
35.000 Tonnen Öl laufen im Jahr 1989 vor der Küste Alaskas in das Meer, nachdem der Tanker Exxon Valdez verunglückte. Noch mehr werden es vor zwei Jahren: 80 Kilometer vor der Küste bei New Orleans sinkt die BP-Ölbohr-Plattform „Deepwater Horizon“, wobei elf Arbeiter das Leben sowie sich rund 769 Millionen Liter Öl in den Tiefen des Ozeans verlieren. Die zwei schlimmsten Ölkatastrophen in der Geschichte der USA sind nur die berühmtesten Beispiele einer langen Historie der Unfälle und irreversiblen Umweltverschmutzungen, die von Beginn an den Erfolgszug der mehr als hundertjährigen Nutzung des fossilen Energieträgers begleitet. Eine Dokumentation dieser zerstörerischen Eingriffe, der Produktion und ihrer Nachwirkungen, aber auch der seltsam ästhetischen Ansichten jenes weitläufigen Kreislaufes der globalen Erdölindustrie präsentiert das c/o Berlin derzeit mit der Ausstellung „Oil“ des Fotografen Edward Burtynsky.

Edward Burtynsky: Oil Refineries #22 . St. John . New Brunswick, Canada, 1999. © Edward Burtynsky. Courtesy Nicholas Metivier, Toronto. Stefan Röpke, Köln.
Dreißig Arbeiten aus dem Werk des Künstlers zeugen von der intensiven Beschäftigung mit der Bedeutung des Öls sowie dessen Gewinnung. Von Plattformen im Meer und dem Innenleben riesiger Maschinenräumen, von verlassenen, rostenden Fördertürmen und glänzenden Öllachen über engste Stadtansichten aus der Vogelperspektive sowie Müllhalden – lückenlos dokumentiert Burtynsky, wo das Öl gewonnen wird, wo es hinwandert und welche Spuren es in der Welt hinterlässt.

Edward Burtynsky: Oxford Tire Pile #4 . Westley, California, USA . 1999. © Edward Burtynsky. Courtesy Nicholas Metivier, Toronto. Stefan Röpke, Köln.

Edward Burtynsky: SOCAR Oil Fields #9 . Baku, Azerbaijan . 2006. © Edward Burtynsky. Courtesy Nicholas Metivier, Toronto. Stefan Röpke, Köln.

Edward Burtynsky: AMARC #5 . David-Montham AFB . Tucson, Arizona USA . 2006. © Edward Burtynsky. Courtesy Nicholas Metivier, Toronto. Stefan Röpke, Köln.
Abscheu und Anziehung, wirkliche Schrecken in dem idealisierenden Stil der Landschaftsmalerei des 19. Jahrhundert – Edward Burtynskys Fotografien bringen die Kunstgeschichte nicht nur in die Realität ein, sondern stellen den Betrachter selbst vor Wahl: Gibt er sich den beschönigten Aufnahmen hin oder stellt er sich der harten Realität?!

Edward Burtynsky: Highway #1 . Intersection 105 & 110 . Los Angeles, California USA . 2003 . © Edward Burtynsky. Courtesy Nicholas Metivier, Toronto. Stefan Röpke, Köln.
Edward Burtynsky: „Oil“, 27. Juli bis 09. September 2012, c/o Berlin.
Erstes Bild > Oil Spill #5 . Q4000 . Drilling Platform . Gulf of Mexico . June 24 2010. © Edward Burtynsky. Courtesy Nicholas Metivier, Toronto. Stefan Röpke, Köln.
Text > Teresa Köster