
Illionaire hießen bei ihrer letzten Kollektion zwar auch schon Illionaire, aber so richtig scheint die Namensgebung erst jetzt Sinn zu ergeben. Der Grad zwischen „Mill“ und „ill“ ist in der Tat recht schmal: Der Illionaire ist eine gebrochene Figur, ein gemachter Mann zwar, und doch nicht mit reiner Weste.

Das mag komplex klingen, die Kollektion selbst ist aber gar nicht verworren, sondern eher wie aus einem Guss und versetzt uns mitten in eine ausschweifende Jet-Set Cocktailparty vergangener Tage, die etwas aus der Kontrolle geraten ist. Der Schauplatz mag St. Tropez sein, oder Acapulco, und die Protagonisten sind ausnahmslos originell. Ihre Farben Pastell, Bronze, Schwarz und Grau wirken durchaus zurückhaltend und elegant, glänzende Chiffonshorts zu goldenen Blousons allerdings weniger.

Vieles erinnert auf sehr intelligente Weise an klassische Abendmode; Stoffe, Verarbeitung und Details brechen aber mit dem formellen Charakter einer diskreten, anständigen Gesellschaft. Die Hosen sind allesamt orientalisch inspiriert oder wenigstens mit Kummerbund. Drucke werden nur sparsam verwendet und wenn, so ist ihr Witz straightforward, wie bei dem Print, der einen Faltenwurf simuliert. Verantwortlich für all diese Eskapaden zeigt sich das australische, gemischte Doppel Woodcock und Grace. Ihr Konzept, Old-School Klassikern einen neuen Dreh zu geben, lässt das Wort Vintage in neuem Glanze erstrahlen. Diese beiden haben zweierlei verstanden: Alles ist eine Frage des Kontextes und: Keine Angst vor Metrosexualität. Und jetzt alle: „Cause you‘ll be / going loco / down in Acapulco / if you stay too long…“

Text > Sharon Fernando