Stylemag.net

Stylemag.net ist Euer tägliches Online-Update für Fashion, Music und Culture. Mit jeder Menge News und Reviews, Stories und Bildstrecken, Tipps und Looks.

INFO

BERLINER STRASSE | Tanz der Untoten

berliner_street_51.jpg

Das BHC an der Karl-Liebknecht-Straße wurde gestern zum Brennpunkt der Berliner Street Art Szene: circleculture lud zur simpel wie treffend benannten Gruppenausstellung „Berliner Straße“, ein erwartungsgemäß bunter Auflauf mit einem spannenden Aufgebot von Berlins Finest in Street Art aus dem Hause Circlecuture sowie Mymo, Alex Flach, Nomad, Neon und Emess.
Auf zwei Etagen des optisch ausgelagerten Wohnzimmers von Erich Honnecker, dem einstigen „kulturellen Schaufensters der Volksrepublik Ungarn“ wurde die gesamte Bandbreite kuratiert, die der Begriff Contemporary Urban Art & Street Culture hergibt – von Malerei bis Performance, vom Video zur Dose, von der Skulptur über die Installation bis zur Freakshow – im Prinzip war für jeden etwas dabei. Gegen 20.30h begann sich das BHC verstärkt zu füllen, wobei sich die weit verbreitete Ausgeh-Regel „Lieber ein bißchen später als zu früh!“ klar erkennen ließ. Und es wurde später sehr voll, die obere Etage der insgesamt 1800qm-Location war zwischenzeitlich mit einem gut besuchtem Club zu vergleichen. Wer wollte, konnte auch clubben: DJ, Bar, dunkle Ecke zum Tanzen – man schien auf alles vorbereitet zu sein. Und wer sich zur falschen Zeit in den großen Saal verirrte, fand sich auf einmal in einer hippieähnlichen Session von verrückten Menschen mit Kinderinstrumenten und Synthetikklamotten.


Tatsächlich war dies der einzige Punkt, von dem man nicht begeistert sein musste. Oder konnte. Denn allein die Vielfalt der ausgestellten Werke ist nennenswert und beeindrucken.
Große Leinwände im weitläufigen Erdgeschoss von Daniel Tagno, Charlie Isoe, Marok und Jaybo sowie ein besonders amüsanter Werk aus Ready-Mades von Alex Flach , der sich die Mühe machte, seine gesamte, ungeöffnete und farbenfrohe Post vom Polizeipräsidenten von Berlin fein säuberlich aneinandergereiht und getackert in einem ca. 1,50x2m großen Rahmen zu präsentieren.

berliner_street_42.jpg

Ein weiterer Hingucker des Erdgeschosses ist die Installation „Dead Soldier“ von Emess. In der ersten Etage steuert man automatisch auf Jaybos Installation zu, hinter Glastüren entdeckt man das Grab der Steet Art. Eine tolle Provokation in der ewigen Diskussion über Hippness, Sellout und Realness der Straßenkunst.

berliner_street_38.jpg

Mickys ans Kreuz genagelte Hände wachen über einen Buchstabenhaufen der einzelnen Letter des Satzes „Street Art is Dead“,  eingebettet in ein Meer aus Kohle, sehr liebevoll durchdacht und umgesetzt. Gegenüber performte Anton Unai eindrucksvoll mit abgefahrenen Sounds einen ganzen Raum in Grund und Boden

berliner_street_20.jpg

In der Mitte des Obergeschosses ist Platz für „Omis Little Sofa-Lounge“ mit braunem Polstersofas und piefigen Schirmlampen. Genau der richtige Platz, um Charlie Isoes Wahnsinns-Leinwand zu präsentieren, eine fesselnde Malerei. In den Tiefen des Korridors des BHCs gibt es noch zahlreiches Kleines und Großes, Normales und Abnormales zu entdecken, und an dieser Stelle sei hiermit dazu aufgefordert, sich die Ausstellung bis zum 15. November zu besuchen, um festzustellen, wie tot Street Art tatsächlich ist.

Text+ Fotos > Nada Carls


www.berliner-strasse.com

31.10. – 15.11.2008, täglich 13-19 Uhr
BHC, Karl-Liebknecht-Straße 9, Berlin-Mitte

might be interesting for you...

Antwort eingeben