

Das Fotomuseum Winterthur präsentiert nun die Ausstellung „Alec Soth -– Der Raum zwischen uns“ mit einer Auswahl aus seinen Serien „Sleeping by the Mississippi“ von 1999-2002, „Niagara“ von 2004-2005 und „Dog Days, Bogotá“ sowie neueste Arbeiten aus der Serie „Portraits“. Schon in „Paris Minnesota“ senkte Alec Soth seinen Blick nicht nur auf den Modebetrieb und die Mode selbst, sondern auch auf Landschaft und Milieu. Denn ist er eigentlich weit entfernt davon, ein Modefotograf zu sein. Richtig zufrieden war Soth mit seinen Modeproduktion dann auch erst, als er mit der High Fashion in seine Heimat Minnesota verschwand, um dort die Jungs und Mädchen vom Lande in Kaschmir-Cardigans von Salvatore Ferragamo, in Seidenkleidchen von Bottega Veneta oder in viel zu große Schuhe von Dior Homme zu stecken. Hier glänzt neben Persönlichkeit auch das ländlich-provinzielle Surrounding und die Mode wird zum Hintergrund. Ganz in der Kulisse erhabener Landschaft ließ der „AntiAdvertizer“ Soth teure Accessoires verschwinden. Und doch funktionierten die Bilder als Anzeigenkampagne, auch wenn die Ralph-Lauren-Krawatte ganz unscheinbar wirkt, wie sie einsam von einem Ast hängt, in der Totale ist eigentlich nur Wald zu sehen. In „Sleeping by the Mississippi“ ist er ohne modischen Auftrag ans Ufer des wohl amerikanischsten Flusses gereist – eine „Initiationsreise“ wie es im Pressetext zur Winterthurer Ausstellung heißt.

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„Untitled 02, Bogotá“, 2003,_aus der Serie „Dog Days, Bogotá“,
2002-2003 © Alec Soth / Magnum Photos

Dass sich Soth eigentlich der Sozialreportage verpflichtet fühlt, verdeutlicht die Serie „Dog Days Bogotá“, die gerade in der Galerie Wohnmaschine gezeigt wird. Auch wenn es hier um ganz intime Dinge geht. 2002 hielt sich Alec Soth zwei Monate in der kolumbianischen Hauptstadt auf, um mit seiner Frau das Adoptionsverfahren für Tochter Carmen abzuwickeln. Die Darstellung der Härte, aber auch der ruppigen Schönheit Bogotás gerät Soth gleichzeitig zum persönlichen Fotoalbum zu Ehren seiner Adoptivtochter als auch zum einfühlsamen Stadtporträt. Mit der Arbeitseinstellung, Projekte möglichst offen anzugehen, die Situationen auf sich zukommen zu lassen, begibt er sich in Südamerika zwar auf ein riskanteres Gebiet als in Paris, Minnesota oder den amerikanischen Südstaaten, trotzdem kommt er nah ran. Nah vor allem an die Menschen.

(Teile des Texts sind bereits anlässlich der Ausstellung von Alec Soth, „Fashion Magazine“, bei C/O Berlin im Frühjahr 2008 in der tageszeitung erschienen.)

Alec Soth „Der Raum zwischen uns“
Fotomuseum Winterthur
24. Oktober 2008 – 08. Februar 2009
www.fotomuseum.ch
Vernissage: Donnerstag, 23. Oktober 2008, 18-21 Uhr

Alle Abbildungen > Alec Soth

Erstes Bild >„Falls 26“, 2005,_aus der Serie „Niagara“, 2004-2005 © Alec Soth / Magnum Photos

Text > Marcus Woeller

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