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After the Weekend

Das Gallery Weekend hat sich etabliert und ist drauf und dran, das Art-Forum-Wochenende im Herbst als Berliner Toptermin in Sachen Bildkünsten abzuservieren. 40 Galerien haben sich zum Gallery Weekend zusammengeschlossen, um die anfallenden Werbungskosten (um Sammler gesammelt nach Berlin zu schleusen) gemeinsam gewinnbringend abzusetzen. Darum war auch die Limousinendichte höher als sonst…

Auch die meisten anderen Kunsthändler, Museen, Art Spaces und Privatkunsthallen waren auf den Zug durch die Galerienviertel der Stadt aufgesprungen. Manche Galeristen hatten allerdings zur Eröffnung auch mit eher kunstfremden Situationen umzugehen. Carlier Gebauer zeigten in ihren Räumen in der Markgrafenstraße eine Einzelausstellung von Mark Wallinger. Hauptwerk ist die Installation „Steine“: eine auf dem Boden ausgebreitete Menge von kleineren Kieseln bis größeren Granitbrocken, durchnummeriert von 1 bis 1000. Drei kleine Jungs aus dem Kiez, in dem Kunstobjekte trotz ihrer immer größeren Anzahl noch immer Fremdkörper sind, hatten zuerst auf Wallingers Auditorium sorgsam aufgereihter und mit Fäden auf einen Punkt an der Wand perspektivisch fokussierter Stühle Platz genommen.

Verscheucht vom Galeriepersonal suchten sie ihren Weg dann durch die Steine, nicht ohne einige durch ungelenke Tritte in ihrer Position zu verändern und schließlich einen aufzunehmen – und vielleicht sogar in der Hosentasche verschwinden zu lassen. Nicht leicht auszumachen bei tausend Steinen, wenn einer fehlt. Galeristin Marie Blanche Carlier bewies Contenance und deeskalierte den Ernstfall und geleitete die drei „Kunstbanausen“ zur Tür. Ob wirklich ein Stein als Trophäe erbeutet wurde? Die Galerie wird den Mantel des Schweigens darüber ausbreiten.

Die meisten Galerien setzten auf hochkarätige und nicht so leicht entwendbare Ausstellungsstücke und klangvolle Namen. Eigen + Art zeigte neue Werke von Martin Eder, der mit der Portraitgalerie „Ugly“ dagegen ankokettierte für die eher süßlichen Sujets bekannt zu sein. Barbara Thumm zeigte neuere Arbeiten der Hard-Edge-Veteranin Jo Baer und den steten Kampf zwischen Abstraktion und Figuration. Zak Branicka im Galerienhaus in der Lindenstraße präsentierte die Auseinandersetzung Pawel Ksiazeks mit dem deutschen Architekten Hans Poelzig und seiner Referenz im Film. Der Fotograf Tobias Zielony hat sich wieder in einen sozialen Brennpunkt gewagt und in der durch den Film „Gomorrha“ bekannten Wohnsiedlung „Le Vele di Scampia“ fotografiert, zu sehen bei Koch Oberhuber Wolff in der Brunnenstraße.

Zum Gallery Weekend gehörten natürlich auch Partys. C/O Berlin feierte in der Turnhalle vom Postfuhramt eher akademisch den sechzigsten Geburtstag des Kunsthistorikers Michael Diers, der seine Wandlung zwischen Theorie- und Praxiswelten in zwei Professuren manifestiert, an der Humboldt-Universität zu Berlin und der Hochschule für bildende Künste in Hamburg.

Das Neorenaissancegebäude an der Ecke Tucholsky- und Oranienburger Straße bot im Kuppelsaal aber auch noch Raum für die Party von Sprüth Magers, mit der Andreas Gurskys Ausstellung aus Satellitenbildern entstandener Großformatfotografien gefeiert wurde. Johann König verlud einige Zentner Sand in die Hallen am Ufer und feierte anlässlich der Ausstellung von David Zink Yi. Der gerade fertig gewordene Doppelturm L-40 am Rosa-Luxemburg-Platz feierte sich selbst als neuen Kunststandort und eine Straßenecke weiter, an der Ecke Prenzlauer Allee und Torstraße, machte Damien Hirst seinem Ruf alle Ehre und scheute keine Kosten, seine Gäste im neu eröffneten Soho House mit Champagner zu bewirten. Thomas Olbricht, der bei der Eröffnung des „ME Collector’s Room“ in der Auguststraße noch alle kommerziellen Anreize weit von sich wies, zeigt sich dagegen nicht so generös und knöpfte den Besuchern seines Privatmuseums am Gallery Weekend den regulären Eintrittspreis ab.

www.gallery-weekend-berlin.de

Text > mw

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2 Antworten to “After the Weekend”

  1. [...] This post was mentioned on Twitter by Stylemag. Stylemag said: Style and the Family Tunes After the Weekend http://bit.ly/cFUfs4 [...]

  2. [...] und mit Fäden auf einen Punkt an der Wand perspektivisch fokussierter Stühle Platz genommen. (hier [...]

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