
Fast genauso legendär wie ihre Fotografien, ist das Doppelduo Ehemann-und-Ehefrau sowie Fotograf-und-Make-up-Artist Inge Grognard und Ronald Stoops selbst. Der Aufstieg des Antwerpener Designs und ihrer Pioniere der ersten Generation wie Dries Van Noten, Dirk Bikkembergs, Walter Van Beirendonck, Dirk Van Saene oder Martin Margiela in den frühen 1980er Jahren wäre visuell kaum so präsent ohne die Bildsprache des Duos, das die Zartheit, Schönheit und gleichzeitige Brutalität und Destruktion genauso dicht und vielschichtig in Bildern festzuhalten vermochte, wie die Entwürfe selbst.
Ende Oktober erscheint im Ludion-Verlag „Inge Grognard/Ronald Stoops“, ein Bildband, der ebenso Sammlung wie Spurensuche dieser über 30 Jahre andauernden Kollaboration ist, der den Fokus auf ihre nicht-kommerziellen Arbeiten legt und dabei fast nebensächlich diese ungewöhnlich kreative Partnerschaft der beiden, ihre Einflüsse von außen und ihren Standpunkt von innen freilegt.
„Das Buch beginnt und endet mit einem Schrei“ erzählt Grognard und in der Tat, der Band eröffnet mit einem Schwarzweißportrait von Kristina – Martin Margielas Dauermuse – mit ihren Brüdern und endet mit einer Farbfotografie von Grognards Katzen. „Der Schrei symbolisiert wie Ronald und ich kommunizieren. Für Außenstehende muss das äußerst schroff wirken. Wir neigen dazu, uns ständig anzuschreien und Diskussionen geraten oft außer Kontrolle.“ Diese Spannung ist omnipräsent und zieht sich durch alle Erzählungen ihrer Bilder. Der Betrachter navigiert durch diese Facetten menschlicher Interaktion mit der kühlen Distanz der Artfizialität und der beklemmenden Faszination für ihre Authentizität.
Und auch wenn der Titel des Bildbands naheliegend scheint, versinnbildlicht sich darin auch ein einzigartiges Konzept: Ohne das straff gewobene Netz aus Stylisten, Designern, Fotografen und Grafikern der Antwerpener Modeszene in den formgebenden Jahren wäre deren Entwicklung nicht denkbar.
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Bildcredit > „Inge Grognard/Ronald Stoops“, Ludion-Verlag
Text > Julia Christian