
Man kann ja gar nicht genug von den alten Zeiten schwärmen: als die Konzertbühnen noch verraucht waren und keine hydraulischen Sitztribünen anboten, als man noch zu den Musiker aufschaute und nicht auf sie herab, als die Bars noch voll waren und nicht steril, als man nicht immer und überall freie Sicht hatte, als Scheinwerfer außer Licht noch Wärme verstrahlten und nicht die klinische Helligkeit der LED, als Singer-Songwriter noch schlanker waren, als es das Loft noch gab und das Kanaack und von mir aus sogar den alten Magnet, bevor die BoBos auf den Plan traten und Stadtviertel zu regulierten Begegnungszonen mit Kinderschutz und Nachtruhe machten.

Times are a changing… Und so wird sich Ron Sexsmith auch gewundert haben, dass er seine Europatournee im Admiralspalast beginnen musste. Fein hat er gespielt, tolle Stimme sowieso, schön, dass er Walter aus Breaking Bad ans Pianoforte gesetzt hat, danke auch für das präzise Zusammenspiel.

Gutes Konzert! Wenn man mal von der Location absieht… Sexsmith, der Kanadier, der sich längst aus der Entourage von Leslie Feist befreit hat, präsentierte sein neues Album „Long Player Late Bloomer“ am Mittwochabend in Berlin. „I didn’t know that you like Lesbian Seagull Music“, wunderte sich meine Begleitung. Ich wusste gar nicht, dass es lesbische Möwen gibt…

Text + Fotos > Marcus Woeller