Designer alteingesessener Labels haben es nicht immer leicht – sie können zwar einerseits auf traditionsreiche Archive zugreifen, müssen aber andererseits auch sicherstellen, die hauseigene und persönliche Handschrift nicht aus den Augen zu verlieren. Der schottische Strickspezialist Pringle of Scotland feiert dieses Jahr bereits sein 195jähriges Bestehen.
Keine leichte Aufgabe also für Creative Director Clare Waight Keller, die vor fünf Jahren diese Position übernahm, die ursprünglichen Pringle-of-Scotland-Designelemente einmal mehr spannend und zeitgemäß zu übersetzen.
Wie schon die Männerkollektion für Spring/Summer 2011, ist auch die Frauenkollektion von Derek Jarmans Film „Blue“, in dem Tilda Swinton die Hauptrolle spielt, inspiriert. Typische Elemente männlicher Garderobe und schottische Anklänge, wie der Kilt, werden äußerst feminin interpretiert.
Fransen, eingelegte Falten, Karomuster, Mesh-Materialien, klassische Kiltverschlüsse und das durch verschiedene Flechtmethoden neu interpretierte Pringle-Argyle-Muster sind die tonangebenden Gestaltungsbausteine der Kollektion – in voluminösen Blusen, Tops, Minikleidern, Röcken, die zum Teil mit langen, weiten Hosen, Blazern, Kurzmänteln und Lederschürzen gestylt werden. Farblich bewegt sich die Kollektion in dezenter Helligkeit, weiß, beige und verschiedene Blautöne, die vereinzelt von Grau und Schwarz durchbrochen wird.

Clare Waight Keller wollte zwei konträre Elemente der Weiblichkeit vereinen – Frivolität und Pragmatismus. Eine äußerst ansehnliche Fusion!
Text > Michael Hastreiter
