Der Mann, der vom Himmel fiel
January 25, 2010 · Print This Article

„Viele Leute fallen ins Leben“, erklärt Nicolas Roeg im Interview wie er mehr zufällig zum Film kam, „ich hatte keine Ahnung, was die da alle machten.“ Ein bisschen wirkt auch sein Film so, in dem David Bowie einen Besucher aus der Zukunft spielt, ulkig durch amerikanische Siebziger-Jahre-Ausstattung turnt und eigentlich nur wieder zurück will: „Der Mann, der vom Himmel fiel“. Roeg, der vorher mit „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ ein subtiles Gruseldrama gedreht hatte, interessierte am Buch von Walter Tevis nun der schmale Grat zwischen Realität und Science Fiction.

Dem Volk, dem Tommy alias Thomas Jerome Newton angehört, ist der menschlichen Gesellschaft in die er vom Himmel fällt, nur um etwa 25 Jahre voraus. Seinem Planeten jedoch geht das Wasser aus. Schlecht für eine Spezies, deren Haut offenbar gut befeuchtet sein will, tragen er und seine Familie beim Abschied aus der Wüstenei doch transparente Anzüge, in denen eine Flüssigkeit zirkuliert.

Auf der Erde gelandet, macht er eine Menge Geld mit nützlichen Erfindungen wie einem sich selbst entwickelnden Film oder polarisierender Sonnenbrillen. Als schrulliger Kopf eines High-Tech-Konzerns investiert der Extraterrestrier alle Profite in den Bau eines Raumschiffs, mit dem er zurück in seine Heimat fliegen will. Sein ursprünglicher Antrieb, die Erde zu besuchen, nämlich um Wasser zu finden und eine Möglichkeit, dieses für seine Welt nutzbar zu machen, geht im Getriebe des Film langsam aber sicher unter. Tommy wird ausgenutzt, verraten und gequält. Er entdeckt seine Liebe zum Gin Tonic und zu Mary Lou, die ihn nach kurzer Schrecksekunde sogar mit Reptilaugen und Ganzkörperschleimhaut noch attraktiv findet. Letzten Endes bleibt er ein Gestrandeter, ein Alien unter Menschen, die kaum weniger seltsam sind als er.

Roegs Film von 1976 ist seit kurzem wieder auf DVD erhältlich und gefällt trotz einiger Längen und artifizieller Dialoge durch den spleenigen Chargen Bowie, der einen Prä-New-Wave-Außerirdischen gibt und mit seiner Andersartigkeit der menschlichen Gesellschaft zum Opfer fällt, indem er sich in sie integrieren muss. Vielleicht die Rolle seines Lebens…

Arthaus und KulturSpiegel präsentieren ab 21. Januar die Reihe „Arthaus Collection British Cinema“ mit zehn DVDs.
Nicolas Roeg, „Der Mann, der vom Himmel fiel“ (The Man Who Fell to Earth), 1976, Kinowelt Home Entertainment. DVD, dt./en., Extra: Interview mit dem Regisseur
www.kinowelt.de
Bildcredit > alle Screenshots von der besprochenen DVD
Text > mw

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