Alpin-affin | Orte guten Lebens
August 28, 2009 · Print This Article

Meer oder Berge? Die alte Frage. Das klassische erste Ausschlusskriterium für die sommerliche Urlaubsplanung ist unter ökologischen Gesichtspunkten leicht zu beantworten. Zuhause bleiben! Reisen tut zwar dem Gemüt gut, aber selten der Umwelt – weder der alpinen noch der maritimen. Mit dem europäischen Zentralmassiv Alpen als nicht nur geologischer Formation, sondern vor allem als sozialer Konstruktion hat sich wohl niemand so eingehend auseinandergesetzt wie der Nürnberger Professor für Kulturgeografie Werner Bätzing. Der kürzlich erschienene Band „Orte guten Lebens“ versammelt Texte des Alpenforschers aus 30 Jahren. Bätzing führt uns in unbekanntere, abgelegenere Regionen der Alpen, stellt nachhaltige Tourismusprojekte vor, erklärt die historischen, sozialen, geografische und kulturellen Unterschiede der Alpennord- und der Alpensüdseite. Er reflektiert die Veränderung der alpinen Landwirtschaft, die politischen Besonderheiten der Anrainerländer und entwirft einen Blick in die Zukunft.
Bätzing will „Hoffnung verbreiten, bevor alle Erfahrung verloren geht“, sagt etwa Reinhold Messner, der den Berg lange nur als zu bezwingenden Gipfel wahrgenommen hat, inzwischen aber eine ganzheitliche Perspektive auf die Alpen fordert. „Nicht die Verwitterung und nicht das Klima bedeuten das Ende der Bergkultur in den Alpen, es ist der Verlust jener nachhaltigen Überlebensstrategie, die innerhalb Jahrtausenden entstanden ist.“

Werner Bätzing, „Orte guten Lebens – die Alpen jenseits von Übernutzung und Idyll“, Rotpunkt Verlag Zürich, www.rotpunktverlag.ch
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