
Wer kann schon aus seiner Haut? Die meisten Bewohner post-sozialistischer Länder haben so einige Häutungen mehr durch als ihre westlichen Nachbarn. Da wundert es nicht, dass immer wieder die interessanteren Phänomene in der Kunst aus dem „Osten“ kommen. Das reflektieren nicht nur die Biennalen, wie auch jetzt die Berlin Biennale wieder, sondern auch Ausstellungsprojekte vorort.

Kristina Inciuraite, „Survival“, 2009. Courtesy the artist and Antje Wachs Gallery, Berlin
Mücsarnok, die Kunsthalle Budapest, präsentiert jetzt die Ausstellung „Over the Counter“ und stellt künstlerische Arbeiten vor, die über die ökonomischen Prozesse und Veränderungen der letzten zwanzig Jahre reflektieren. Zeigen will sie, dass Wirtschaft kein abstraktes System ist, das unabhängig vom Alltagsleben funktioniert, sondern eine Realität ist, die jeden von uns an jedem Ort beeinflusst, jederzeit. In den post-sozialistischen Regionen stellt sich darüber hinaus stets die Frage, die heutigen Bedingungen mit historischen abzugleichen und zu bewerten.

Kamen Stojanov, „ Guys, this is not LA but is a cool place too!“, 2010
Die Künstler und Künstlerinnen hinterfragen, ob es Sinn hat ökonomische Prozesse auf Lebenszyklen zu projizieren. Ob Phänomene wie Schrumpfung, Schwarzmarktwirtschaft, Arbeitsmigration oder die Turbulenzen der Finanzmärkte vergleichbar mit alltäglichen Erfahrungen oder persönlichen Krisen sind. Ob Plan oder Markt auch in ganz persönlicher Perspektive sich einander ausschließende Kriterien sind. Die Ausstellung hat Künstler von Kroatien bis Polen, von Armenien bis Deutschland eingeladen, sich mit diesen Probleme auseinanderzusetzen und Bilder zu entwickeln, die das weite Feld zwischen Arbeit, Kunst und Individuum visuell auszuloten und die Vision einer Zukunft ohne Fußfesseln zu entwerfen.

Lucia Nimcova, „Exercise“, 2007. Courtesy of photo.sittcomm.sk
Mit dabei sind u.a. Mircea Cantor, Olga Chernysheva, Miklós Erhardt, Andreas Fogarasi, Zsolt Keserue, Margareta Kern, Johanna Kandl, Yuri Leiderman, Deimantas Narkevičius, Csaba Nemes, Lucia Nimcova, REINIGUNGSGESELLSCHAFT, Société Réaliste, Mladen Stilinović, Łukasz Skapski und Clemens von Wedemeyer.
„Over the Counter – The Phenomena of Post-socialist Economy in Contemporary Art“
18. Juni – 19. September 2010, Mücsarnok – Kunsthalle Budapest
Eröffnung: Donnerstag, 17. Juni, 19 Uhr
www.mucsarnok.hu
Erstes Bild > Anetta Mona Chisa & Lucia Tkácová, „After the Order – Pyramid of Capitalist System“
Text > mw
ONE ON ONE | Ein-zu-eins in den KunstWerkenDieser Beitrag wurde am Donnerstag, Juni 17th, 2010 um 11:32 publiziert. es ist abgelegt unter cultureund verschlagwortet mit art, Budapest, culture, exhibition, Hungary, Over the Counter, post-socialist. Du kannst die Antworten zu diesem Beitrag über den RSS 2.0 Feed verfolgen.
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