
Die Ikonisierung von bestimmten Künstlern und deren Werken geht einher mit dem „Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“: manchmal hat man ein Bild bereits so oft auf Kunstdrucken, T-Shirts, Tassen gesehen, dass es im Hintergrundrauschen verschwindet und gar nicht mehr als Kunstwerk wahrgenommen wird.

„Frida Kahlo im Spitalbett malend mit Spiegel in der Hand“, 1951, Sammlung Galería López Quiroga, Foto: Juan Guzmán © Instituto de Investigaciones Estéticas
So auch bei Frida Kahlo, deren Selbstbildnisse stellvertretend für lateinamerikanische Kunst zu stehen scheinen. Die Mexikanerin gilt als Heroine eines volkstümlichen Surrealismus. Ihr Leben und Leiden, der Verkehrsunfall, der ihr im wahrsten Sinne das Rückgrat brach und ihre schwierige Liebesbeziehung zu Maler-Macho Diego Rivera – Frida Kahlos Biografie lässt die Grenze zwischen dem Wirken ihrer Person und ihrem künstlerischen Schaffen verschwimmen.
Eine unfassende Werkschau Frida Kahlos zeigt nun der Martin-Gropius-Bau in Berlin. Die Retrospektive stellt unbekannte oder verschollen geglaubte Werke aus, die neue Seiten von der Künstlerin zeigen. Darunter Kahlos Zeichnungen, die teilweise während einer Maltherapie entstanden und sie als „Gefangene ihrer selbst“ entlarven. Ihr letztes Selbstbildnis von 1954, zerstört geglaubt, zeigt sie als Sonnenblume. Eine Fotosammlung, die aus Familienarchiven stammt, gibt dokumenatrische Einblicke.

„Selbstbildnis als Tehuana oder Diego in meinen Gedanken“, 1943, The Jacques and Natasha Gelman Collection of 20th Century Mexican Art and The Vergel Foundation © Banco de México Diego Rivera-Frida Kahlo Museums Trust, México, D.F. / VG Bild-Kunst, Bonn 2010
Da Frida Kahlos Malerei oft an direkte Ereignisse ihres Lebens gekoppelt ist, wirkt die Ausstellung wie ein Tagebuch. Jedem Saal ist ein anderer Titel gewidmet, zum Beispiel „Yin und Yang“ – dort sind farbenfrohe Bilder zu sehen, auf denen die mexikanische Mythologie von Sonne und Mond als Symbole für ihre Liebesbeziehung mit Rivera stehen. Unter „Deseos“ sind die so genannten Wunschbilder ausgestellt, die Kahlos Sehnsüchte und Wünsche nach Gesundheit, Vereinigung und Mutterschaft thematisieren.

Gelungen sind auch die Begleittexte zu den jeweiligen Werken, die nicht nur die Motive und mythologischen Symbole erklären, sondern auch den Humor der Malerin offen legen, denn viele Bilder nehmen durch versteckte Anspielungen und Wortwitz durchaus parodistischen Bezug zu ihrer Arbeit und ihrem Leben.
In diesem Jahr wäre Frida Kahlo 100 Jahre alt geworden.
Frida Kahlo – Retrospektive
Bis 9. August 2010
Martin-Gropius-Bau
Niederkirchnerstraße 7
10963 Berlin
www.gropiusbau.de
Erstes Bild > „Die Sonne und das Leben“, 1947, Privatbesitz, Courtesy Galería Arvil, Mexiko Stadt
© Banco de México Diego Rivera-Frida Kahlo Museums Trust, México, D.F. / VG Bild-Kunst, Bonn 2010
Text > Ruth Labes
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