
Das menschliche Grundbedürfnis nach Sicherheit und Unversehrtheit wird zunehmend prophylaktisch ausgelegt, überinterpretiert und überstrapaziert, so die These der Kuratoren von „Embedded Art – Kunst im Namen der Sicherheit“. In der Akademie der Künste in Berlin haben sie eine geeignete Institution gefunden, dieses komplexe Thema anzugehen: mit skeptischem Blick in die Zukunft einer diffus verunsicherten und kontrollsüchtigen Gesellschaft, die sich selbst fortschreitender Überwachung ausliefert. Auch räumlich scheint das Akademiegebäude am Pariser Platz gleichzeitig ein nahezu perfekter Ort zu sein, an die Verteidigung des öffentlichen Raums zu appellieren.
Umgeben von hermetisch abgeriegelten Botschaften und nationalen Heiligtümern befindet es sich inmitten einer totalen Sicherheitszone. Ob beim Stadtspaziergang im vermeintlich öffentlichen Raum, Google, Myspace oder Facebook – die Bereitschaft, sich freiwillig überwachen zu lassen, ist hoch.

U.R.A./FILOART, „Face Care & Protect/I.-R.A.S.C. 2“, 2008, © U.R.A./FILOART 2008
Gegen öffentliche Überwachungskameras bietet die Künstlergruppe U.R.A./Filoart ein einfaches Infrarotgerät an, das statt eines identifizierbaren Gesichts auf dem Film nur eine gleißende Aureole hinterlässt. Der Künstler Lars Vaupel will die Überwachungstechnik gleichfalls mit ihren eigenen Mitteln schlagen und hat aus Modellflugzeug-Bausätzen einen viermotorigen Minihubschrauber konstruiert. So kann sich jeder mit etwas Geschick eine eigene Drohne basteln. Fliegende Kameras sind noch vergleichsweise harmlose Technologien. Mit großer Besorgnis beobachtet Olaf Arndt, Kurator von „Embedded Art“ seit langem die Propaganda für „non-lethal weapons“ – weniger tödliche Waffen, die ihr Opfer mit Schmerz, Betäubung, Blendung oder sonstwie körperlich ausschalten.

moritz®,
“Janet Morris“, aus der Serie „Five Peace Monsters“,
© moritz ® 2008
Der Künstler Moritz R® porträtiert die US-Lobbyisten dieser Szene als „Peace-Monsters“. Nur zu gern würden sie etwa die Millimeterwellenkanone ADS am Feind ausprobieren. Wer in ihren auf 500 Meter genau zielenden Strahl gerät, ist nicht unbedingt tot (das Überleben ist ja das erklärte Ziel der Technologie), hat aber sogenannte Vernichtungsschmerzen erlebt, die er oder sie nie mehr vergessen wird. Die Elektroschockpistole Taser ist ja bereits im exekutiven Einsatz, auch bei deutschen Polizisten.
„Embedded Art“ wird hauptsächlich in den vier unterirdischen Tiefgeschossen der Akademie präsentiert und ist nur mit einer Führung zugänglich. Dort werden die Besucher gleich zum Objekt der Überwachung, denn der Parcours ist mit Videokameras gespickt. Schockierende Filme folgen auf in ihrer Brutalität schon normal gewordene Reportagefotos. War Rooms werden durchschritten, sonische Kriegsführung mittels Richtschall kann erlebt werden – allerdings nur noch zwei Wochen lang. An diesem Wochenende wird zusätzlich die amerikanische Ausstellung „The Aesthetics of Terror“, die in der AdK virtuell präsentiert wird. In den USA wurde die Schau verboten, im Alten Europa wird das Thema jedoch auch immer heißer.

Klaus Staeck & REMOTEWORDS, „Off Limits For Google“, 2008, © Staeck & REMOTEWORDS
Erstes Bild > Omar Vulpinari, © Omar Vulpinari, 2008
„Embedded Art – Kunst im Namen der Sicherheit“. Akademie der Künste am Pariser Platz in Berlin, bis 22. März 2009
www.adk.de
Nur vom 13. – 15. März, „The Aesthetics of Terror“
www.aestheticsofterror.com
Text > Marcus Woeller
Die Kunstproduktion leistet sich was | „Based in Berlin“
Puppenjagd | Delaine Le Bas in der Galerie Kai Dikhas
Cyprien Gaillard | What it Does to Your CityDieser Beitrag wurde am Donnerstag, März 12th, 2009 um 18:23 publiziert. es ist abgelegt unter cultureund verschlagwortet mit art, control, culture, Embedded Art, politics, security, terror. Du kannst die Antworten zu diesem Beitrag über den RSS 2.0 Feed verfolgen.
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