Jim Jarmusch | The Limits of Control

Mai 29, 2009 · Print This Article

limit05

Vogelperspektive in eine Toilette. Jemand macht Tai-Chi-Übungen in der kleinen Kabine. Ein Flughafen. Der große, schwarze Mann in Anzug (Isaach de Bankolé) bekommt einen geheimnisvollen Auftrag von zwei dubiosen Männern mit Sonnenbrillen: „Geh zu dem Hochhaus, geh in das Cafe, warte ein paar Tage und halte Ausschau nach der Violine.“ Er macht sich auf den Weg nach Spanien.
limit031

Es beginnt ein Roadmovie durch Madrid und Sevilla. Der schweigsame Mann bekommt weitere Instruktionen durch allerhand bizarre Gestalten, etwa einer Blondine (Tilda Swinton), einer Nackten (Paz de la Huerta) und einem Mexikaner (Gael Garcia Bernal). Die Szenen wiederholen sich rituell: Zwei Espressi, eine Streichholzschachtel wird verstohlen über den Tisch geschoben, die Personen erzählen etwas. Der Mann wird die Nachricht sofort nach dem Lesen mit einem Schluck Kaffee verspeisen. Auf den Zetteln ist scheinbar immer der gleiche Zahlen-Buchstaben-Code.

limit06

Ähnlich einem Erkennungscode beginnen auch die Unterhaltungen, die genau genommen Monologe der variierenden Figuren sind, „Sprechen Sie spanisch?“ Der Mann antwortet nicht. „Sind Sie zufällig interessiert in Film?“, „in Musik“, „in Wissenschaft?“ Der Mexikaner bringt es schließlich auf den Punkt, denn nichts ist hier das, was es zu sein scheint: „Alles ist Einbildung. Manchmal ist die Spiegelung wirklicher als das, was gespiegelt wird.“

limit01

Mit diesem Rätsel wird die letzte Station eingeleitet, endlich löst sich die bedrückende Stimmung von Spannung ohne Aktion, die atmosphärisch an Filme David Lynchs erinnert, es passiert doch noch ein Mord! Doch wie geht die Geschichte? Wie hängen die Stationen der Reise, die Personen und die Nachrichten zusammen? Und wie ist der Mann in den Bunker der einem Sicherheitstrakt gleicht eingedrungen, will Bill Murray wissen. „Durch meine Vorstellungskraft“ – ein „Hint“ auf die Eigenleistung der Zuschauer dieses seltsamen Films?

limit041

Fans von Jim Jarmusch, die an die Macht der Kommunikation in seinen bisherigen Filmen glaubten (z.B. „Broken Flowers“, „Coffee and Cigarettes“, „Dead Man“, „Night on Earth“, „Down by Law“) werden auf die Probe gestellt. Während die Leinwandpräsenz von Isaach de Bankolé ohne viele Worte und Gesten auskommt, wird dem Publikum insgesamt einiges an Geduld und Reflektion abverlangt. Die rätselhaften Referenzen und Spiegelungen, die schablonenhaften Figuren und der narrativ kryptische Handlungsstrang lassen die Zuschauer ratlos zurück. Haben wir verlernt, Ruhe zu bewahren, Visualität wirken zu lassen und uns auf die Metaebene zwischen Realität und Fiktion einzulassen? Und was sind nun die Grenzen der Kontrolle?

plakat

Tobis Film: www.tobis.de

www.thelimitsofcontrol.de

Autor > stephanie beckmann

Das könnte dich auch interessieren

  1. Jim Jarmusch in der Fondation Cartier
  2. Interview Michael Haneke | Funny Games U.S.
  3. Kein Control-Freak | Thomas Kilpper
  4. Sport und Kino | Highlights einer ungewöhnlichen Paarung
  5. Der Mann, der vom Himmel fiel

Diesen Artikel auf Twitter posten!

Comments

Got something to say?