Nuevas Historias | Fotografie aus Spanien

March 27, 2009 · Print This Article

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Alles hat seine Zeit. Und alles hat seinen Ort. Das gilt auch für die Fotografie. Anfang der 1990er Jahre war es die radikal ihr Medium neu bemessende Generation der Becher-Schüler, die von Düsseldorf aus ins Zentrum des fotografischen Interesses rückte. Zu Beginn des neuen Jahrtausends waren die konzeptuellen Herangehensweisen der Helsinki School of Photography in aller Auge. Für den Seniorkurator des Kulturhuset Stockholm, Timothy Persons, sind nun die Spanier an der Reihe.

Auf der einflussreichen Spezialmesse für Fotografie „Paris Photo“ war Spanien 2005 das Partnerland, ein Jahr später dominierten sie schon eigenständig die Stände der beteiligten Galerien. Mit dem Fokus auf ihre narrativen Fähigkeiten beziehen spanische Fotografen nun auch inhaltlich Position.

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Pierre Gonnord, „Moises“, 2006

„Nuevas Historias“ stellt 30 Fotografen aus Spanien vor. Rosell Meseguer kommt aus der Nähe von Alicante. Dort wird die Mittelmeerküste hauptsächlich als Sandstreifen wahrgenommen auf dem Touristen ihre Handtücher ablegen können und das Meer als sanfter, großer Badezuber begriffen. Dass die Linie zwischen Wasser und Land aber auch eine Grenze ist, davon zeugen zahllose Bunker, welche die Aussicht auf das Mittelmeer zu einem schmalen Streifen einengen. Roseguer ist in diese Defensivarchitekturen eingestiegen und dokumentiert die Aussicht und die Hinterlassenschaft der diversen Benutzer.

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Isidro Blasco, „Old City Interior 3“, 2007

Dass Landschaft immer durch die Wahrnehmung definiert wird, äußert sich auch in den Fotos von Montserrat Soto aus Barcelona. Sie geht mit der Fotokamera schwimmen, wodurch ihre Bilder einen zweiten Horizont bekommen. Für den Betrachter stellt sich allerdings nicht der Blick des freiwilligen Schwimmers ein, sondern eher die unangenehme Erfahrung der Gefährdung, des bodenlosen Getrenntseins, des ungewissen Ankommens. Der Madrilene Javier Vallhonrat nutzt das landschaftstypische Format des Panoramas für die ästhetische Dokumentation poetischer Performances. Den feuchten Asphalt oder wasserüberspülten Schlick seiner Bildausschnitte will er nicht berühren, also baut er sich Podeste, robbt über Bohlen oder schwebt auf Holzkisten über dem Grund.

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Daniel Canogar, „Enredos 2“, 2008

Fotografie war einst das Reflexionsmedium par excellence. Ignasi Abballí aus Barcelona und vereint nun die typologische Strenge von Bernd und Hilla Becher mit einem humorvollen Aufeinandertreffen viel älterer Künstlerkollegen. In der Backsteinmoderne der Niederlande suchte er Kreuzungen von Straßen auf, die nach Malern benannt sind. Wie ecken Holbein und Murillo aneinander? Wo kreuzen sich Tizian und Michelangelo? Was unterscheidet die Breughelstraße von der von Jan van Eyck? Bei Pierre Gonnord, Frankospanier aus Cholet, sehen alle Leute, die er fotografiert, aus wie Portraits von El Greco oder Goya. Seine intimen, menschlichen Studien changieren zwischen düsterem Realismus und theatralischer Inszenierung.

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Alicia Martín, „Contemporaneos IX“, 2001

Alles ist eine Frage der Repräsentation. So werden nämlich Geschichten erzählt. Die in „Nuevas Historias“ vorgestellten Fotografen haben diesen Mut zur Narration. Sie brauchen nur mehr Zuhörer.

„Nuevas Historias”
A New View of Spanish Photography and Video Art“, hrsg. Kulturhuset,
Stockholm & SEACEX, Madrid, engl./span., Hatje Cantz Verlag
www.hatjecantz.de

Text > Marcus Woeller
Alle Abbildungen aus dem besprochenen Buch
Erstes Bild > Montserrat Soto, Untitled (Fuerteventura), 2001

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