MENOMENA | Mines
Juli 26, 2010 · Print This Article

Mines ist keine Seelenschau, wohl aber ein Trip durchs Hasenloch („Queen Black Acid“) in die verschwurbelten Hirnwindungen dreier kluger Köpfe mit überaus kindlichem Gemüt. Wer Spike Jonzes „Where the Wild Things Are“ gesehen hat, kennt dieses Gefühl präadoleszenten Protests gegen die Erwachsenenwelt, das über diesem vierten (Konzept-)Album von Brent Knopf, Danny Seim und Justin Harris steht. Und eben dieser lebenswidrigen Erwachsenenwelt zum Trotz schaffen es Menomena mit verspielten Arrangements, beeindruckendem Songwriting und ganz eigener Poesie ihrem nachdenklichen, aber sehr positiven Charakter Ausdruck zu verleihen.
In Menomenas Köpfen schauen wir also kindlich-unbedarft aus Erwachsenenaugen auf unseren Alltag, während in uns auf Minenfeldern ein Kampf zwischen Herz und Verstand tobt, der auf „Mines“ gewaltig, tosend, halluzinatorisch und wilder als zuvor, jedoch mit der gleichen schier unbegreiflich-umfassenden Instrumentierung zwischen Saxofon und Glockenspiel verklanglicht wird.
„Taos“ ist beispielhaft für das Album. Melodien überlagern sich gegenseitig, laufen auseinander und verschmelzen wieder, die Rhythmik ist uneindeutig, eruptiv und so intuitiv, dass Kinder vermutlich die helle Freude daran hätten, während ihre Eltern ratlos nach der einen tanzbaren Linie suchen. (Der Kopfhörer bleibt sowieso die erste Wahl, um den vielen Facetten und musikalischen Feinheiten von Mines angemessen begegnen zu können.) Die Sehnsucht nach jugendlicher Egozentrik und Ignoranz drückt Harris hier in wenigen Zeilen aus: „Cut my leash and walk away.“ Freiheit und Loslassen sind überhaupt die großen Themen dieses Albums.
Menomena – Wet and Rusting

In „Tithe“ fasst ein Xylofon-Intro Kindheit, Erwachsenwerden und Tod in einer Minute zusammen. Einfachste Tonfolgen wachsen zu einem polyrhythmischen, komplexen Uhrwerk, dessen Ticken zu Beginn der Strophe vom bedrohlich hämmernden Piano und und rau verzerrter Gitarre übertönt wird: „Spending the best years of your childhood horizontal on the floor [...] And nothing sounds appealing.“ Ein ziemlich ernüchternder Blick aufs Leben. Doch Menomena wären keine Wild Things, würden sie nicht in der nächsten Sekunde den Gram über die Schönheit des Lebens wieder vergessen – und so werden harsche, tosende Sequenzen von zarten, hellen Tönen begleitet und durchleuchtet. Der Trip endet mit „Intil“, das ebenso gut ein Radiohead-Album beschließen könnte. In Reduzierung und Verdichtung, Mehrstimmigkeit und Solo zeigen sich der Wunsch nach Einsamkeit und Zweifel an der Zweisamkeit bis zum finalen „I’d never thought, I’d lie“.
Und nach einigen Sekunden bedrückender Stille nähert sich ein Piano dem Hörer, um ihn nach diesem Trip in Menomenas versponnene Köpfe wieder durch das Hasenloch nach draußen zu begleiten. Noch mal! Noch mal!!
Hier geht es zum kostenlosen Album-Stream von NPR.
Menomena
„Mines“
City Slang
http://www.myspace.com/menomena
http://www.cityslang.com/
Text > Vanessa Schneider
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