
Modeausstellungen erfreuen sich dieser Tage immer größerer Beliebtheit. Gut so! Doch Masse heisst ja nicht unbedingt Klasse. Das Modemuseum in Antwerpen hängt die Latte zumindest immer wieder erfreulich hoch. Und genau hier kann man dieser Tage eine Ausstellung besuchen, die sich nicht alleine mit mit dem Oeuvre eines einzelnen Designers oder einer einzigen Strömung befasst, sondern viel mehr mit einem modesoziologischen Phänomen. “Living Fashion. Women’s Daily Wear 1750-1950. From the Jacoba de Jonge collection” nimmt sich des Einflusses den Mode auf das tägliche Leben europäischer Mittelklasse-Ladies zwischen 1750 und 1950 hatte an.

Hierbei wird nicht nur die Gratwanderung zwischen vestimentären Idealen und tatsächlichen Outfits unter die Lupe genommen, sondern auch die Konstruktionen der damaligen Bekleidung und die, sich daraus ergebenden, Konsequenzen in Haltung und Verhalten. Möglich gemacht wird dies durch die holländische Sammlerin Jacoba de Jonge, die seit ihrem 16. Lebensjahr Mode sammelt und mittlerweile eine atemberaubende Kollektion von 2500 Objekten ihr eigen nennen kann. Doch zurück nach Antwerpen und zu besagter Ausstellung, die aus zweifachem Grunde einen Besuch wert ist: a. Weil die Stadt Antwerpen auch ohne Grund schon Grund genug wäre und b. Weil eine Ausstellung, die nicht nur an der Oberfläche von Mode kratzt, nicht nur ganz besonders interessant, sondern auch ganz besonders unterstützenswert ist. In diesem Sinne: Goede reis!

Doch auch die Daheimgebliebenen müssen nicht verzweifeln, kann man sich doch schließlich dieser Tage im Deutschen Historischen Museum in Berlin auch die Austellung ‘Fashioning Fashion – Europäische Moden von 1700 bis 1915′ zu Gemüte führen. So einen schönen Trostpreis gab es selten.
www.dhm.de/ausstellungen/fashioning-fashion/inhalt.html

Text > F.Steinert