
In einem Interview sagte Damien Hirst kürzlich, er wolle mit der seriellen Arbeit aufhören, keine Medikamentenschränke mehr, keine Kreisbilder, keine eingelegten Tierkadaver. Höchstens noch zwei oder drei, schränkte er sich gleich wieder ein. Zwei oder drei dieser Objekte, die einige nicht für Kunst halten, sondern nur für aufgeblasene und perfekt verchromte PR-Gebärden, sind nun bei Haunch of Venison zusehen.

Hirst zitiert oder recycliert sich selbst. Jetzt ist er auch sein eigener appropriation artist, mit leichten Abwandlungen im Detail. Die altbekannten Tabletten sind in seiner Edelstahlvitrine „The Dark Continent“ durch schwarz eingefärbte Pillenattrappen aus Metall und Acrylharz ausgetauscht, leicht konsumierbar, aber schwer im Magen liegend. In Formalin marinierte Tiere gib es natürlich auch. Diesmal ein Zebra und ein schwarzes Schaf, glatt zerteilt, aber dank glänzender Hörner zum Goldenen Kalb im Schafspelz geadelt. Auch für den biologischen Abfall aus seiner umstrittenen Arbeit „A Thousand Years“ findet er eine Lösung…

Damien Hirst hat als seinen persönlichen Beitrag zur zeitgenössischen Kunstgeschichte die Selbstvermarktung zur Kunst selbst erklärt und damit all jene erschreckt, die noch an die allgemeine Teilhabe an der Kunst glauben. Dabei erkennt Hirst nur die Grenzlinien, die von allen Seiten verwischt werden und markiert sie in seiner unnachahmlich aufdringlichen, aber auch genialen Prägnanz. Das zwischen Kunst, Technik, Design, Handwerk und Verblendung nicht mehr zu trennen ist, beweist er mit einer großartigen, kreisrund chromglänzenden Vitrine in der Bestecke liegen. Ob es sich dabei um medizinische Untersuchungbestecke für den Operationssaal, gastronomische Vorlegebestecke für den Grill Royal oder zweckbefreite, aber hochwertigst produzierte Designbestecke für die Londoner Loftetage handelt, ist kaum noch erkennbar.

Die Berliner Filiale der Galerie Haunch of Venison zeigt Damien Hirst zusammen mit seinem Künstlerbuddy Michael Joo. Der Amerikaner zeigt einen „Doppelganger“ zu Hirsts konserviertem Savannenpferd: eine hubbabubbapink lackierte Zebra-Gussform. Fundstücke aus der Natur wie historische Elchgeweihe oder Baumstämme verlängert und vergrößert er zu überformten Kunstobjekten der Maßlosigkeit. Der perfekte Partner für Damien Hirst also, kein Gegenpart.

„Have You Ever Really Looked at the Sun?“ eröffnet als Freundschaftsausstellung der beiden Mittvierziger Michael Joo und Damien Hirst heute Abend zum Gallery Weekend und läuft an den beiden Ausstellungsorten in der Heidestraße und der Halle am Ufer noch bis zum 14. August 2010.

Damien Hirst und Michael Joo
Haunch of Venison
Heidestraße 46
Berlin-Mitte
www.haunchofvenison.com
Text > Marcus Woeller
[...] This post was mentioned on Twitter by Stylemag. Stylemag said: Style and the Family Tunes Sonniges Duo | Hirst und Joo http://bit.ly/9YGrED [...]
[...] Doppelausstellung von Damien Hirst und Michael Joo in der [...]