
Der Kompass, das kreisrunde Navigationsinstrument, hat im Englischen noch eine weitere, ebenfalls kreisrunde Bedeutung: Zirkel. Er ist uns allen noch aus Schulzeiten bekannt, um so sauber wie genau geometrische Formen zu erstellen. Wir machten Skizzen, verwarfen sie wieder, um dann von vorn anzufangen, bis die Perfektion vollbracht war. Der Kreis symbolisiert das Allumfassende, Beginn und Ende laufen hier ineinander. Da das Zeichnen der Ausgangspunkt der meisten künstlerischen Prozesse ist, die aufs Papier gebrachte Idee, ist es ein bedacht gewählter Titel für eine Ausstellung in der Zeichnung als künstlerisches Medium eine umfassende Beachtung erfährt.

© 2011 Cy Twombly
Die Ausstellung „Kompass“ im Martin-Gropius-Bau Berlin, die eine Auswahl aus der Sammlung des MOMA New York zeigt, symbolisiert nicht nur die topografische Konzentration auf wichtige Kunstzentren wie New York, Berlin, Los Angeles oder London, sondern verweist eben auch auf den inhaltlichen Schwerpunkt: Zeichnungen.

© 2011 Artists Rights Society (ARS), New York / VG Bild-Kunst, Bonn
In all seinen materiellen Ausdrucksformen, wie Studien, Skizzen, Monumentalaufnahmen oder einfaches Gekritzel wird diese ursprüngliche Form kreativer Ergüsse hier zugänglich gemacht. Werke renommierter Künstler des 20. Jahrhunderts wie Jasper Jones, Agnes Martin oder Robert Rauschenberg bilden mit neuen, erst kürzlich in die MOMA-Sammlung aufgenommen Talente wie Christoph Holstad, Nick Mauss oder Amelie von Wulffen einen harmonischen Zirkel.

© 2011 Nick Mauss
„Kompass“
eichnungen aus dem Museum für Modern Art New York
The Judith Rothschild Foundation Contemporary Drawings Collection
11.03. – 29.05.
Mi – Mo 10.00 – 20.00 Uhr
Martin-Gropius-Bau Berlin, Niederkirchnerstraße 7, 10963 Berlin
Erstes Bild > © 2011 Jo Baer
Text > Anja Fordon