
So sieht sie also aus, die deutsche Version eines Road-Movies. Im Gegensatz zu den bekannten internationalen Versionen wird in dem Film „Der Mann, der über Autos sprang“ von Regisseur Nick Baker Monteys allerdings nicht das Land bequem mit dem Auto durchfahren und dabei während der Pausen exzessiv getrunken und gefeiert, sondern Deutschland durchwandert und sich dabei zurückbesonnen auf die Grundwerte des Lebens. Das hört sich nicht nur an wie eine Pilgerreise, sondern ist gewissermaßen auch eine. Kernfigur des ganzen Unternehmens ist Julian (Robert Stadlober), der den ganzen Weg von Berlin bis in ein kleines Dorf in der Nähe von Stuttgart zu Fuß zurücklegt, „um durch die Energie des Gehens den herzkranken Vater seines besten Freundes zu heilen.“

Bereits zu Beginn seiner Reise trifft er in Berlin die Assistenzärztin Ju (Jessica Schwarz), die er in Leipzig – nicht ganz zufällig – wiedertrifft. Ju, die Angst hat, als routinierte Ärztin ihr Herz zu verlieren, wie sie es ausdrückt, lässt kurzerhand Job und Freund zurück, um sich Julian auf seiner spirituellen Reise durch die Bundesländer anzuschließen. Auf diesem Weg kommen sich die beiden näher und es bahnt sich eine komplexe Liebesgeschichte zwischen dem ungleichen Paar an. Dem Alltag und vor allem ihrem gestressten Mann und Kindern entfliehen will ebenso Ruth (Anna Schudt). Eigentlich auf dem Weg in den Segelurlaub geht sie durch unglückliche Umstände ihrer Familie verloren, und so folgt auch sie für kurze Zeit dem Gespann.

In dem Film wird vor allem eines: gelaufen. Halt wird nur zum Schlafen gemacht, das aber ganz asketisch auf der Erde. Dabei treffen drei Menschen aufeinander, die nur die gemeinsame Bewegung verbindet, von denen aber jeder für sich mit seinem Leben hadert. Was Julians Begleiterinnen jedoch lange nicht ahnen: Er hat übermenschliche Fähigkeiten und ist aus einer Berliner Heilanstalt geflohen. Sein letzter Versuch, die Gesetze der Natur zu durchbrechen, endete in einer Tragödie.

Auf eine ähnliche Reise begibt sich parallel dazu der cholerische Berliner Kripo-Beamte Jan (Martin Feifel). Von den eigenen persönlichen Beziehungsproblemen begleitet, soll der in das Schussfeld seines Vorgesetzten geratene Polizist Julian finden und muss dabei selbst einsehen, dass es zwischen all der ihn täglich umgebenden Kriminalität auch noch Menschen gibt, die Gutes wollen. So unterzieht er sich dabei in seiner Einsamkeit selbst einem vorbildlichen Sinneswandel.

In seinen starken Momenten fängt der Film einfühlsam die Alltagsprobleme von Menschen ein und reflektiert die Gemütslage Deutschlands, von einer zunehmend gestressten Gesellschaft, in der der Einzelne zu kurz kommt. In mancher Szene gelingt es sogar, diese zwischen all der Ernsthaftigkeit des Films auch humorvoll zu reflektieren.
Fast ein modernes Märchen (oder eine griechische Tragödie) ist dieser Film: Übernatürliche Kräfte sind im Spiel, und zuletzt siegt „das Gute“ im Menschen. Alle Beteiligten vollziehen sich einem Wandel und zuletzt kehren sie verändert in ihre vorherigen Leben zurück.

In seinen schwachen Momenten verlieren sich jedoch all die humanistischen und einfühlsamen Ansätze in pathetischen Dialogen und Landschaftsaufnahmen. Immer wieder verharrt die Kamera minutenlang auf rauschenden Blättern oder Wolkenfeldern. Fotografieähnlich wird hier mit der Aneinanderreihung von Szenen gearbeitet, die eindeutig immer wieder darauf aus sind, emotionale Augenblicke zu erzeugen. Dann ergeht sich Julian in Monologen über die Menschheit, ihre Ursprünge und seine längst vernachlässigten Kräfte.
Nick Baker Montey, „Der Mann, der über Autos sprang“, Arsenal Filmverleih, Kimostart: 9. Juni 2011
www.arsenalfilm.de/der-mann-der
Alle Fotos © BurkertBareiss Development & ophir film GmbH / Volker Roloff
Text > Teresa Köster