
Dass Mica Levi eine klassische Musikausbildung hat und schon mit dem London Sinfonietta aufgetreten ist, sind Informationen, die überraschen, wenn gerade „Never“ im Hintergrund scheppert. Auch dass Levi als Produzentin beim Debutalbum des Rappers Dels tätig war, scheint in keinerlei Verbindung zu dem zu stehen, was sie mit ihren Shapes auf mittlerweile zwei Alben geschleudert hat. Den Stil der Band „unkonventionell“ zu nennen, wäre wohl untertrieben; „ADHS Skiffle“ sei das, bemerkte ein Rezensent sehr treffend. Verwandte im Geiste könnten vielleicht Les Georges Leningrad oder Tracy & The Plastics zu sein, nur dass Mica im Gegensatz zu deren ekstatischen Frontfrauen bei aller Aufregung um sie herum einen völlig emotionslosen Gesangsstil wahrt.
„Never“ stößt uns in ein buntes Sammelsurium aus schredderigem Rock, Plastikpop und Elektrospielereien, bei dem man es sich in keinem Sound zu gemütlich machen darf, denn es geht unentwegt weiter. Das Titelstück mit seinem verzerrt-hektischen Beat stellt dahingehend eine besondere Herausforderung dar. Da eine derartige Reizüberflutung auf Dauer etwas anstrengend werden kann, nimmt man dankbar die kleine Verschnaufpause an, die das getragene „Fall“ bietet. Mit „Nothing“ folgt dann so eine Art 60s-Schunkelballade – durch den postmodernen Samplewolf gedreht, versteht sich.
Mica & The Shapes machen Musik für jene, die ihr Symptom lieben gelernt und keine Angst davor haben, ihrem Aufmerksamkeitsdefizit ein wenig frisches Futter hinzuwerfen.
Micachu & The Shapes, „Never“ ist erschienen auf Rough Trade
Micachu live
+ Kwes
Samstag, 11.08. 21:00
Festsaal Kreuzberg
Skalitzer Str. 130
10999 Berlin
Text >nh