PANTHA DU PRINCE | Black Noise

Februar 5, 2010 · Print This Article

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Erklingen die ersten Töne dieser Platte, möchte ich Heidegger lesen bzw. ihn das Schwarze Rauschen besprechen lassen: „Was ist Stille? Sie ist keineswegs nur das Lautlose. Darin verharrt lediglich das Reglose des Tönens und des Lautens. Aber das Reglose ist weder nur auf das Ver-lauten beschränkt als dessen Aufhebung, noch ist das Reglose selber schon das eigentlich Ruhende. Das Reglose bleibt stets gleichsam nur die Rückseite des Ruhenden. Das Reglose beruht selbst noch auf der Ruhe. Die Ruhe aber hat ihr Wesen darin, dass sie stillt. Als das Stillen der Stille ist die Ruhe, streng gedacht, stets bewegter denn ale Bewegung und immer regsamer als jede Regung.”

So heideggert Heidegger, aber Hendrik Weber alias Pantha du Prince bringt genau das zum Klingen, das unhörbar Unerhörte; das, was der von Thomas Bernhard einst „Voralpenschwachdenker” gescholtene Sprachsprecher Heidegger das „Geläut der Stille”nennt, findet im obskuren Spektrum von „Black Noise” seine musikalische Entsprechung: Frequenzsperenzchen verstecken sich im Schutt, Felsstürze verewigen sich zum Rhythmus, der sich zu Katastrophenstrophen, von Noah Lennox’ alias Panda Bears ephemerer Stimme von gesungen, ausfedern. „Black Noise”, im Gegensatz zu Weißem Rauschen, besteht in erster Linie aus Stille und kündet uns vom Kataklysmus: Erdbeben, Flutwellen, seismische Aktivitäten allgemein schieben Schwarzes Rauschen vor sich her. In diesem Sinne macht Weber uns zu Tieren, denn nur die können es hören. Glockenspiele erklingen wie auf Eiskristallen im Gletscherbruch gespielt, filigrane Gesteinstektoniken schlagen die Marimba zwischen Calypso (der Ver-bergenden) und Apokalypse (der Ent-bergenden).

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Gemeinsam mit Joachim Schütz (Arnold Dreyblatt Trio) und Stephan Abry (Workshop, gemeinsam mit dem wunderbaren Künstler Kai Althoff) hat Pantha du Prince im Gegensatz zu Heidegger nicht im Schwarzwald, sondern in den Schweizer Alpen Feldaufnahmen und Improvisationen zusammen gestellt, die den auf der Platte sonst dominanten Physical Modelings und Wellenformsynthesen ihren kontingenten Schauder beisteuern. Tyler Pope (!!!, LCD Soundsystem) steuert auf „The Splendour” den Bass als weitere Klangquelle hinzu, die gemeinsam mit allen anderen tief in die Höhlen und Stollen unter dem Gebirg des Seins, das diese Platte als Echolot durchmisst, ein Ensemble formt, das der Rezensent seit Tagen nicht und wahrscheinlich nie mehr aus dem Kopf bekommt.
www.myspace.com/panthaduprince

Autor > Paul Feigelfeld

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