Franzosen in Madrid
February 4, 2010 · Print This Article

Vor zweieinhalb Jahren kamen die „schönsten Franzosen aus New York“ nach Berlin. Von Ingres bis zu den Post-Impressionisten füllten Meisterwerke aus dem New Yorker Metropolitan Museum of Art die Neue Nationalgalerie und sorgten für lange Schlangen auf der Potsdamer Straße. Französische Kunst des 19. und frühen 20. Jahrhunderts zieht, vor allem immer wieder der Impressionismus! Zurzeit kommen die schönsten Franzosen aus Paris (denn die größte frankophile Gemäldesammlung vor dem Met hat das Musée d’Orsay) und stellen sich dem Publikum von Madrid.

Édouard Manet, „Stéphane Mallarmé“, 1876, Musée d’Orsay, París © RMN (Musée d’Orsay)
Die private Fundación Mapfre leistet sich ein großzügiges Ausstellungshaus auf der Madrider Museumsmeile, dem Paseo de Recoletos. Unweit des Prado, des Museo Thyssen-Bornemisza und des Museo Reina Sofia also eine gute Adresse. Die Fundación Mapfre ist die Privatstiftung eines Versicherungskonzerns, der lange Zeit hauptsächlich als Kfz-Versicherer aufgefallen ist, bevor er dem Kultursponsoring- und Vermittlungsmodell vieler südeuropäischer Firmen folgte und Stiftungskapital zur Förderung kultureller und sozialer Aktivitäten auslobte.
http://www.vimeo.com/9153520Mit der Ausstellung „Impressionismus“, die vor drei Wochen eröffnete, will sie dem eingebrachten monetären Kapital auch das kulturelle und soziale Kapital der öffentlichen Wertschätzung zur Seite stellen. Impressionistische Kunst findet sich zwar auch in den staatlichen Museen Madrids, eine große Einzel-Präsentation gab es aber in dieser Form noch nicht. Somit wird die Ausstellung ihr Publikum finden, und sie hat es auch verdient. Denn die gute Selektion des Musée d’Orsay setzt kaum auf die altbekannten Plakatmotive, sondern führt (ganz ähnlich der Berliner Schau) an den Impressionismus durch alle Strömungen des 19. Jahrhunderts heran. Édouard Manet sticht als Genie heraus, Akademiekünstler stehen gegen Reformer, eher randständige Stile werden in den Gesamtzusammenhang eingegliedert. So zeigt sich auch hier wieder, dass die jahrzehntelang als akademisch und geschmäcklerisch diskredierte Salonmalerei eben auch ihren Beitrag zur Entwicklung der Moderne lieferte und nicht nur in der Auflehnung gegen sie.

Camille Pissaro, „Les toits rouges, coin de village, effet d’hiver“, 1877, Musée d’Orsay, París © RMN (Musée d’Orsay)
Warum die Ausstellung allerdings den Untertitel „Eine moderne Renaissance“ trägt bleibt unklar. Wiedergeboren wird hier nichts. Die französische Kunst des 19. Jahrhunderts steht mit beiden Beinen in der Kunstgeschichte ihrer Zeit, ohne dass hier frühere Epochen wieder aufleben müssten. Das zeigt sich besonders bei den Parade-Impressionisten, die in der obersten Etage gezeigt werden. Revolutionär in Form und Gestus, aber eben nicht abgehoben von der Geschichte.

Claude Monet, „La rue Montorgueil“, 1878, Musée d’Orsay, París © RMN (Musée d’Orsay)
Erstes Bild > James Whistler, „Arrangement en gris et noir numeró 1“, 1871, Musée d’Orsay, París © RMN (Musée d’Orsay)
„Impressionismus – Eine moderne Renaissance“
Fundación Mapfre, Paseo de Recoletos 23, Madrid, noch bis zum 22. April 2010
www.exposicionesmapfrearte.com/impresionismo/
Text > Marcus Woeller
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