Jantaminiau F/W 2010
Juli 29, 2010 · Print This Article

Mit seinen neuesten Kreationen, die er während der Haute-Couture-Schauen in Paris zeigte, bewies der niederländische Designer Jan Taminiau erneut besonderes Gespür, auf der rastlosen Suche nach neuen Formen und ästhetischer Selbstverwirklichung. Seine mal mehr mal weniger romantischen Kollektionen, die er mit der Faszination für ursprüngliche Materialien und Techniken zu fast selbstverständlicher Perfektion treibt, werden stets von harter architektonischer Symmetrie begleitet, die am Ende weiche Farben und akkurat geschneiderte Silhouetten und Kanten zu einem bittersüßen Bündnis vereint.

Seine aktuelle Kollektion „Reflections“ widmet er der Reflektion traditioneller Ideen in zeitgenössischer Couture und der eigenen Undefinierbarkeit unseres Alltags. Plastische Metallstrukturen wirken wie bleibetropfte Rüstungen, die übergehend in dicht bestickte, helle Perlen- und Kristall-Bestickungen an schwarzen Stein in der Brandung erinnern. Ab und an klappt eine Schulterpartie nach außen und gibt die Sicht auf zarten Seidenchiffon frei und Teilungsnähte unterhalb der Brust beleben Empireelemente.

Weiche, deformierte Formen zentrieren den optischen Schwerpunkt auf die Mitte der Taille. Die dadurch entstandene, horizontale und vertikale Symmetrie vermittelt die Assoziation eines Kreuzes, das die Strenge und das Selbstbewusstsein der Kollektion unterstreicht und der Trägerin die Anmutung einer modernisierten Jeanne d’Arc verleiht. Militärisch inspirierte Helme mit Haarkämmen und üppige Schultern betonen die maskuline Linie und brechen mit zarten Farben wie Kittgrau, Taubenblau, Mauve, Taupe, Silber und Türkis bis hin zu filigranem Crème, Eierschale und Alt-Rosé.

Das Sortiment reicht von akkuraten Blazern und Jackenkleidern über hochgeschnittene Hosen im 1940er-Jahre-Stil über kurze körperbetonte Kleider, Röcke und lange wallenden Roben. Bei solch detailgeprägten Kollektionsabenteuern überwiegt die Freude, dass sich das ein oder andere Ausnahmetalent, erfolgreich gegen die vergleichsweise „Leichtigkeit des Kommerz“ und für die schwere Bürde des Couture-Genres entscheidet.

Text > Jana Kuch
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