Vladimir Karaleev in der Galerie COMA
Juli 4, 2009 · Print This Article

Hat man im Zeltinneren des Bebelplatzes ab und an den Eindruck, hier sollen Citychic und Charitynoblesse geboten werden, findet verstiegene Entwurfsvielfalt an anderen Orten statt. Gestern um 17 Uhr präsentierte Vladimir Karaleev in der Galerie „COMA“ seine „Untitled Structures“-Kollektion.

Was der Berliner Designer zu Cello-Musik und andachtsvoller Kunstatmosphäre präsentierte, waren abstrakte Formen, die nicht den Körper stilisierten, sondern wie zufällig entstandene Stoff-, Vinyl- oder Papierformungen waren. Karaleev drapiert, faltet, deutet an, bleibt unfertig und seine Entwürfe wirken wie verhuschte Skizzen. Doch diese Inszenierung des Prozesses wirkt nicht gewollt oder angestrengt soziologisch, sondern jeder Rock, jedes Kleid oder jedes Top ist im eigentlichen und oberflächlichen Sinne schön.

Zu dieser Schönheit gesellt sich das Chaotische, etwas das durch die asymmetrische Drapage der Stoffe entsteht. Hier eine wulstige Schulter, mal ein scheinbar organisch weiterwachsender Rock oder dort die, wie mit Luftschläuchen gefüllte Vorderseite einer Weste, die aus nichts als geschlungenem Gewebe besteht.

Papierne Röcke kontrastieren mit weichen Materialien, die fehlenden Nähte mit der Strenge der Linien. Die Stärke der Kollektion liegt in der Visualisierung des Haptischen: Man fühlt die Entwürfe ohne ihnen nah gekommen zu sein, spürt das Fragile, ohne es zu durchschauen.
www.vladimirkaraleev.com
www.coma-berlin.com
Bildcredit > Backstage Diashow > Hanni Schermaul
Bilder im Text > Micky Rosi Richter
Autor > Julia Christian
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