
Der Nerd hat sich mittlerweile bekanntermaßen als eine Unterform des Hipsters etabliert. Man akzeptiert ihn nicht trotz der großen Brille und des Fachwissens über Drumcomputer oder Gitarrenseiten, sondern gerade deswegen. So werden die Accessoires des Nerds gerne als Koketterie eingesetzt, ohne dass man die Pein des Außenseiterdaseins jemals wirklich erleben müsste. James Friley hat allerdings die ultimative Nerd-Credibility. Nicht nur ist er aufgewachsen im uncoolen Hick-County Kentucky, er kommt auch aus dem Schoße einer Mormonenfamilie. Die klassischen Zutaten des Rock n Roll waren ihm somit absolut unzugänglich: Alkoholgenuss oder vorehelichen Beschlaf standen da jedenfalls nicht auf dem Programm.
Und scheinbar war ihm nur ein begrenzter Zugang zur Popmusik beschieden. „Paddywhack“, das erste Album von Friley alias Idiot Glee fußt auf der Grundlage von klassischer Klavierausbildung und einer Leidenschaft für die Beach Boys. Überhaupt fühlt man sich hier ständig an die Sternstunden der (vermeintlich) unschuldigen Tage der Popmusik erinnert. „Don’t Go Out Tonight“ etwa bedient sich in den Anfangsakkorden bei den Phil Spector-Protegées The Crystals, während an anderen Stellen sogar Herrenquartette und Crooner der 50er Jahre wieder belebt werden. Wird nach dem Underground-Comeback von Yachtrock nun diese Sorte von Elternmusik ein Revival im subkulturellen Gewand feiern?
Idiot Glee „Paddywhack“
erschienen bei Moshi Moshi
http://www.myspace.com/idiotglee
live in Berlin
Sa., 28.05.
Westgermany