Manifesta manifestiert sich | #8
März 15, 2010 · Print This Article

Unter den vielen Kunstbiennalen in Europa und rund um den Erdball ist die Manifesta eine der sperrigsten und sprödesten. Und will es wohl auch bleiben. Qua Satzung versteht sich die Manifesta als ursprünglich nomadisierender Event, der eine mobile Struktur in immerwährender Wandlung und Neuerfindung aufbauen will. So findet sie nie am selben Ort statt und auch nicht mehr an nur einem einzigen. Vor zwei Jahren dehnte sie sich 200 Kilometer lang durch Südtirol und das Trentino. In diesem Jahr verbindet sie die spanischen Städte Murcia und Cartagena und schlägt den Bogen im Dialog auch nach Nordafrika.

ARQUA (National Museum of Underwater Archaeology) © Thomas Engelbert
Kompliziertheit ist Programm des Kunstfestivals, wenig (Verständnis beim) Publikum wird dabei in Kauf genommen. Ziel der Macher und Macherinnen ist es vielmehr, Strukturen des kollektiven künstlerischen und kuratorischen Diskurses in Regionen aufzubauen, die vom zeitgenössischen Kunstkuratell bisher eher unbeleckt geblieben sind.

Pavilion 2 at the Artillery Barracks or the former post office © Thomas Engelbert
Während der Kunstmesse arco in Madrid wurde die Mission der Manifesta 8 vorgestellt: „Dem nomadischen Charakter der Manifesta wohnt der Wunsch inne, die psychologischen und geografischen Territorien Europas und seiner Nachbarn zu erforschen, sowohl als Konzept als auch als erweiternde Ortsbeschreibung. Dieser Prozess beabsichtigt, einen engeren Dialog zwischen kulturellen und künstlerischen Situationen und einen breiteren, internationalen Kontext von zeitgenössischer Kunst, Theorie und Politik in einer sich verändernden Gesellschaft zu etablieren.“ Na, wenn sich das nicht ganz nach Manifesta anhört…

MURAM (Regional Museum of Modern Art) © Thomas Engelbert
Drei Kuratorenkollektive übernehmen die inhaltliche Verantwortung für die Manifesta 8, die am 2. Oktober 2010 eröffnet wird: tranzit.org (www.tranzit.org), Chamber of Public Secrets (www.chamber.dk) und Alexandria Contemporary Arts Forum (www.acafspace.org). Man kann hoffen, dass es ihnen gelingt ihre transregionalen, transkontinentalen, pan-afrikanischen wie pan-europäischen Ansprüche in Ausstellungen zu gießen, die nicht nur den eigenen Theorien, sondern auch einer sinnlichen Praxis genügen können.

Amphitheatre in Parque Torres © Thomas Engelbert
Manifesta 8, The European Biennial of Contemporary Art, Region of Murcia (Spain) in dialog with northern Africa, 2.10.2010 – 9.1.2011
Ausstellungsorte in Murcia: Los Molinos del Río Segura Hydraulic Museum and Sala Caballerizas, MUBAM, Espacio AV, Centro Párraga, Pabellon 2 und ein ehemaliges Postamt
Ausstellungsorte in Cartagena: MURAM, Café El Parque, Auditorio Parque Torres, ARQUA, ein ehemaliges Autopsiegebäude und das Gefängnis San Antón
www.manifesta.org
www.manifesta8.es
Erstes Bild > Los Molinos del Río Segura Hydraulic Museum © Thomas Engelbert
Text > mw
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