LA ROUX | Pop goes the Cool Kid
Juli 1, 2009 · Print This Article

10 Uhr morgens. Elly Jackson aka La Roux ist noch nicht ganz in dieser Welt angekommen, nur ihr kupferfarbener Trademark-Schopf züngelt schon hellwach und selbstbestimmt Richtung Zimmerdecke. Es ist das erste Interview des Tages, 15 weitere sollen noch folgen und die Zeit ist knapp bemessen. Ein Tee wird serviert und langsam redet sich die porzellanhäutige, englische Rose mit dem Tomboy Appeal warm:
La Roux: Ich mag deine Schuhe.
Style: Danke.
Elly ist 20 und ein Cool Kid wie aus dem Bilderbuch. Ihr gerade erschienenes, schlicht “La Roux” betiteltes Debutalbum folgt jedoch nicht M.I.A.s oder Santigolds eklektischen Spuren sondern schickt das klare Statement “80er Pop” aus den Lautsprechern.
Style: Pop steht in Grossbuchstaben über deinen Releases, wie definierst du Pop?
La Roux: Popmusik lebt von starken Melodien und speziellen Arrangements, das ganze Packet muss stimmen, etwas womit jeder auf einer bestimmten Ebene etwas anfangen kann. Eben populäre Musik.

Zum Zeitpunkt des Interviews hat La Roux von ihrer ersten Singleauskopplung “In for the Kill” bereits 400.000 Einheiten in UK verkauft, jetzt – einige Wochen später – tummelt sich auch die zweite Single “Bulletproof” ganz oben im Top Ten-Theater.
Style: Was unterscheidet Deine Art Pop zu produzieren, von zum Beispiel jemandem wie Lady Gaga?
La Roux: Lady Gagas Image ist viel sexuell aufgeladener, viel mehr sexuell extrovertiert als meines. Sie repräsentiert eher die Black-, R&B-Seite von Pop, obwohl ich nicht sicher bin, ob sie mir da zustimmen würde. Für mich – und ich sage nicht, dass das so stimmen muss, ich spreche nur von mir – sind ihre Sachen weniger bedeutungsvoll.
Style: Die Grenzen zwischen klassischer Underground oder Club-Musik und dem Mainstream scheinen immer schneller zu verwischen…
La Roux: Das sehe ich auch so, M.I.A. ist das beste Beispiel dafür. Gerade war sie noch wirklich Underground und schon steht Paper Planes auf Nummer 3 der iTunes Charts und sie wird für einen Grammy nominiert! Es gibt aber immer noch viele Künstler, die ihren Underground Status halten wollen, wie Late of the Pier zum Beispiel, die glücklich sind, ihre Musik machen zu können, Fans zu haben und aufzutreten, und nicht darauf aus sind, Millionen von Platten als Popstars zu verkaufen. Und das ist auf jeden Fall auch bewundernswert, denn man weiß dann, dass es ihnen wirklich nur um die Musik geht. Fast hätte ich auch gern die Kraft, so zu arbeiten aber es ist irgendwie einfacher Teil des Mainstreams zu sein. Denn je größer du als Künstler wirst, umso einfacher wird dein Leben. Ich glaube ich hätte nicht die Geduld dazu, jahrelang durch kleine Clubs zu tingeln. Ich wollte immer etwas Größeres, mehr. Es hängt eben davon ab wie ambitioniert man ist.

Style: Hast du dich bewusst für den Mainstream entschieden oder bist du hineingewachsen?
La Roux: Das ist keine Entscheidung, du machst eben die Musik die du machst, und wenn das Mainstream ist, ist das eben so, und wenn nicht, dann nicht. Wenn du Teil des Undergrounds bist, hast du immer die Wahl, noch in den Mainstream zu gehen, wenn du im Mainstream bist, gibt es aber keinen Weg zurück in den Underground, das ist eine Einbahnstrasse. Alles geht so schnell heutzutage, so was wie zwei Alben zu machen und dann erst groß zu werden gibt es gar nicht mehr, dein erstes Album muss einschlagen und wenn nicht, dann vergiss es.
Style: Ein ganz schöner Druck…
La Roux: Die Labels können eben Niemandem mehr lange genug die Stange halten und sagen, okay das sind talentierte Leute, wir lassen sie ein paar Platten und ein paar Auftritte machen und sehen, wohin das führt. So eben nicht, du hast jetzt einen Halbjahres- oder Jahresplan und wenn der nicht funktioniert, wirst du fallengelassen, das ist Freunden von mir so passiert.
Style: Bist du an allen geschäftlichen Entscheidungen beteiligt?
La Roux: Ja, im Grunde habe ich alles unter Kontrolle. Ich bin z.B. auch sehr in das Artwork involviert, entscheide wie die Cover oder die Website aussehen sollen.

Style: Ist es gerade ein besonders guter Zeitpunkt für junge Hype-Künstler? Die Industrie unterstützt sie, lässt sie aber ihre eigenen Entscheidungen treffen?
La Roux: Ich denke, das hat die Industrie immer getan. Ich glaube, dass viele Künstler es nur vorschieben, dass ihr Label sie nicht tun lässt was sie wollen, um ihre eigene Ideenlosigkeit zu vertuschen. Da würden mir genügend Beispiele einfallen…Die Musikindustrie ist nicht diese böse Maschine, die dich verdreht und verändert und dir erzählt wie du dich anzuziehen hast. Das passiert nur Künstlern die keine eigenen Ideen haben und total langweilig sind. Wenn dir was nicht passt, kannst du immer ein Meeting mit deinem Label einberufen…
Style: Ist es besonders wichtig für dich als Künstlerin, als Frau in einer Männerwelt wahrgenommen zu werden?
La Roux: Das werde ich sehr oft gefragt. Viele Leute erzählen mir von Künstlerinnen, denen es explizit wichtig ist, gerade als Frau in dieses männerdominierte Business einzudringen und erfolgreich zu sein. Und das stimmt auch, zumindest hinter den Kulissen der Industrie. Auf der Management-Seite findest du selten Frauen und ich glaube auch, dass es nicht leicht ist dort als Frau zu bestehen aber ich arbeite nicht in diesem Teil der Industrie also weiß ich das auch nicht wirklich. Ich habe niemals ein Problem für Künstlerinnen gesehen, es ist ja nun wirklich nicht so, dass Labels keine Mädels signen wollten. Im Gegenteil, sie lieben es Frauen zu signen. Ich hatte nie das Gefühl mich gegen Männer durchsetzen zu müssen, vielleicht liegt das aber auch an der Musik die ich mache.
La Roux – “La Roux”
veröffentlicht am 26.06.09
Universal
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Ich steh auf La Roux, kann ihr Album gar nicht mehr erwarten. Bis es soweit ist höre ich halt Little Boots.. Lykke Li könnte übrigens auch mal wieder was Neues raus bringen, fällt mir gerade so ein…