„Nuit de Chien“ | Werner Schroeter
März 9, 2009 · Print This Article

Die imaginäre Hafenstadt Santa María in ihrer wahrscheinlich letzten und somit schwer apokalyptisch anmutenden Nacht, ist der Schauplatz von Regisseur Werner Schroeters neuestem Film „Nuit de Chien“, der jüngst in der Berliner Volksbühne Premiere feierte. Beherrscht von Korruption, Gewalt und Verfall, steht Santa María vor dem Abgrund.

Die Regierung ist geflohen, die Geheimpolizei mit einem Terrorregime an der Macht und im Morgengrauen soll die Stadt schließlich von feindlichen Truppen eingenommen werden. Der desillusionierte Widerstandskämpfer Luís Ossorio Vignale (Pascal Greggory) kehrt nun in genau dieser Nacht von einer gescheiterten Mission zurück, allerdings nur um seine ehemalige Geliebte Carla zu holen und mit ihr zu fliehen. Während sich seine Freunde und Bekannten auf unterschiedlichste Art und Weise diese nächtlichen Stunden um die Ohren schlagen, irrt Ossorio auf seiner zur idée fixe mutierten Suche nach Carla durch die Gassen. Der Geruch des Todes liegt in der Luft und so müssen bis zum Ende des Films praktisch sämtliche Protagonisten mit unüberwindbarer Zwangsläufigkeit sterben.

Der Film, artifiziell und abstrakt, weckt Erinnerungen an Werke von Andrei Tarkowski oder David Lynch. Gleichzeitig ist da aber auch immer dieses Gefühl von „zu viel“ oder „zu wenig“ präsent. An starken Bildern mangelt es dem Film nicht, an Konsequenz schon eher. Viele Szenen und Bilder, in sich von intensiver Schönheit, werden von Dialogen zeitweise mehr unterbrochen denn begleitet. Das gesprochene Wort und das künstlerische Bild – die beiden scheinen in einem Spannungsverhältnis zu stehen. Als Filmmusik fungieren Werke von Bach, Haydn oder Beethoven und verleihen mancher Szene einen skurrilen Touch. Tosend war der Applaus bei dieser Premiere nicht, umso sympathischer erwies sich jedoch Regisseur Werner Schroeter im anschließenden Gespräch mit Ralph Eue – mit druckreifer Sprache und schlagfertiger Manier.

Der auf dem Roman von Juan Carlos Onetti basierende Film hinterlässt Spuren der Verwirrung und Faszination gleichermaßen. Bei der Quintessenz, dass auch wenn die Entwicklung zum Schlimmsten abgeschlossen ist, die Hoffnung bestehen bleibt, ist „Diese Nacht“ durchaus sehenswert.

„Diese Nacht“ (Nuit de chien), ein Film von Werner Schroeter
Frankreich/Deutschland/Portugal 2009, Filmgalerie 451/Neue Visionen
Kinostart: 2. April 2009
www.filmgalerie451.de
Bildcredit > Filmgalerie 451
Text> Karin Rechsteiner
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