Kunst statt Werbung | Artvertiser
Februar 4, 2010 · Print This Article

Ob Piccadilly Circus in London, Shibuya in Tokio oder Puerta del Sol in Madrid – die Berühmtheit vieler hochfrequentierter Plätze in den Metropolen der westlichen Welt speist sich zu einem großen Teil aus der Menge der großflächigen Werbeplakate, mit denen sie über und über bestückt sind. Angesichts des wirtschaftlichen Potenzials, das beispielsweise die 14×20 Meter messende Fläche am „Two Times Square“-Gebäude in New York birgt, welche Coca Cola seit 1929 für jährlich mehrere Millionen Dollar mit rot-weißen Botschaften versieht, liegt die Vorstellung, prominente Areale dieser Größenordnung zu einem öffentlichen Ausstellungsraum für Kunst zu machen, in utopischer Ferne.

Diese trotzdem wünschenswerte Vision in die oft von plumpen und augenscheinlich wenig kreativen Werbebotschaften des Hier und Jetzt zu rücken – jener Aufgabe haben sich die Macher der „Artvertisers“ verschrieben. Mit einem etwas wuchtigen, optischen Gerät, das in Form und Farbe eher an eine überdimensionierte Polaroid-Kamera erinnert als an die futuristische Wunschvorstellung, die seine Technik im Inneren beherbergt und eines eigens entwickelten Computerprogramms ermöglichen es Julian Oliver und Damian Stewart den Benutzern ihrer Konstruktion, anstatt langweilender Plakate die Ideen kreativer Kunstschaffender zu sehen.

Intelligente Software erkennt die ebenen Oberflächen großflächiger Werbeplakate und nutzt sie als „Leinwand“, um sie virtuell mit einer abgespeicherten Bilddatei zu überlagern, die sich passgenau auf ihren quadratischen Untergrund schmiegt und dank andauernder Neuberechnung durch schnellen Datentransfer per Laptop auch Bewegungen und Erschütterungen standhält. Der Begriff „Werbeträger“ wird so ganz neu definiert.

Ihre Macher wollen die Technologie in den kommenden Monaten weiter ausbauen und vereinfachen. In nicht all zu ferner Zukunft soll die „Artvertiser“-Software dann auch auf vielen Smartphones funktionieren, sodass interessierte Nutzer Art-Files auf ihr Handy herunterladen können und so unkompliziert in der Lage sind, ihr werbegepflastertes urbanes Umfeld mit völlig neuen Augen zu sehen.
http://www.vimeo.com/3464018Eine Videodokumentation im Haus der Kulturen der Welt zeigt noch bis zum Ende der transmediale.10, wo und wie verschiedene „Artverts“ in Berlin verteilt sind. Etwa einstündige Artwalks, bei denen man das Gerät rund um den Alexanderplatz selbst ausprobieren kann und seine Erfinder freundlich Rede und Antwort stehen, finden nach wetterbedingt kurzfristiger Ankündigung auf www.theartvertiser.com ebenfalls bis zum 07.02. statt.
Bilder 1 – 4 > Artvert-Spaziergang durch Berlin
Autor > Marcel Maciej
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