
Generell geht man nicht davon aus, dass Griechenland ein heißer Tipp in Sachen „Street Art Knowledge“ sein könnte, doch im Zeitalter der Post-Globalisierung lassen wir uns gerne eines Besseren belehren: Kiriakos Iosifidis, Gründer des Graffitimagazins „Carpe Diem“ hat das erste genreübergreifende Nachschlagewerk für Wandmalerei im öffentlichen Raum kuratiert.

In „Mural Art – Murals on Huge Public Surfaces Around the World“ werden völlig schubladenfrei über 100 weltweit bedeutende Künstler, Crews und Institutionen mit ihren überlebensgroßen Werken aus den Bereichen Street Art, Graffiti und Trompe-l’œils vorgestellt. Auch wenn Letztgenanntes wie ein begriffliches Kuckucksei zwischen den (art-)verwandten Termini Graffiti und Street Art klingt, so gehören alle drei als „Murals“ zur familiären Gattung. Denn letztlich geht es hier um eine Abbildung dessen, was in urbanen Ballungszentren nach wie vor als dumpfer Vandalismus verschrien, aber letztlich immer wieder ein Beitrag zur Wiederbelebung manch toter, grauer Betonwand und deren Umgebung ist. Wenn auch die Auswahl der Künstler subjektiv ist und der eine oder andere Fan seinen Lieblings-Künstler auf den 270 Seiten nicht wiederfindet, so sei es Iosifidis verziehen, denn seine Selektion lässt über die Vielfalt der globalen Styles und Skills staunen und stellt den einen oder anderen bisher unbekannten Artist vor.

Cern (with Norm, Space, Names, Ewok, Siloette, ope2) New York, 2005
Mit The London Police (NL), Belin (E), Blu (IT), Sca Crew (JP), Rami Meiri (IL), Kodney Monk (AU), Woozy (GR), Retna (USA) Os Gêmeos (BR), Loomit (DE) und Faith47 (ZA) seien hier nur einige großen Namen als Vorgeschmack genannt. Alphabetisch geordnet, mit kurzen Infos auf Englisch (teils griechisch übersetzt!) zur Selbstdarstellung aller Crews und Künstler sowie Kontaktdaten im Anhang unterscheidet sich „Mural Art“ von anderen Katalogen oder Bildbänden der vorgestellten Genres. Die Faszination der bunten Wände in tristen Städten will Initiator Iosifidis fördern, weiter vernetzen und auf den kreativen Nachwuchs übertragen, denn „Mural Art“ soll einmal in jeder griechischen Schulbibliothek zu finden sein..
Erstes Bild > Dominique Antony: Hossegor/France
Kiriakos Iosifidis: Mural Art
Murals on Huge public surfaces around the world. From Graffiti to Trompe-l’œils
Publikat Verlag
www.publikat.de
Text > Nada Carls