
„Was ihr den Geist der Zeiten heißt, Das ist im Grund der Herren eigner Geist, In dem die Zeiten sich bespiegeln.“ Seit Goethe hat der Begriff vom Zeitgeist etwas Staub angesetzt. Grund genug für die Künstlerin Kerstin Cmelka sich dem, was der Englishman zeitgeist nennt, von heute zu widmen und was kann zeitgeistiger sein als… Berlin-Mitte natürlich!

Alexander Schröder, Foto: Tina Wessel
Eine illustre Runde kam als letzte Woche zur Vortrags-Performance „Zeitgeist Varieté“ in den Berliner KW zusammen, um den Begriff aus der Sicht verschiedener Branchen zu beleuchten. Julia Rech von American Apparel, hatte sich ernsthaft vorbereitet und betete kurzerhand die gesamte Philosophie des Ober- und Untertrikotagenherstellers aus den USA herunter inklusive „conference calls“, „mind set“ und selbstverständlich „flachen Hierarchien“ So ironiefrei gab sich Alexander Schröder von der Galerie NEU nicht, er hatte ein kleines Bild seines Künstlers Sergej Jensen dabei, freute sich, dass er in Zeiten einer nicht enden wollenden Diskussion um eine Berliner Kunsthalle schon damals bei der INIT dabeigewesen war und erneuerte seine Losung „die Geschichte der Kunst positiv beeinflussen“ zu wollen.

Ann Cotton, Adrian Williams, Kerstin Cmelka, Foto: Tina Wessel
Ann Cotten trug dann ein langes, aber kein weiliges Gedicht vor: „Über die Suche nach Musen“. Stephan Landwehr, Rahmenbauer und Grillgastronom, erläuterte charmant seinen Werdegang unter dem Motto „Künstler sollen meine Freunde sein“. Ob Eva-Maria Wilde schon seine Freundin ist? Die Künstlerin ist im Plattenbau aufgewachsen und kann sich an die damit zusammenhängende Unbill, architektonisch wie sozial, noch gut erinnern. Friedemann Heckel vom Berliner Acne-Store verlas noch konkret poetisch die Namen der Kleidungsstücke der aktuellen Kollektion bevor die Ausstellung, die Kerstin Cmelka kuratiert hat, eröffnet wurde.

Live video streaming, Goor und Poison Ivory, Foto: Tina Wessel
Und dazwischen? Wurde gezaubert! Magier Goor ließ seine Assistentin Poison Ivory Munter Ballonfiguren formen und unterhielt bestens mit seinem freiwilligen Kompagnon: Galerist Christian Nagel. Dieser kam unverhofft zu der Ehre, „Stimmung“ zu machen und im Zauberkasten seine Hand zu verlieren. So viel Zeitgeist war selten. Schon gar nicht in Berlins Mitte…

Ausstellungsansicht KW Institute for Contemporary Art, Foto: Tina Wessel
Mona Kuschel, „Zurückgewiesene Idee“, 2010, Courtesy the artist
KW69 #4
„Stolen from my subconscious“ von Kerstin Cmelka
03.03.–03.04.2011
KW Institute for Contemporary Art
Auguststr. 69
10117 Berlin
Erstes Bild > Ausstellungsansicht KW Institute for Contemporary Art, Foto: Tina Wessel
Adrian Williams, „POST“, 2010, Courtesy the artist and Galerie Kadel Willborn, Karlsruhe
Text > mw