Nine Inch Nails in der Arena

Juli 1, 2009 · Print This Article

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Wenn die Welt gerecht wäre, müsste man auch in Deutschland keine einleitenden Worte zu Nine Inch Nails finden um die amerikanische Band des Ausnahmemusikers Trent Reznor vorzustellen. Mit „Pretty Hate Machine“ haben NIN 1989 die Genres Metal und Industrial heftig aufgemischt und Songs wie „Head Like A Hole“ oder „Terrbile Lie“ sind Evergreens des Industrial Metals und ich kann es mir nicht verkneifen zu erwähnen, dass es ohne Bands wie die deutschen Krupps und KMFDM oder eben Nine Inch Nails den großen Erfolg von Rammstein nicht gegeben hätte.
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In Deutschland war der Erfolg von NIN leider immer eher überschaubar. Angefangen hat alles mit, für den erfolgsverwöhnten Trent Raznor sicher frustrierenden, Konzerten als Vorgruppe von Guns’n’Roses, und richtig gut verkauft haben sich seine Alben in Deutschland bis zuletzt nicht. In Amerika jedenfalls war und ist NIN eine große Nummer. Dies lässt sich nicht nur an den Verkaufszahlen ablesen, sondern auch daran, mit wem Trent Reznor musikalisch zusammen gearbeitet hat (z.B. David Bowie), vielen Konzerthighlights wie dem denkwürdigen Auftritt auf dem Woodstock-Revivalfestival oder an seinem Einfluss auf viele Soundtracks (The Crow, Natural Born Killers, The Fan).

Mit „The Downward Spiral“ hat Trent 1994 noch einen Meilenstein nachgelegt. Ein wirklich wahnsinnig intensives Werk voller negativer Emotionen. Und da liegt vielleicht auch der Schlüssel dafür, dass NIN jetzt auf Ihrer Abschiedstournee sind. Denn Reznor gehört zu der größer werdenden Gruppe von Musikern, die nach einer schweren Drogenkarriere mittlerweile clean ist. In einem Interview mit Radio1 erklärt er, dass ein Großteil der Wut und der Frustration nicht mehr so präsent ist und damit ein Konzert auch nicht mehr so überzeugend erscheinen kann wie zu der Zeit, als der Gute schon mal nach einer knappen Stunde für alle (inklusive seiner Band) überraschend von der Bühne verschwand ohne zurückzukehren.

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Am Dienstag war es dann also auch in Berlin Zeit für das letzte NIN-Konzert, diesmal in der Arena, einer größeren Halle als auf der letzten Tournee, als die Columbiahalle aus allen Nähten platzte. Die Arena dagegen war nicht ausverkauft, was aufgrund der Luftfeuchtigkeit wahrscheinlich auch gut war. Wie zuletzt üblich, begann das Konzert unspektakulär, aber die Stimmung war sofort großartig. Beim zweiten Song hatte ich kurz die Befürchtung, dass das Publikum „nur“ Hüpfen würde, spätestens bei „March of The Pigs“ waren meine Bedenken zerstreut und es bildete sich ein veritabler Mosh-Pit. Auf zwei schnelle Songs folgen in der Regel mehrere ruhige, aus meiner Sicht sehr rücksichtsvoll, denn nach drei schnelleren Songs wurde mir klar, dass ich nicht jünger geworden bin und der Feuchtigkeitszustand in der Halle ähnelte ab der Halbzeit strömendem Regen.
Meine beiden ewigen Konzerthighlights fehlten nicht: Das alles zerfetzende „Gave Up“ und das immer wieder unfassbar ergreifende „Hurt“ – nettes Zitat des einzigen Gastes mit weißem T-Shirt: „Wahnsinn, 60 Grad und Gänsehaut“.

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Es waren großartige, knappe 2 Stunden. Und es bleiben ein paar Erkenntnisse, Fragen und Feststellungen: Trent rockt und zwar so was von mehr als Herr Manson. Warum spielt er mehrere Coverversionen, wo es doch so viele gute NIN-Songs gibt? Wie kann man bei so einer Luft rauchen? Wieso kennt nicht jeder Mensch auf dieser Welt den Song „Hurt“? Und warum denken wahrscheinlich 70 Prozent derer, die ihn kennen, dass er von Johnny Cash ist? Und es bleibt dabei: Knoblauch essen vor einem Konzert ist gemein. Das Lieblings T-Shirt zum 100sten mal anziehen ist super gemein. Dieses dann auch noch Ausziehen ist “nicht in Worte zu fassen” gemein. Tja, jetzt ist das Kapitel NIN (vorerst?) geschlossen. Schade: „Just a fading fucking reminder of who I used to be.”
Aber ich bin mir sicher, Trent kommt wieder. Und für mich zeigt etwa der Saul Williams-Remix von „Guns By Computers“, dass da noch viele Überraschungen schlummern, die nun hoffentlich unter einem anderen Banner das Licht der Welt erblicken werden.
P.S.: Auf nin.com steht das aktuelle Album “The Slip” immer noch zum freien Download bereit.

Autor > Mark Minten
Bilder  > myspace

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