Takashi Murakami | First in Quality

November 15, 2008 · Print This Article

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Während der letzten 15 Jahre hat das Werk von Takashi Murakami  die Kunstwelt revolutioniert. Es vermengt Hochkunst mit Kunsthandwerk, mischt traditionelle japanische Techniken mit popkulturellem Manga und Anime und verwischt die Grenzlinien zwischen Kunst und Kommerz. Die Murakami-Retrospektive im Museum für Moderne Kunst (MMK) in Frankfurt ist die bisher umfassendste Ausstellung in der Karriere des japanischen Künstlers. Mehr als 130 Arbeiten erzählen die Geschichte seit Murakamis Auftauchen Anfang der 1990er Jahre bis heute. Erstaunlich, all diese wichtigen Werke des Künstlers an einem Ort zu sehen. Zumal an einem so großen – sie füllen alle drei Ebenen des Museums und präsentieren seine berühmten figurativen Anime-Skulpturen, eine große Reihe von Gemälden und plastischen Arbeiten, seine Filmanimationen wie Kaikai & Kikis „Planting the Seeds“ und Accessoires aus der vieldiskutierten Zusammenarbeit mit Louis Vuitton.

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„Tan Tan Bo Puking a.k.a. Gero Tan“, 2002, Sammlung Amalia Dayan und Adam Lindemann, Courtesy Galerie Emmanuel Perrotin, Paris und Miami © 2002 Takashi Murakami/Kaikai Kiki Co. Ltd. All Rights Reserved

Eines von Murakamis frühesten Stücken, „Signboard Takashi“ von 1992, zeigt das veränderte Logo von Tamiya, einer Plastikmodellbaufirma, die er von Kindesbeinen an kannte. Als er später Englisch an der Kunsthochschule lernte, beeindruckte ihn der reichlich ambitionierte Slogan der Marke: „First in Quality Around the World“. Denn „nach dem Krieg hatte das japanische Volk nichts, keine Zuversicht, nur gebrochene Herzen“, sagt er. Murakami selbst mangelte es an Selbstbewusstsein, da die Gegenwartskunst im Nachkriegsjapan praktisch noch keine Geschichte hatte. Als Künstler am Beginn der Karriere entschied er sich, eine gleichfalls ehrgeizige Ansage zu machen. Murakami (geb. 1962), der in seiner Jugend einer Menge westlicher Kunst ausgesetzt war, machte seinen Doktor an der angesehenen Tokyo National University of Fine Arts and Music, wo er traditionelle Nihonga-Malerei studierte – eine Mischung östlicher und westlicher Stile aus dem Japan des 19. Jahrhunderts. Konzeptuell trieben ihn „Missverständnis und Fehlinterpretation“ der westlichen Gegenwartskunst an, wie er sagt. In den frühen Neunzigern entwickelte er dann „Mr. DOB“, einen Charakter, der West-Pop (Micky Maus) und japanische Geek Culture (Otaku) vereinte. Die Buchstaben D-O-B sind eine Kurzform des japanischen Worts für „Warum?“, und der frühe Mr. DOB ist ein vergnügter Kerl, putzig, lächelnd und energetisch hochschießend in „ZuZaZaZaZaZa“ von 1994. Er könnte Murakamis Alter ego sein oder vielleicht sein Avatar. Doch schon ein Jahr später hat sich sein Lächeln in „Crazy Z, DOB’s March“ in eine dämonische Grimasse mit multiplen Augen verwandelt, die als Heliumballon in der Luft schwebt. In „Tan Tan Bo“ von 2001 ist Mr. DOB schließlich mutiert zu etwas grimmig psychedelischem, farbenfroh aber fern dieser Welt. Trotz der Superflachheit, die Murakamis Bilder auszeichnen, erwachen seine skurrilen Figuren zum Leben, durch den Ausdruck ihrer Gesichter und der Vielzahl glotzender Quallenaugen. Irgendwie erinnern sie an Shinto-Geister und die damit zusammenhängende Vorstellung, dass jedem Ding eine Spiritualität innewohnt.

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„Inochi“, 2004, François Pinault Collection,  Courtesy Blum & Poe, Los Angeles © 2004 Takashi Murakami/Kaikai Kiki Co. Ltd. All Rights Reserved

Der vielleicht beeindruckendste Aspekt der Schau sind die Skulpturen. Murakamis erste plastische Arbeit, die Kellnerin „Miss ko2“ von 1997, ist die erste lebensgroße Mangafigur überhaupt. Hier dehnt er den männlich-japanischen Sexkomplex aus der zweidimensionalen Anime- und Computerspielwelt zur 3-D-Plastik. So sind „My Lonesome Cowboy“ von 1998 und „Hiropon“ von 1997 übertriebene, pornografische Manifestationen, die ihre milchigen Ausflüsse in den Äther speien. Murakamis jüngste Designobjekte aus der Zusammenarbeit mit dem Luxusgüterkonzern Louis Vuitton werden im zweiten Stockwerk des MMK ausgestellt. Ein Bruch mit den herkömmlichen Mustern einer Ausstellung zeitgenössischer Kunst – und doch ein nahtloser Übergang. Er „enthält gleichzeitig Aspekte, die den Begriff des Readymades aufschmelzen, wiedervereinigen und dann rekombinieren“, sagt Murakami.

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„The World Sphere“, 2003, Privatsammlung, New York, Courtesy Marianne Boesky Gallery, New York © 2003 Takashi Murakami/Kaikai Kiki Co. Ltd. All Rights Reserved

Das kommerzielle Element emulgiert mit dem Murakami-Erlebnis, sodass man unweigerlich das von singendem Moos, Glubschaugen und Zauberpilzen bevölkerte Spektakel von Louis Vuittons Accessoires und Gepäckstücken als Kunst selbst wahrnimmt. Hatte er sich bisher eigentlich mit der Popkultur im 21. Jahrhundert auseinandergesetzt, integriert Murakami nun auch ältere Aspekte der japanischen Kunst, wie es beispielsweise in neuen Gemälden wie dem Daruma-Portrait „I open wide my eyes but see no scenery. I fix my gaze upon my heart“ zu beobachten ist. Oder in Mr. DOBs jüngster Wiederkehr in „727-727“. Gemalt im hybriden Manga-Kaiga-Stil auf etwas, das wie historische japanische Wandschirme wirkt, eröffnet es Murakamis ganze Bandbreite und illustriert den faszinierenden Werdegang eines Künstlers zwischen Popkultur und Kreativkommerz.

 Erstes Bild > „727-727“, 2006, The Steven A. Cohen Collection. Courtesy Blum & Poe, Los Angeles © 2006 Takashi Murakami/Kaikai Kiki Co. Ltd. All Rights Reserved

„© Murakami“
Museum für Moderne Kunst
Frankfurt am Main
27. September 2008 – 04. Januar 2009  
www.mmk-frankfurt.de

Text > Isabel Kirsch

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Comments

2 Responses to “Takashi Murakami | First in Quality”

  1. Sue on November 15th, 2008 18:20

    Danke für den Beitrag und die Bilder.
    Das würde ich wirklich gerne sehen…

  2. Takashi Murakami Ausstellung | PolkaRobot on November 19th, 2008 10:21

    [...] Stylemag] Tags: ausstellung, frankfurt, Kunst, takashi [...]

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