Die Geschichte der Lara S. | Lagerfeld filmt
Juni 23, 2009 · Print This Article

Karl Lagerfeld gefällt sich als Tausendsassa. Kaiser Karl illustriert, fotografiert, dekoriert, schreibt und entwirft ganz nebenbei noch knapp zwanzig Kollektionen pro Jahr. Doch noch immer scheint sein Kreativego mehr Futter zu brauchen. Anlässlich der aktuellen Chanel Pre-Collection „Starting Point / Fall 2009 “ griff der Designer nun zur Kamera und heraus kam ein 5-minütiger-Film, der neben der Inszenierung von Perlenketten, Blusen aus Crêpe de Chine und klassischen Tweedkostümen vor allem eins beweist: Sein radikales Gemüt, sich von ästhetischen Kategorien zu lösen und sich einer eigenen Sprache zu bedienen.

Der Film, der ausschließlich auf wenigen Quadratmetern in einer Umkleidekabine spielt, wechselt in Tempo und Stimmung, experimentiert mit Jumpcuts und langen Filmsequenzen und bindet analog zur Unberechenbarkeit der Darsteller, Jazz-Fragmente ohne wiederkehrende Melodie in die Handlung ein.

Besonders in der nur schwach beleuchteten Schwarz/Weiß Optik des Kurzfilms wird Lagerfelds Inspiration deutlich: Die Montageprinzipien der Nouvelle Vague, in deren Kino-Ära Regisseure wie Jean-Luc Godards oder François Truffaut nach einer abstrakten, flexiblen und assoziativeren Bildsprache suchten.

Dass sich dieses Autorenkino ganz bewusst als Produkt eines Autors verstand, dessen „Stimme“ (und bei Lagerfeld ist das in diesem Fall wörtlich zu verstehen) durchweg sichtbar war, mag man als willkommene Einladung für Inszenierungsgenie Lagerfeld verstehen, tut aber der filmischen Qualität von „Fitting Follies“ keinen Abbruch.
Drehbuch, Regie und Kamera: Karl Lagerfeld
Darsteller: Lara Stone und Baptiste Giacobini
Text > Julia Christian
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Ich mag Karl Lagerfeld einfach, auch wenn er ein bisschen extavagant und manchmal auch eigenartig ist.