Oh Brother, where are you?

August 23, 2009 · Print This Article

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Es sollte eigentlich ein Dokumentarfilm werden über Migration in Dänemark und über Mansur, einen jungen afghanischen Flüchtling. Aber plötzlich waren David und Chris Mikkelsen mit dem Schicksal eines Teenagers konfrontiert, der seine Eltern nicht finden kann – der Beginn eines Abenteuers und der Auslöser für eine wirklich gute Idee. Zwei Jahre bastelten David und Chris Mikkelsen an einer Suchmaschine für Flüchtlinge. „Refugees United“ ging am 10. November letzten Jahres online: refunite.org – das Paradebeispiel einer NGO 2.0, Pionierarbeit und soziales Engagement der nächsten Generation.

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Im Jahr 2000 floh die achtköpfige Familie aus Kabul in das pakistanische Peschawar. Doch der Schlepper hatte plötzlich nur noch einen Platz auf dem Laster frei. Wenigstens der älteste Sohn sollte die Chance auf Freiheit bekommen. Mansur war damals zwölf. Zwei Monate später stand er in Kopenhagen und hat heute nur noch Erinnerungsfetzen an die chaotische Reise: Lastwagen, Zugfahrten, wochenlang muss er gelaufen sein und wochenlang hat er sich mit 15 anderen Flüchtlingen in einer Wohnung unter dem Parkettfußboden versteckt. „Wir haben seine furchtbare Geschichte gehört und fingen an, nach seiner Familie zu suchen.“ Schnell war klar, dass man die Angehörigen von Mansur nicht „googeln“ kann und es auch keine internationale Online-Datenbank für vermisste Migranten gibt.

Jeder sucht jeden – just for fun. Facebook, MySpace, Xing – all die sozialen Netzwerke für junge Leute und frustrierte Singles dienen dem Spaß, vielleicht auch mal der Karriere. Aber wie findet man nun jemanden, der sich wahrscheinlich illegal irgendwo auf der Welt befindet und nicht entdeckt werden will? Die Mikkelsens fragten bei Ministerien, Botschaften und dem Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR) nach, ohne Erfolg. Zufällig fanden sie den Menschenschmuggler, der offenbar einen Bruder von Mansur in Russland als Sklaven verkauft hatte. Sie ließen dem jüngeren Bruder Geld zukommen und vereinbarten ein heimliches Treffen in Moskau. Zwei Tage ließen die Geschwister Mansur und Ali nicht mehr voneinander ab. Zwei Tage Rumpffamilie, dann lief ihr Visum aus.

Die Bedeutung, die dieses Treffen für Mansur und Ali hatte, die sich bis dahin als Waisenkinder gefühlt haben müssen, ist unermesslich. Auch die beiden Mikkelsens berührte die Zusammenführung so sehr, dass sie – zurück in Kopenhagen – beschlossen, etwas zu entwickeln, von dem sie nicht glauben konnten, dass es sie noch nicht gab: eine Suchmaschine für Flüchtlinge. Das Prinzip ist denkbar einfach, jeder entscheidet selbst, was er von sich preisgibt und in die Maske einträgt. Die Daten sind so persönlich, dass Fremde kaum etwas damit anfangen könnten: Herkunft, Alter, Spitzname, Haarfarbe und wie hieß das Haustier? Man bleibt unsichtbar und kann doch Zeichen geben. Um die Chance auf eine erfolgreiche Suche zu erhöhen wird refunite.org kontinuierlich weiterentwickelt. „Wir stehen erst am Anfang. Es gibt so viele Anwendungs-Tools und Suchfunktionen, die wir noch einbauen wollen“, sagt David. „Es ist nicht einfach, Flüchtlinge direkt zu kontaktieren, man muss Organisationen kontaktieren, die mit Flüchtlingen zusammen arbeiten, Lehrer, die Flüchtlinge in ihren Schulklassen haben.“ Trotzdem sind die Mikkelsens sehr zuversichtlich, „das Internet gibt es auch dort, wo die Menschen keinen Computer haben, und die Zahl improvisierter Internetcafés steigt in wirtschaftlich unterentwickelten Ländern am schnellsten.“

C&D-FOUNDERS

Wie ist die Bilanz von refunite.org nach einem knappen halben Jahr? „Es ist eine enorme Entwicklung: Wir zählen jetzt ca. 1.000 registrierte Personen. Das ist natürlich nichts im Vergleich zu der Tatsache, dass es sich geschätzt um 79 Millionen Flüchtlinge, Emigranten und Staatenlose weltweit handelt, aber wir hatten diese Resonanz trotz allem nicht erwartet, vor allem in dieser Zeitspanne. Schließlich ist refunite kein Social Network wie zum Beispiel Facebook. Es geht nur darum, die eigene Familie zu finden.“

Und dann? Leider können zwei junge Männer aus Dänemark nicht alle auseinandergerissenen Familien persönlich zusammenführen. „Der Anspruch eines Suchenden ist sicher erst einmal gar nicht so hoch. Allein das Lebenszeichen einer vermissten Person kann unglaublich glücklich machen. Denn Familie bedeutet alles auf der Welt – sie ist das Herzstück für die meisten Menschen auf der Erde.“ Vielleicht finden auch Ali und Mansur noch weitere Familienmitglieder, sie sind jeden Tag .refunite_2

Check out > www.refunite.org and refunite-profile on facebook


Text > Stephanie Beckmann

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