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Purify it! | Ayse Erkmen wässert die Biennale

Zu nah am Wasser gebaut? Die einzigartige Stadtplanung, welche die einstige wirtschaftliche und politische Blüte erst ermöglichte, ist auch Venedigs Verhängnis. Mit aller Macht drängt das Wasser in die Lagune, zerstört unaufhörlich, was der Mensch erschaffen hat. Die Künstlerin Ayse Erkmen repräsentiert den Türkischen Pavillon auf der Biennale 2011. Dort will sie eine Maschine in Gang setzen, die dem Kreislauf des Wassers metaphorisch, ökologische und künstlerische Aspekte abgewinnt. Wir haben uns mit ihr unterhalten.

Ayse Erkmen, Sie planen eine Kläranlage für das Kanalwasser von Venedig. Bedeutet das eine metaphorische Verwandlung des für die Stadt schicksalhaften Elements?

Es ist eine kleine, vergebliche Geste, das Wasser aus dem Kanal in den Ausstellungsraum zu bringen und zwar als Installation eines skulpturalen Kreislaufs, durch den die Leute hindurchlaufen können. Das Kanalwasser wird gereinigt und bekommt sogar Trinkqualität, während es durch all diese Röhren läuft, die für den Klärungsprozess notwendig sind. Das Wasser verändert also seine Qualität auf der Reise zurück in den Kanal. Ja, das kann man eine Metapher auf den Wandel nennen, eine nutzlose Geste von Kunst an sich, von einer Skulptur in Gestalt einer Maschine…


»Bis August,« 2004, Installation view Gesellschaft für Aktuelle Kunst, Bremen

… wofür steht die Maschine in Ihrem Werk?

Für die Skulptur, eine arbeitende Skulptur. In dieser Arbeit steht sie aber für mehr. Die Maschinen machen aus dem Raum einen Ort der Produktion, wie so oft in meiner Arbeit. Tatsächlich war dieser Raum sogar einmal ein Produktionsort. Es wird verschiedene Maschinen geben, die getrennt voneinander in diesem Raum stehen und die wie Skulpturen in einen Dialog miteinander treten.

Wie sah »Plan A« aus, den Sie ja vermutlich verworfen haben, weil Sie »Plan B« ausstellen?

»Plan A« war eher eine performative Arbeit, in welcher der Kreislauf von »Plan B« durch einen Brunnen unterbrochen wird, von dem die Leute trinken können. Diese Idee haben wir aber aus konzeptuellen wie praktischen Gründen aufgegeben. Mit fortschreitender Recherche habe ich mich dann für »Plan B« entschieden und lasse das System Wasser eher für sich selbst sprechen als für die großzügige und spielerische Idee, es auszuschenken. Die Arbeit ist nun ein endloser Loop geworden. Es gibt kein Ergebnis, keine Ursache, keine Erwartungen!

Ayse Erkmen, »plan b,« photo: serdar tanyeli,

In Ihrer Arbeit vereinen Sie Konzeptkunst und Produktdesign, Installation und Kunsthandwerk. Was interessiert Sie daran, Grenzen zu überschreiten oder Kanäle, um in der venezianischen Metaphorik zu bleiben?

Ich habe großen Respekt vor Produkten, die von kompetenten Denkern und Händen gemacht wurden. Deshalb versuche ich, mit Experten zu arbeiten. Das verhilft dem Kunstwerk zu einer besseren Position. Wenn etwas unmöglich ist, dann hat das eine Ursache – und es gibt immer noch Hunderte von Möglichkeiten, aus denen man wählen kann: Als Künstlerin hat man also immer noch reichlich Raum weiterzudenken. Venedig ist ein Liebhaber der Kanäle und des Wassers. Darüber konnte ich gar nicht hinwegsehen.

Ayse Erkmen, Pavilion of Turkey / iksv.org

54th international art exhibition – La biennale di venezia,

june 4 – november 27, 2011 / labiennale.org

Erstes Bild > »Bluish,« 2009, Installation view Kunstverein Freiburg, Photo: Marc Doradzillo, all images Courtesy Galerie Barbara Weiss, Berlin

Interview: Marcus Woeller

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