
Dass er sich nie einem Genre verpflichtet gefühlt hat, ist wahrscheinlich der Grund, warum Hugo Capablanca seit Jahren nicht nur in der Wahlheimat Berlin auf so gut wie jeder interessanten Party auflegt. Viele Seelen wohnen in seiner Brust, so lässt er bei seinen Sets (Italo-)Disco mit House vibrieren, New Wave gegen Krautrock kratzen. Dieses bunte Päckchen trägt er regelmäßig in die New Yorker Clubs, und auch in Südamerika hat er sich mittlerweile einen Namen gemacht.
Im richtigen Leben scheint er seine Zeit damit zu verbringen, in Traummaschinen zu gucken und an analogem Synthiegerät rumzuschrauben. Die Ergebnisse hat der Spanier nun zusammen mit T. Keeler auf Gomma veröffentlicht.
Wie zu erwarten ist die EP „Ácido!” eine ganz und gar eigenwillige, im besten Sinne versponnene Platte geworden. Das Titelstück entfaltet einen verträumten Sog, der sich Zeit lässt, um eine spacige Synthiespirale à la Klaus Schulze aufzubauen und in den treibenden Beat einzusteigen. Die Künstlerin flâneur hat diese Stimmung in ihrem 13-Minuten-Video sehr passend wiedergegeben, irgendwo zwischen „Picnic at Hanging Rock“ und Beat Cinema hat sie dem Stück ein visuelles Zuhause gegeben.
„Tropanado“ behält den Hall-Hintergrund und das bekiffte Keyboard, baut davor jedoch eine schrammelige Gitarre und einen schneidenden Bass und schafft so den Schulterschluss von aggressivem Post-Punk und entspannter balearischer Abgehangenheit. Der Name in Lights-Remix von „Ácido!” ist schon leichter klassifizierbar und als straighte House-Nummer für die aktiveren Clubstunden bestens qualifiziert.
Capablanca & T. Keeler, “Ácido!” ist auf Gomma erschienen
Text > nh