Patrick Mohr | Unterwelt statt Berlin

Juli 2, 2009 · Print This Article

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Der Mann hat einen Plan. Nimmermüde Berufsjugendliche, die darunter verstehen, dass Patrick Mohr weiß was er tut, dass er mit seinen androgynen, oben und unten, innen und außen verschmelzenden Entwürfen den Geist der Zeit trifft, dürfen das so verstehen. Und liegen richtig. Grammatikalisch korrekt bedeutet er aber: Patrick Mohr hat einen Traum, kennt die Ziellinie und plant sie in weniger als 1 ½ Jahren zu überqueren. Nämlich: Vor seinem 30. Geburtstag eine Kollektion über den Pariser Laufsteg zu schicken.
Dass er dazu das gestalterische Talent besitzt, bewies der gebürtige Oberbayer mit seinem Debüt auf der Berliner Modewoche gestern um 18:00 Uhr am Bebelplatz. Unter dem Titel „Der Lumpensammler“ präsentierte Mohr eine Mischung aus skulpturaler Modekunst und der von ihm bekannten minimalistischen Baumwollgeometrie.

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Vorbei an den Blicken von Modekritikerin Suzy Menkes schritten von der Straße weggecastete Obdachlose -bebrillt, klein oder alt- mit, aus Kartoffelsäcken modellierten Jabots; beigen Strickeinteilern für Männern mit aufgesetzten Dreiecken; aristokratisch, zurückgeschnittenen Schößchen an Patchworkjacken oder Hauben mit Netzeinsatz, die an Imkerhüte oder radiaktive Schutzkleidung erinnerten. Mohr bearbeitete den Stoff weniger als schneidernder Designer, denn als modellierender Bildhauer. Er knotet, wickelt oder drapiert und statt akkurat gearbeiteten Säumen, sah man lose herabhängende Garne, zugeknotete bodenlange Ärmel, die an uminterpretierte Zwangsjacken erinnerten oder durch den Schritt drapierte Kutten. Und selbst die immer wieder eingestreuten puristischen, androgynen Looks aus abgeschnittenen Jeans und weißen Shirts, wiesen die Mohr-typische Geometrie auf: Dank graphisch angelegter Nähte ergaben sich Dreiecke, Quadrate oder strukturierende Linien.

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Weiß geschminkte Gesichter, apathische Mienen, Details, wie Ärmel, die am Saum mit der Hüfte vernäht waren oder das Reptil- ein brauner Overall für Männer übersäht mit quadratischen Panzerelementen- verstärkten noch den Eindruck in einem Metauniversum angekommen zu sein: Der Welt eines Denkers und Formliebhabers, mehr Unterwelt als Berlin und deshalb der geistreichste Beitrag an Tag 1. Paris wird rufen:„ Bienvenue!“

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Fotos> Aicha Reguieg
Autor > Julia Christian

www.patrickmohr.net

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