
In den 1970er Jahren, als Unternehmen erkennen mussten, dass ihre Hauptaufgabe nicht mehr darin bestand, Waren in ausreichender Menge anzubieten, sondern sich durch Qualität und Image von ihrer Konkurrenz abzuheben, begannen gewiefte Unternehmer, ihre Produktion in kostengünstigere Länder auszulagern, um neue Ressourcen zugunsten frisch geborener Marketingabteilungen freizusetzen. Seitdem trifft die marktschreierische Einzigartigkeit der Marken im gleichen Atemzug auf Massenproduktion und Ubiquität, womit Begriffe wie Luxus ad absurdum geführt wurden.

In einem Zeitalter also, in dem ein Modelabel, von der mühsamen Anfertigung seiner Produkte befreit, vornehmlich damit beschäftigt ist, Image zu schaffen, erscheint ein handgestrickter Pullover wie ein nostalgischer Ruf aus den 1960er Jahren. Was das Münchener Label F-W-R-D anbietet, ist vor diesem Hintergrund Stoff gewordene Dekadenz, denn plötzlich steht die Anfertigung des Produkts im Rampenlicht. Die Accessoires und Styles für beide Geschlechter sind aufwändig in Handarbeit und kleinster Auflage hergestellt und kokettieren mit den für Handstrick typischen Unregelmäßigkeiten, indem sie auf äußerst zeitgemäße Schnitte Anwendung finden. Die Materialien sind ausschließlich natürlich und wechseln gemächlich mit den Jahreszeiten. In den Items trifft schnitttechnische Dekonstruktion auf charmant-unvollkommene Manufaktur, und es vereinen sich Gestaltungsraster der Moderne mit inniger Entschleunigung des Vergangenen. In einem postindustrialisierten Zeitalter also, in dem der Konsument – der gleichgeschalteten Waren überdrüssig – auf der Suche nach wahrhaft einzigartigen Dingen ist, könnten Labels wie F-W-R-D der Silberstreifen am Modehimmel sein.
Text > Fredericke Winkler
