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„Running With The Hunted“ | Jaybo Monk in der Circleculture Gallery

Der Mensch als Maßstab der Dinge, sein Körper als Fixpunkt der Kunst und Architektur. Die Kunstgeschichte ist reich befüllt mit Beispielen, Stilrichtungen und Namen von Künstlern, die sich der menschlichen Studie verschrieben: Vitruv, Caravaggio, Le Corbusier, Picasso, Francis Bacon etwa. So unterschiedlich sie als Künstler agiert haben mögen, sie alle konnten der Faszination des eigenen Körpers nicht entfliehen – sei es in der anatomischen Nachahmung, in der Abstraktion oder in der vollständigen Zerlegung. Was jedoch noch malen, wenn bereits alles gemalt wurde? Was erforschen, wenn der Körper schon vollends erforscht ist, in jeglichen Stilen und Techniken? Gegen diese reine Nachahmung stellt sich Jaybo Monk, um Körperteile in neue Kontexte zu stellen und den motivischen, technischen sowie stilistischen Eklektizismus zu zelebrieren – auf einer einzigen Leinwand. Mit „Running With The Hunted“ zeigt der Franzose und Wahlberliner, Mitbegründer von Style and The Family Tunes und von Iriedaily seit gestern eine Auswahl seiner aktuellen Arbeiten in der Berliner Circleculture Gallery.

Auch wenn der Mensch als solcher nicht in der Ausschließlichkeit im Zentrum seiner Arbeiten steht, so sind seine Ausschnitte mal mehr, mal weniger erkennbar. Flexibel sind dabei sowohl das Format als auch die partiell Porträtierten selbst: Wehende Haare assoziieren seine Erscheinung nur noch; dann wieder sind es ganz Unterkörper, Beine, Münder oder Augen, die Jaybo mittels Acrylfarbe, Bethum und Spraypaint auf die Untergründe bannt. Wie Collagen sind die einzelnen Bereiche dabei neben-, über- und untereinander gelegt, überlappen, kontrastieren sich oder gehen harmonisch ineinander über.

Weniger das Individuum als das Zusammenspiel ist hier von Bedeutung, denn so wie auch die Stile und Farben in direkter Nachbarschaft variieren, ergeben sich aus differenten Gesichtspartien etwa auch vollkommen neue Konstellationen, die trotzdem offensichtlichen Ecken und Kanten ein neues Ganzes ergeben.

Die Reise durch die Kunstgeschichte an ihrem scheinbaren Ende – wurde doch alles bereits erfunden, imitiert und nochmals nachgeahmt – führt Jaybo aber auch in flächigere Welten. Hier wird die Farbe auf akribische Weise in Rechtecke gebannt, um dann wieder auf fast anatomischen oder verschwommenen menschlichen Studien aufzuliegen. Erinnerungen, nach denen der Maler sucht, können hier mehr als die rein privaten Erfahrungen sein. Vielmehr folgen die Bilder „paradoxen Ideen, die geboren werden aus dem Erbe der Romantik, Ideen am Rand der Verrücktheit, platziert um die Kindheit, die Natur, an Orten des Nicht-Denkens“, wo letztendlich „ein Tanz zwischen dem Rationalen und Irrationalen“ entsteht.

Urban Art trifft auf Fine Art, figürliche auf abstrakte Kunst und was sie zuletzt gemeinsam ergeben, ist nicht nur eine Aufforderung an den Betrachter, die Einzelteile eigenständig zusammenzusetzen, sondern auch eine unbekannte, zeitgenössische Malerei des Menschen, seines Porträts und seiner Kunstformen; kurzum: ein Abbild unserer Zeit gewissermaßen.

Jaybo: „Running With The Hunted“, 22. Juni bis 22. Juli 2012, Circleculture Gallery, Berlin.

www.circleculture-gallery.com

Text: Teresa Köster

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